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Befreit die jungen Männer! Wider die Wehrpflicht

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Wenn ich einen flammenden Aufruf zur Abschaffung der Wehrpflicht halte, sind ein paar biographische Anmerkungen angebracht.
Ich selbst war in Summe mehr als ein Jahr beim Heer.
Als naiver 17-Jähriger habe ich mich (ja ich weiss, selbst schuld) für eine Reserveoffiziers-Ausbildung entschieden.
Nach einem Jahr Ausbildung bin ich etliche Male zu Übungen eingerückt.
Ich kenne also das Heer auch aus eigener Erfahrung.

Es gibt tausend Argumeten pro/contra Wehrpflicht.
Mir ist eines das wichtigste. Mit Abstand.
Was macht ein Heer, jedes Heer mit jungen Männern?
Wie prägt, verändert es sie?

Das Wesen jedes Heeres ist totaler Gehorsam.
Ohne diesen ist kein Krieg zu führen. Wer läuft sonst freiwillig in ein feindliches MG Feuer?
Es ist ein Hauptziel jeglicher Militär-Ausbildung: Diesen unbedingten Gehorsam herzustellen.
Das geistlose Exerzieren, der Drill, die Schikane, das unhinterfragte Akzeptieren jedes "Befehls" von oben, niemals Hinterfragen,schlicht: "den Mund halten und gehorchen" das ist Kern jedes Militärs.
Anders kann auch nicht Krieg geführt werden.
Das wird erlernt, tage-, wochen-, monatelang.
Und das hat Auswirkungen auf die Gesellschaft.
Gerade in Österreich, wo der Obrigkeitsstaat besonders tief verankert ist, wo Widerspruchsgeist, abweichende Individualität und Zivilcourage historisch besonders schwach ausgeprägt ist, hier richtet diese "Ausbildung" an zehntausenden jungen, prägsamen Jugendlichen eine besonders verheerende Wirkung an.
Jeder junge Mann, dem man das erspart ist ein Gewinn für die Demokratie.
Je früher, je besser.
Katastrophenschutz, soziale Dienste, all das ist wichtig, und eine Gesellschaft kann und muß das sicherstellen. Aber nicht als Subziel einer allgemeinen Wehrpflicht.
(Wie das gehen könnte, möchte ich in einem eigenen Beitrag beleuchten)
Heute möchte ich v.a. jenen widersprechen, die von einer "Zivilisierung" des Heeres durch die allgemeine Wehrpflicht sprechen.
Das Gegenteil geschieht: Eine Entdemokratisierung der Gesellschaft.
Robert Prazak (Gast) - 28. Aug, 13:19

Völlig richtig!

Lieber Herr Chorherr,

als Mensch, der vor mehr als 20 Jahren selbst das Heer erleben musste und als Vater eines derzeit 14jährigen, dem in wenigen Jahren das gleiche Erlebnis droht, gebe ich Ihnen vollkommen recht. Weg damit!
lg
Robert Prazak

Severin Hammer (Gast) - 28. Aug, 14:04

Bitte nicht so

Sehr geehrter Herr ,

Ich schätze Ihre Politik als Wiener sehr! Aber ich fürchte die Grünen sind da auf dem falschen Dampfer! Die USA führten und führen im Verband mit anderen westlichen Staaten großflächige Kriege in Afganistan und Iraq. Diese Kriege brachten nicht nur Leid in die betroffenen Länder, sondern auch in das Leben der Soldaten und deren Familie!

Ich versichere Ihnen derartige Kriege Sind nur mit Berufssoldaten durchführbar. Denken Sie an den Vietnamkrieg, der In den letzten beiden Jahren nur mehr durch Aussetzung der Wehrpflicht aufrecht erhalten werden konnte. Ich denke dieser Krieg hat wesentlich zu der Bildung der Umwelt und Friedensbewegung beigetragen! Stellen Sie sich vor, was am ballhausplatz los wäre würden Grundwehrdiener nach Afghanistan geschickt werden. Ich bin zu tausend Prozent sicher meine Eltern würden dort stehen und den Kanzler fragen, was ihr Kind in Kabul macht. Sie werden mir zustimmen, die Antwort es ist sein Beruf, seine Entscheidung, ist entwaffnend.

