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digitaler Maoismus

eine erfrischende und intelligente Streitschrift des Computerwissenschaftlers und Musikers Jaron Lanier wider den Kollektivismus im Internet und wider die angebliche "Weisheit" von Wikipedia und Co.
die deutsche Übersetzung davon hier
dazu setzte eine heftige Debatte ein
z.b. hier
auch Larry Sanger, Wikipediagründer, erwidert ausführlich in seinem blog
spannend!
helge (Gast) - 17. Jun, 10:00

nur eine nette polemik

laniers polemik spricht einen sehr validen punkt an, seine ausführungen zeugen aber von gefährlichem halbwissen. das interessanteste an seinem text sind mE. die reaktionen darauf, auf die du eh verlinkst.

clay shirky bringt es für mich auf den punkt:
(..) However, “Digital Maoism” mischaracterizes the present situation in two ways. The first is that the target of the piece, the hive mind, is just a catchphrase, used by people who don’t understand how things like Wikipedia really work. As a result, criticism of the hive mind becomes similarly vague. Second, the initial premise of the piece — there are downsides to collective production of intellectual work — gets spread it so widely that it comes to cover RSS aggregators, American Idol, and the editorial judgment of the NY Times. These are errors of overgeneralization; it would be good to have a conversation about Wikipedia’s methods and governance, say, but that conversation can’t happen without talking about its actual workings, nor can it happen if it is casually lumped together with other, dissimilar kinds of group action. (..)
im gegensatz zu laniers ausführungen ist wikipedia nicht "kollektivistisch" organisiert, sondern in einer mischung aus direkter (abstimmungsprozesse) und repräsentativer (gewählte admins) demokratie, mit einem hauch monarchie (jimmy wales als letzte instanz).

lanier tut übrigens damit auch nur das, was er in seinem text den bloggern vorwirft: er provoziert anstatt ordentlich zu recherchieren.

eine hingegen hervorragende ressource zu diesem thema ist das buch: the wisdom of crowds, von james surowiecki. und der von ihm beschriebene "kollektivismus" wird übrigens nicht so sehr von den maoisten geobt, als von economist & co.

Gérard (Gast) - 17. Jun, 18:40

Ansichtssache

Hmmm, ich würde mir nicht erlauben, einem Computerwissenschaftler, der an Top-US Unis gelehrt hat, "gefährliches Halbwissen" vorzuwerfen. Tatsächlich spricht er in seinem Essay einige interessante Punkte an.

Z.B. "Was wir jetzt beobachten können, ist eine beängstigende Ausbreitung des Trugschlusses, das Kollektiv sei unfehlbar." -- Indem es keine expliziten Autoren von Internet-Inhalten mehr gibt, die zur Rechenschaft gezogen werden können, überträgt man die Verantwortung für diese Inhalte auf die "Allgemeinheit", das "Kollektiv". Das ist natürlich insoferne ein Unfug, als es immer nur eine winzige Minderheit ist, die für Inhalte bzw. deren Korrekturen sorgen. Man kann auch nicht von Abstimmungsprozessen oder repräsentativer Demokratie sprechen, da ja niemals die gesamte Internet-Community befragt wird.

Simples Beispiel, auf Wikipedia bezogen: Wenn mir ein fehlerhafter Eintrag auffällt, kann ich ihn ändern. Gut. Aber was dann? Soll ich dann täglich nachschauen, ob nicht ein anderer User die Korrektur wieder rückgängig gemacht hat? Wer ist eine absolute Instanz? Fachleute, Wissenschaftler, die ursprünglichen Quellen der jeweiligen Themen/Fragestellungen? Oder, das "Kollektiv", dh. eine Handvoll (bezogen auf 6 Mrd. Menschen) Leute, die gerne im Netz hängt?

Keine Frage, Wikipedia ist praktisch. Man erhält zu nahezu jedem Thema rasch einen Überblick. Wenn es mir allerdings um fachlich korrekte Inhalte oder verschiedene Meinungen geht, dann schau ich doch lieber in einem Lexikon (z.b. wissen.de) nach oder lese Kommentare in Zeitungen.

Und das ist auch die Essenz des Aufsatzes von Jaron Lanier: "Die beste Richtlinie dafür [den Wert des Kollektivs zu maximieren] ist, dem Individuum den Vorrang zu geben."
helge (Gast) - 22. Jun, 19:09

dein simples beispiel ist simpel beantwortet: wikipedia hat für solche "edit wars" durchaus sehr praktkable lösungen: diskussionsseite mit argumentation über die jeweiligen beweggründe, wenn das nicht hilft "meinungsbilder" mit abstimmungen bzw. moderation durch admins oder andere user in einem vordefinierten prozess.

das "halbwissen" bezieht sich vor allem auch auf den "kollektivismus": die obengenannten prozesse und auch "wisdom of the crowds" (-> buch) stützt sich ganz vehement auf das individuum - ganz so wie es lanier auch fordert. die referenz auf maoismus ist unfug.
maschi - 18. Jun, 18:54

Wikis

Ich bin ein begeisterter Nutzer von Wikis und ein Fan kollektiver, vernetzter Anstrengungen aller Art. Gleichzeitig bin ich ein Fan des kreativen Individuums und glaube, dass Fortschritt vor allem durch den "abweichlerischen" Geist angestossen wird und erst durch die Auseinandersetzung von Bestehendem mit (gänzlich) Neuem etwas Fruchtbares entsteht. Und später dann zum "Mainstream" wird.

Also: Trotz Begeisterung ist diese Debatte wichtig. Wir sollten bei jeder Innovation nach einiger Zeit des Experimentierens ein wenig innehalten und fragen, wo die "Downside" der Geschichte liegt: Was kann das neue Ding und was kann es nicht... vielleicht auch nur noch nicht?

Das "Ausradieren" des vielleicht ja sehr kreativen Abweichlers kann man als "Downside" von Wikipedia und Konsorten sehen. Aber im Grunde muss man eben nur wissen, was man vor sich hat: Es gibt Plätze für das Kollektiv und solche für das Individuum...

praetor (Gast) - 21. Jun, 19:05

die eine wahrheit

gibt es ganz selten. genau deshalb ist wikipedia so spannend, weil man die diskussion zu den einzelnen beiträgen verfolgen kann. natürlich kann sich bei einem wikisystem ein falscher artikel manchmal länger halten, dafür wird einem aber nur selten eine andere meinung vorenthalten.

ich verwende beides, wikipedia und lexika. wenn ich schlichte information brauche halte ich mich eher an die lexika, handelt es sich um subjektivere sachen ziehe ich wikipedia vor. es ist einfach demokratischer als lexika es sind...

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