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Chevron & Peak Oil

Gastkommentar von Thomas Seifert.

„Lassen Sie mich eines klarstellen: Die Zeiten, wo man einfach an Öl kam, sind vorbei. … Die Nachfrage steigt wie nie zuvor. Während die Weltbevölkerung und die Weltwirtschaft stetig wächst, genießen nun endlich Millionen von Menschen in Entwicklungsländern einen besseren Lebensstil, der aber zusätzliche Mengen an Energie benötigt. Tatsächlich meinen einige, dass die Welt in 20 Jahren 40 % mehr Öl verbrauchen wird, als heute. Zur selben Zeit reifen viele der Öl- und Gasvorkommen der Erde. Neue Funde werden hauptsächlich in Regionen gemacht, in denen das Öl schwieriger zu fördern ist – technisch, ökonomisch und auch politisch. Wenn eine steigende Nachfrage auf auf ein sinkendes Angebot trifft, heißt das, dass es mehr Konkurrenz um die selbe Ressource gibt. Wir können natürlich darauf warten, bis eine Krise uns dazu zwingt, etwas zu tun – oder wir können uns den schwierigen Fragen stellen.“

Dieser ganze Absatz stammt aus einem offenen Brief von David O’Reilly, CEO des zweitgrößten US-Ölkonzerns CHEVRON (155,3-Mrd.-Dollar-Umsatz, 13,3 Mrd. Dollar Gewinn, 47.000 Beschäftigte in 180 Ländern), der in den vergangenen Wochen in allen wichtigen US-Zeitungen abgedruckt war.
CHEVRON ist offenbar ins Lager der PEAK-OIListen gewechselt, der Ölkonzern gibt in TV-Spots und Printanzeigen zu, dass wir spätestens 2020 die zweite Hälfte der Erdöl-Epoche einläuten werden. Bislang waren die Ölkonzerne Chefbeschwichtiger und Beruhigungspillenverabreicher: „Macht Euch keine Sorgen, wir kriegen das hin, ihr kriegt Euer Öl, Ihr könnt Euch auf uns verlassen.“ Das war im Kern die Botschaft der Ölkonzerne. Nun wirbt der Konzern SHELL damit, dass die Zukunft im Gasgeschäft liegt, BP hat sich von „British Petroleum“ auf „Beyond Petroleum“ umgetauft und deutet damit an, dass BP-CEO Lord Browne of Madingley offenbar die Zukunft von BP im Post-Petro-Zeitalter sieht. EXXON (ESSO – von Konzernkritikern E$$O geschrieben) zieht nicht mit, EXXON-Boss Rex W. Tillerson zieht nicht mit, der weltgrößte Ölkonzern will von PEAK OIL oder Alternativenergie nichts wissen – der Konzern hat auch jahrelang „Forschungsinstitutionen“ unterstützt, die das Faktum des Klimawandels in Zweifel ziehen.
Offenbar setzt in der Ölindustrie ein Umdenken ein, die Konzerne beginnen sich langsam auf die Ära nach dem Öl einzustellen und ändern ihre Geschäfts-Strategien.

CHEVRON hat eine Website eingerichtet: www.willyoujoinus.com (Ich kann es immer noch nicht fassen, dass die Ölkonzerne nun PEAK OIL zugeben, dass sie zugestehen, dass versorgungs-seitig eben nicht alles paletti ist und dass es ohne Steigerung der Energie-Effizienz und der Nutzung von Alternativ-Energie nicht gehen wird.)

Hinweis: Vor kurzem ist das „Schwarzbuch Öl“ erschienen, das ich mit meinem Kollegen Klaus Werner (Bestseller-Co-Autor von „Schwarzbuch Markenfirmen“) geschrieben habe. Nähere Hinweise: www.schwarzbuch.org

buchcoverintro_blog

Thomas Seifert ist gemeinsam mit Klaus Werner Autor des soeben erschienenen Buches "Scharzbuch Öl".
Er ist Außenpolitikredakteur des Wochenmagazin News.
Seifert bereiste mehrfach den Irak, berichtete 2003 während des Irak-Krieges (u.a. auch für Stern, Facts, Format und den österreichischen Fernsehsender ORF) aus Bagdad. Nach dem Ende des Irak-Kriegs bereiste er den Iran, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate und kehrte wiederholt in den Irak zurück.

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