Ich bestätige Ihnen gerne aus eigener Erfahrung, dass so mancher Ausbildner nicht richtig tickt, ich bestätige Ihnen auch, dass der ganze Apparat einen eindeutigen Drall in die falsche Richtung hat! Das kann man beheben, siehe neue Ulrichsbergpolitik oder Beachtung des verbotsgesetzes im Auslandseinsatz.

Ich bitte Sie daher aus pazifistischen Überlegungen die Linie der grünen zumindest zur Disskussion zu stellen.
Wolfgang (Gast) - 28. Aug, 17:44

Wir sind neutral.

Nur weil solche Kriege von Berufsheeren geführt werden, heißt das ja nicht, dass jedes Land mit einem Berufsheer unbedingt mitmachen muss.
nori (Gast) - 28. Aug, 13:45

Nicht zu Vergessen: Auch ziviler Ungehorsam auf der Straße fördert das hier

www.ipetitions.com/petition/radweg-beim-naschmarkt/

Christoph Kaindel (Gast) - 28. Aug, 14:16

Lieber Herr Chorherr!

Danke, da bin ich ganz Ihrer Meinung. Zum Einfluss des Wehrdienstes auf den Charakter gabs eine interessante Studie: http://www.zeit.de/2012/23/C-Wehrdienst

Und die "Männerphantasien" von Klaus Theweleit fallen mir auch noch dazu ein ...

Severin Hammer (Gast) - 28. Aug, 15:06

Ok, und was ist mit den Berufssoldaten? Was haben die dann für einen Schaden wenn sie von 18 bis 30 dort sind? Schließen Sie sich der Zeit an, die meint die Bundeswehr muss sich am Arbeitsmarkt behaupten?

Ich finde dass verrückt, die holen sich dort die Leute, wo es keine Arbeit gibt! Glasgow, Liverpool, inner cities in den USA und in Deutschland halt im Osten! Sicher kriegen die einen computerkurs, aber ausgebildet werden Sie für Afganistan und Co!
Roland Giersig (Gast) - 28. Aug, 14:29

Nicht Abschaffung...

... sondern Umwandlung der Wehrpflicht in eine allgemeine Zivildienst-Pflicht. Nehmen wir doch das Gute und entwickeln wir es weiter. Ziel wäre eine Ausbildung der jungen Menschen (auch Frauen) in Sachen Zivil-, Umwelt- und Katastrophenschutz. Früher hat man junge Menschen auf die Walz geschickt, damit sie sich im Leben bewähren lernen. Ähnliches sollte so ein Dienst ohne Waffe leisten. Raus aus den vier Wänden des Heimatbezirks in ein anderes Bundesland, neue Menschen und Kulturen kennen lernen, sich mit Fremden arrangieren müssen, den Horizont erweitern.

Und dann heim kommen und gelernt haben, wie man mit anderen im Team zusammen arbeitet, wie Befehlshierarchien funktionieren, wie viel man sich selbst zutrauen kann, wo die eigenen Grenzen liegen. Wie man einen Baum fällt. Wie man ein Feuer löscht. Wie man eine Atemmaske anlegt. Wie man jemanden wiederbelebt. Wie man ein Bett neu bezieht, während noch jemand drinnen liegt. Und, und, und...

