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Das Positive am "Fall Pelinka"

Nein, das wird keine verspätete, zynisch-halblustige Abhandlung.
Ich meine das im Titel Gemeinte ernst.

Vorspann:
Erst hielt ich die Übersiedlung des Leiters des SPÖ Freundeskreises im ORF Niko Pelinka in ebendiesen ORF für gänzlich unmöglich.
So dumm könne doch die SPÖ gar nicht sein, so meinte ich.
Wrabetz könne doch die Polit-Abhängigkeit des ORF nicht derart zur Schau stellen.
Auch die heftigen Dementis wirkten irgendwie glaubwürdig.
So kann man sich irren.
Und dann, am 23. Dezember nachmittags wurde es bekanntgegeben: Also doch!
Als ich davon (am schnellsten wiedereinmal via twitter) erfuhr,hab ich mich maßlos geärgert, und diesem Ärger dergestalt Ausdruck verliehen:

twitter

Ich war einer von vielen.
Via twitter & facebook schwoll ein Proteststurm an, glaubhaft getragen von etlichen ORF-Mitarbeiter/innen.
In der Folge stiegen auch die traditionellen Medien in das Thema ein, alle durchwegs extrem kritisch.
Nahezu unglaublich dilettantische Details kamen ans Licht:
Erst Tage nachdem diese Besetzung bekanntgegeben (und im Windschatten auch weitere rot/schwarz/blaue Postenschachereien) wurde, kam es zur Ausschreibung in der Wiener Zeitung.
Und heute (3.1.2012) ist es durchaus im Bereich des Möglichen, dass Pelinka wegen des Protests diesen Posten nicht antreten wird.

Hier sei nun nicht die ganze Causa dargestellt, das haben viele andere sehr glaubwürdig und sehr ausführlich geleistet.

Heute sehe ich das Ganze wirklich in einem positive Licht.
Das hat zwei Gründe:
1.) Rotschwarze Postenbesetzungen im staatsnahen Bereich gehört zum "genetischen Code" der Zeit nach 1945. Erst war sie eine akzeptierte Selbstverständlichkeit, dann wuchs Unbehagen, aber irgendwann, ich glaube gerade jetzt ist ein Rubikon überschritten.
Es wird schlicht und einfach nicht mehr akzeptiert. Und wirksam Protest organisiert.
Zur Erinnerung am Beispiel ORF:
Es ist gar nicht lange her, da wechselte ein Nationalratsabgeordenter der ÖVP direkt auf den Posten des ORF Generalsekretärs (Kurt Bergmann).
Oder in der anderen Farbe. Ein Pressesprecher eines SPÖ Ministers (Andreas Rudas) wird ebenso Generalsekretär des ORF, und danach Generalsekräter der SPÖ.
Auch damals gabs unfreundliches Gemurmel und Kritik, aber es war einfach so.
Heute ist es anders: Es ist nicht mehr einfach so.
Es geht nicht mehr, der politische Preis ist zu hoch.
Es wird ganz allgemein als inakzeptabel und skandalös empfunden.
Kritik, die im Unternehmen bisher nur hinter vorgehaltener Hand geäussert wurde, wird jetzt laut und öffentlich geäussert.
Und wirksam.
Das ist, sofern es den ORF betrifft auch ein Verdienst von Alexander Wrabetz (wieder ganz ernst und ohne Zynismus gemeint). Seit er den ORF führt konnte sich eine, gemessen an bisherigen Standards, relativ freie und politisch weitgehend unbeeinflusste (nochmals: gemesen am bisherigen) Berichterstattung entwickeln.
Selbstbewußtsein ist gewachsen, das sich, wenn notwendig jetzt klar öffentlich äussert.
Egal, ob jetzt Niko Pelinka Büroleiter wird oder nicht, die Debatte markiert für mich eine Zäsur: Die rot/schwarze Selbstverständlichkeit der letzten Jahrezehnte, "wir teilen uns das Land auf" ist unweigerlich an ihrem Ende.

2.) Ganz wesentlich hat diese Entwicklung, wie auch die lawinenhafte Verbreitung der Kritik an Niko Pelinkas Bestellung mit der Veränderung der Medienlandschaft zu tun.
Nur dank "social media" war es möglich so rasch zu informieren und festzustellen, dass "man" mit seiner Kritik und Empörung nicht alleine ist.
Wer hätte noch vor wenigen Jahren eine kritische "ots" (Original-text-service der APA) des Redakteursrat zur Kenntnis bekommen.
Damals (wenige Jahre ists erst her) einige Medienjournalisten und Partei-Pressesprecher.
Heute, dank twitter und facebook Zehntausende innerhalb weniger Stunden.
Ausserdem:
Auf twitter "spürt" man Menschen.
Die Empörung, welche die ORF Mitarbeiter/innen unmittelbar äusserten, war mehr als glaubhaft und ansteckend.(z.B. bei Dieter Bornemann und Armin Wolf).
Dutzende Kommentare ( z.B. dieser hervorragende) und Blogs ( hier ein Beispiel unter dutzenden) wurden verfasst, und wen es interessierte (das waren und sind viele), konnte einfach nachschauen, nachlesen und selbst kommentieren.
Niemand musste auf den Filter der traditionellen Medien warten.
Wenn etwas auf "social media" hochkocht, dann springen die traditionellen Medien ( hier ein Beispiel) rasch auf. Spätestens jetzt kapieren es die Parteisekretariate.
Social media wird bleiben. Es wird sich weiter verbreiten und wirksamer werden. Informationen bleiben immer seltener unter der Decke. Ein so wichtiges demokratisches Gefühl wird sich ausbreiten: "Meine Stimme wird gehört"

hier ein beachtenswerter Kurzvortrag, der in kurzen 3:33 Minuten zusammenfasst, was sich Grundsätzliches durch "social media" verändert hat, und weiter verändern wird:



Sollte es jetzt sogar gelingen, diesen vergleichsweise geringen Anlassfall (SPÖ Funktionär wird Büroleiter bei Wrabetz) zu verhindern, dann ist wirklich Grosses für die demokratische Kultur in Österreich geleistet.
Und das ist sehr, sehr positiv.

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