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dieter (Gast) - 24. Okt, 15:20

Mein Senf

Eine Vorzugsstimme haben sie von mir, weil sie meiner Meinung nach engagierte und praktische Stadt- und Umweltpolitik betreiben. Sie haben unter anderem die Peak-Oil-Problematik angesprochen, was wirklich mutig ist. Denn davon wollen die meisten Autofahrer einfach nichts wissen. Stattdessen halten sie die Ölkonzerne, die Regierung, Bush, Spekulanten oder sonstwen für hohe Ölpreise verantwortlich. Aber dass der motorisierte Individualverkehr eine gigantische Menge an Energie braucht, deren Nachschub nicht gesichert ist, das will keiner wahr haben.

Leider haben die grünen Spitzenkandidaten diesen Mut nicht, oder jedenfalls kommt von einer Umweltpolitik, die Autofahrer einfach treffen muss, nichts bei den Wählern an. Ich kenne Wiener, die stolze und begeisterte Geländewagen-Besitzer sind und sich trotzdem als Grüne bezeichnen. Die Grünen sind also für viele wählbar geworden. Aber leider oft nicht, weil diese Neo-Grünen überzeugt wurden, sondern weil die Grünen an Profil verloren haben.

Die angeblich mutigen Forderungen sind bei näherer Betrachtung Allerweltsthemen. Jede Woche outet sich in Deutschland ein etablierter Politiker als homosexuell und es regt keinen mehr auf. Diejenigen, die sich früher furchtbar über die Homo-Ehe aufgeregt haben, stehen dem heute tolerant aber gleichgültig gegenüber. Auch die Grundsicherung wurde in meinem Umfeld von niemanden ernst genommen. Und Bildungspolitik kann man nur bei konkreten Anlassfällen vermitteln und sich einen guten Ruf aufbauen, was den Grünen auch sehr gut gelingt. Bei den Wahlen sind dann aber immer alle für Bildung.

Zum Erfolg der FPÖ: Ich habe gestern eine Wette gewonnen. Ich hatte sowohl Grün als auch FPÖ bei 15% gesehen. Meine Mit-Grünen hielten mich für verrückt. Im Gegensatz zu den meisten anderen Grünen spreche ich aber auch mit FPÖ-Wählern. Viele andere verschließen sich da von vorneherein jeglicher Diskussion. FPÖ-Anhänger werden da schnell mal als brauner Bodensatz usw. bezeichnet. So schreckt man diese Leute aber nur ab. Es kommt keine Diskussion zustande und die Illusion besteht, dass eh keiner mehr den Strache wählt. Aber wenn man nicht mit FPÖ-Wählern spricht und ihnen nicht zuhört, dann wird man sie auch nicht überzeugen können.

Und so waren die Argumente von Strache-Gegnern zum größten Teil Selbstbeweihräucherung. Die Argumente der Strache-Anhänger sind nicht mehr die der 1995er Haider-FPÖ, also plumpe Ablehnung von allen Ausländern, Aufzählungen von unwahren Horrorstatistiken und Schilderungen von Einzelfällen von Asylmissbrauch usw. Stattdessen ist die Debatte über Parallelgesllschaften, die in anderen Ländern aufgekommen ist und dort breit disktuiert wird, auf uns übergeschwappt. FPÖ-Anhänger sprechen heute, wer hätte das je gedacht, von Gleichberechtigung, Menschenrechten usw. Die FPÖ hat das Thema jedenfalls aufgegriffen, ohne allerdings sinnvolle Lösungen anzubieten. Wie üblich haben sich alle anderen wegen ihrer alten Anti-Haider-Reflexe nicht über das Thema rübergetraut und damit Strache das Feld überlassen.

Wir alle kennen und ärgern uns über idiotische Unterstellungen und Mythen, wie dass die Grünen Türkisch als Pflichtfach einführen wollen usw. Solche Argumente beeindrucken uns nicht. Umgekehrt kann man mit Aussagen von diesem Schlag auch keinen FPÖ-Wähler überzeugen.

Alex (Gast) - 25. Okt, 20:03

Guter Beitrag

Danke für den guten Beitrag. Hat mir gefallen.

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