Ich denke, so eine Erfahrung würde zu mehr Gemeinschaftsgefühl führen, zu weniger "wir gegen die" Denken. Und das brauchen wir...

az (Gast) - 1. Sep, 13:22

das ist menschenrechtswidrig

was sie beschreiben ist ganz klar ein zwangsdienst und ein solcher ist ganz klar menschenrechtswidrig und verstösst somit gegen die österreichische verfassung. warum zwangs-wehrdienste nicht menschenrechtswidrig sind dürfen sie mich aber jetzt nicht fragen, so ist halt die deklaration der menschenrechte.
Wolfgang (Gast) - 1. Sep, 13:46

ganz einfach

Wenn man keine Ausnahme für den Wehrdienst gemacht hätte, hätt die EMRK halt kein Staat unterzeichnet, und sie wäre irrelevant geworden.
Wolfgang (Gast) - 28. Aug, 20:57

Einen Grund vergisst cc

Die Wehrpflicht ist die wahrscheinlich schlimmste Geschlechterdiskriminierung, die gesetzlich verankert ist. Ja, es gibt sehr viele Belange, in denen Frauen diskriminiert werden, aber ich wüsste keinen, der so eindeutig im Gesetz steht.
Das könnte für die Grünen ein großes Image-Plus bringen, denn bisher hatte ich nicht wirklich den Eindruck, als ob männerspezifische Themen dort gut aufgehoben sind.

Was den Zivildienst angeht: Irgendjemand muss die Arbeit bezahlen. Im Moment bezahlt der Zivi selbst mit dem Verdienstentgang gegenüber einer regulären Arbeit. Ein bisschen mehr Solidarität wäre hier angebracht.

jediritter (Gast) - 31. Aug, 23:00

So ist das mit Sklaven

Das Gegenteil wird der Fall sein

Lieber Herr Chorherr

Im Allgemeinen schätze ich ja Ihre Politik. Aber in diesem Fall liegen Sie völlig falsch. Genau das Gegenteil wird eintreten - es wird keinen Gewinn für die Demokratie geben sondern das Prinzip "Nur ich bin mir wichtig, die Gemeinschaft ist mir wurscht" wird weiter um sich geifen. Und wenn allen die Gemeinschaft wurscht geworden ist, wirds auch keine Demokratie mehr geben.

Meines Erachtens fehlen bei der Debatte einige wesentliche Aspekte. a)Soll/kann man den Wehrdienst durch einen für ALLE verpflichtenden Dienst an der Gemeinschaft (Stichwort "Sozialjahr") ersetzen. b) Wie bereits in anderen Postings erwähnt, wird die Rekrutierung der Berufssoldaten voraussichtlich stark bei Randgruppen erfolgen. Dagegen gibt es keinen Schutz, auch nicht dagegen, dass diese Leute einmal "Ordnung" schaffen werden/könnten. Auch das kann nicht im Sinn einer Demokratie liegen. Und c): "Profiheer" und bezahlte Sozialdienste werden sehr viel Geld kosten. Woher kommt das?

Ich weiss, dass mein Posting nichts an Ihrer Meinung ändern wird. Aber vielleicht wissen Sie ja Antworten auf obige Punkte. Im Übrigen: Wissen Sie, welche Meinungen manche Leute jetzt schon beim Bundesheer um 2 Uhr früh im leicht rauschigen Zustand nach einem Fest von sich geben? Politisch erschreckend. Und ein solches Profiheer will ich meinen Kindern keinesfalls zumuten.

Antworten schuldig

heute schreiben wir den 7.9., meine Fragen vom 29.8. blieben - fast könnte man sagen natürlich - unbeantwortet. Wieder einmal typisch Politiker, dabei war ich der Meinung, die Grünen sind anders. Enttäuschend.... oder Sie haben keine Antworten darauf. Wäre noch enttäuschender.

Übrigens befürchte ich noch eines: irgendwann wird jemand draufkommen, den "Arbeitsmarkt" für Berufssoldaten europaweit zu öffnen. Wird sicher zu unserer Sicherheit beitragen, Leute aus UK, Spanien, Frankreich oder dann Kroatien inn unserem Bundesheer zu haben. Wahrscheinlich immerhin Profis mit Kampferfahrung, früher sagte man Söldner dazu.
cc - 8. Sep, 08:33

s.g. Herr Katzenbeisser

Zeit ist, ob Sies mir glauben oder nicht, ein ziemlich limitierender Faktor.
Ja ich habe Antworten, und möchte/werde auch in einem eigenen posting genau drauf eingehen.
Jetzt nur eins: Ziemlich viele demokratische europäische Staaten haben ein Berufsheer.
Katzenbeisser (Gast) - 17. Okt, 14:51

Antworten?

Bis heute, 18.10.2012, gibts - zumindest auf dieser Seite - immer noch keine Antworten. Ich weiss schon, dass Zeit ein limitierender Faktor ist, aber diese 10 Minuten für die Antworten sollten doch einmal drinnen sein. Sonst siehe mein letztes Posting.
EP (Gast) - 29. Aug, 11:35

Verpflichtendes Sozialjahr

Meines Wissens nach ist es lt. Völkerrecht nicht möglich ein verpflichtendes Sozialjahr einzuführen, da es einem Staat nicht gestattet ist, seine Bürger zur Zwangsarbeit zu verpflichten. Ausnahme ist eben die Landesverteidigung und deshalb ist der Zivildienst in Wirklichkeit ja ein Wehrersatzdienst. D.h. keine allgemeine Wehrpflicht --> kein Zivildienst. Das sollte in der Diskussion berücksichtigt werden.

Wenn wir sachlich über das Thema diskutieren wollen gibt es 3 Punkte:

a) Landesverteidigung
b) Katastrophenschutz
c) Soziale Unterstützung (Zivildienst bei Roten Kreuz, Pflegeheime, etc.)

ad a)
Berufsheer hat in einer sinnvollen und finanzierbaren Mannstärke keine Möglichkeit einer umfassenden Landesverteidigung. Was gerne bei der Diskussion wenn man ins Ausland mit Berufsheer schielt, übersehen wird, ist, dass diese Länder meist Teil eines Verteidigung-Bündnisses sind( NATO).

D.h. Abwägen eines Beitritts zu einem Verteidigungsbündnisses (mit wahrscheinlicher Aufgabe der Neutralität).

ad b)
Das größte Problem beim Katastrophenschutz ist die zur Verfügungstellung ausreichender Mannstärke und natürlich Geräts. Feuerwehren und private Helfer (wie auch Team Österreich) sind hier natürlich unumgänglich, haben aber den Nachteil, dass die Mannstärke über einen längeren Zeitraum nicht aufrecht erhalten werden kann (auch die Mitglieder der freiw. Feuerwehr müssen irgendwann mal wieder an ihren Arbeitsplatz). Wenn hier aber z.B. ein techn. Dienst eingerichtet wird, was machen wir mit dem, wenn wir (gott sei Dank) keine Katastrophen haben.

ad c)
Ist eine reine Frage der Finanzierung.

Leider sieht es derzeit so aus, dass die SPÖ/ÖVP im Detail nicht auf diese Thematiken eingehen wollen und nur Wahlkampf betreiben.

Am Traurigsten in dieser Debatte ist ja, dass es (die Diskussion gibt´s ja schon mehrere Jahre) noch immer keinen A4-Zettel gibt, wo mal die realistischen Kosten der einzelnen Modelle ausgelistet sind. Im Grunde muss man den beiden Parteien ja Arbeitsverweigerung vorwerfen.

king.king@aon.at (Gast) - 29. Aug, 15:13

Entdemokratisierung der Gesellschaft

Zitat Chorherr:
"Gerade in Österreich, wo der Obrigkeitsstaat besonders tief verankert ist, wo Widerspruchsgeist, abweichende Individualität und Zivilcourage historisch besonders schwach ausgeprägt ist, ....."

Und wenn dann 150,000 gegen's Parkpickerl unterschreiben, wirds von den ach so demokratischen Grünen abgedreht ........

Herr Chorherr, kehren's einmal vor Ihrer eigenen Tür - dort gibts genug Mist !

E Malatesta (Gast) - 12. Okt, 12:48

Meiner Meinung nach ist dieser weinerliche Umgang mit dem Heer doch Unfug.
Das einzige das man dem österreichischen Heer wirklich vorwerfen kann ist das mit den vorhandenen Ressourcen, darunter leider auch die Zeit der Grundwehrdiener, ziemlich schleißig umgegangen wird.
Ansonsten erfüllt es seine Verfassungsmäßigen Aufgaben. Das man aus einer Bürgerlichen Sicht sich vor diesen Aufgaben lieber drückt und sie auf eine andere Gesellschaftsschicht abwälzt (und nichts anderes bedeutet ein Berufsheer: Die Reichen bezahlen die Armen um von und vor ihnen beschützt zu werden) ändert doch nichts daran das unsere Gesellschaft solche Institutionen die auf geistiger und physischer Unterdrückung aufbauen im innersten benötigt um ihre Bürgerlichen Vorrechte zu schützen, welche sie befähigen zu regieren (und Regierung und Opposition sind im Endeffekt nur zwei Rädchen in der selben Maschine) und andere letztendlich dazu nötigt ihre Befehle auszuführen. Das ihnen diese Variante natürlich lieber ist als umgekehrt liegt nur in der Natur der Sache.

Wolfgang (Gast) - 14. Okt, 12:19

Blödsinn

Die Bürgerlichen haben sich sowieso oft genug davor gedrückt, dazu braucht man kein Berufsheer.

Und ein Nein zur Wehrpflicht muss auch nicht unbedingt ein Ja zum Berufsheer sein. Wir könnten uns z.B. auch in dieser Liste wohlfühlen: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Staaten_ohne_Militär

Ich hoffe natürlich stark darauf, dass sich die Grünen dafür einsetzen, dass bei einer eventuellen Volksbefragung oder Abstimmung sämtliche Auswahlmöglichkeiten geschlechtsneutral formuliert sind.
Gernot Neuwirth (Gast) - 21. Dez, 07:47

WEHRPFLICHT, BERUFSHEER ODER WEDER NOCH? HANDSCHRIFTLICHER ZUSATZ

Lieber Christoph

Jedes Deiner goldrichtigen Argumente gilt in noch größerem Maß auch für ein Berufsheer

Ich füge jedenfalls am 20. Jänner auf meinem Stimmzettel handschriftlich hinzu:

BUNDESHEER BITTE AUFLÖSEN, MILITÄR ABSCHAFFEN.
BIS DAHIN: WEHRPFLICHT

und kreuze sicherheitshalber WEHRPFLICHT auch noch an.

Wieso Wehrpflicht? Weil ein Berufsheer eher zum Kadavergehorsam neigt und daher gegebenenfalls leichter gegen die eigene Bevölkerung einzusetzen ist als ein rekrutiertes Heer. In Erinnerung an das unselige Jahr 1934 war ja auch die SPÖ immer gegen ein Berufsheer, bevor sie kürzlich eine Wende vollzogen hat. Und 1984, bei der Besetzung der Hainburger Au, gab es Stimmen, die den Einsatz des Bundesheeres gegen die Naturschützer forderten.

Aber mehr denn je sehen viele so wie ich das Bundesheer überhaupt skeptisch und würden es am liebsten abschaffen und die freiwerdenden Mittel für den Aufbau eines echten, professionellen Katastrophendienstes und Sozialdienstes umwidmen. Jedes Mal, wenn jemand die Existenz unserer Streitkräfte damit rechtfertigt, dass sie ja auch bei Naturkatastrophen helfen, wird mir schwindlig von dieser absurden Argumentation. Der eigentliche Sinn ihrer Beibehaltung liegt wohl wirklich darin, NATO und/oder EU-Armee etwas für Einsätze in aller Welt anbieten zu können, wenn in Österreich eines Tages ein neuer Schüssel an die Macht kommt, dem unsere Neutralität bekanntlich so viel bedeutet hat wie eine Mozartkugel.

Unbewaffnete Neutralität gibt es bereits in einem Land mit vergleichbarer Größe und Bevölkerung: Costa Rica hat 1949 nach einem blutigen Bürgerkrieg sein Militär aufgelöst und stattdessen in Schulen und Spitäler investiert. Dabei war es die längste Zeit von kriegsgeilen Bananenrepubliken umgeben, wurde trotzdem nie angegriffen und ist heute bei weitem das reichste und sicherste Land der Region.

Unsere Volksbefragung sieht diese Option nicht vor. Das erinnert mich an eine Volksbefragung der australischen Regierung in Tasmanien vor vielen Jahren zu einem umkämpften Wasserkraftwerksprojekt. Besonders schlau fragte die Regierung, ob der Staudamm weiter oben oder weiter unten gebaut werden sollte. Eine große Zahl von BürgerInnen fügte handschriftlich NO DAM hinzu. DAS KRAFTWERK WURDE NIE GEBAUT.

Sollte jemand zwar auch für die Abschaffung, aber wenn schon dann eher für ein Berufsheer sein, könnte sie oder er ja BERUFSHEER ankreuzen und ebenfalls handschriftlich die Abschaffung fordern.



Mit lieben Grüßen

Gernot Neuwirth

Wolfgang (Gast) - 22. Dez, 09:47

Wahrscheinlich kommt eh Wehrpflicht raus

Aber nicht, weil die Leute die Wehrpflicht wollen, oder weil sie sich detaillierte Gedanken machen, so wie Sie, sondern weil das Geschlecht, das davon nicht betroffen ist, dafür stimmen wird, weil es sich Sorgen um das Gesundheitssystem (das auf der Ausbeutung unterbezahlter Zivildiener basiert) Sorgen macht, während es selbst nicht von der Zwangsarbeit betroffen ist.

Frauen bilden die Mehrheit in Österreich, ältere Personen ebenfalls. Leute, die das ganze noch vor sich haben, dürfen nicht abstimmen (bis auf ein paar Zivildienstpflichtige, die noch keinen Platz zugewiesen bekommen haben). Bei dem Argument mit dem unfinanzierbaren Sozialsystem gehts mir wie ihnen mit dem Katastrophenschutz. Es ist beides lächerlich. In diesem Fall: Die Kosten, die eine Hand voll Zivildiener durch den Lohnverlust während des Zivildienstes hat, kann man sehr wohl auf alle Österreicher aufteilen - das wären Peanuts pro Person. Man muss es nur wollen.

Aber solange man Menschen über Zwangsarbeit abstimmen lässt, die sie entweder schon hinter sich haben, oder nicht dazu verpflichtet werden, ist das eine Farce. Ich hoffe, dass ich die österreichische Bevölkerung jetzt völlig falsch einschätze, und sie genau das Gegenteil macht. Ich hoffe es.
isadora (Gast) - 19. Jan, 17:08

bitte nicht auf den wahlzettel schreiben...

wenn man einen zusatztext extra dazulegt, ist die stimme gültig. der text auf einem zusatzzettel wird auf alle fälle trotzdem gesehen!
Raphael (Gast) - 19. Jan, 12:13

Wehrpflicht

Solange die Alternative Zivildienst für jeden wählbar ist, halte ich ihr Argument für ungültig. Ich fürchte vielmehr eine Entdemokratisierung des Militärs. Ich will keine Landesverteidigung die ausschließlich von professionellen (hauptberuflich) Söldnern exekutiert wird. Der nächste Schritt ist der NATO Beitritt und die Privatisierung. Nein Danke.

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