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Kdolsky und die Gesamtschule

kdolsky
Quelle: heute
Während der ministerielle Pausenclown Andrea Kdolsky(im Nebenberuf Gesundheitsministerin) uns wahlweise mit grüner Pappnase oder Mulatschak tanzend aus allen Gazetten entgegenspringt, scheint in Wien wirklich eine sehr weitreichende Entscheidung gefallen zu sein.
Vizebürgermeisterin Laska kündigte an, ab 2009 nahezu flächendeckend die Gesamtschule einführen zu wollen.
Das wird spannend, denn sehr viele Fragen sind offen (bei der Gemeinderatssitzung am Freitag werden wir sie stellen)
1.) Eigentlich ist Laska dafür nicht zuständig. Um die Gesamtschule flächendeckend einzuführen bedarf es einer Gesetzesänderung auf Bundesebene (ob da die VP mitgeht?)
2.) Oder man machts als Schulversuch (was zwar rechtlich "hatscht", denn flächendeckend ist so etwas schwer argumentierbar) aber es ginge (wenn es das Ministerium duldet).
Jedoch: Dann müssen jeweils 2/3 der Lehrer/innen, der Elternvertreter und der Schüler/innen zustimmen, und zwar in jeder einzelnen Schule.
Angesichts des jetzt schon laut artikulierten Widerstands von AHS-Lehrergewerkschaft und AHS Eltern wird das mühsam bis unmöglich.
3.) Wie schaut die Übergangsfrist aus. Was machen jene Schüler/innen, die z.B. jeweils die 2. oder 3. Klasse AHS bzw Hauptschule besuchen.

Oder handelt es sich bei oben zitierten Vorschlag bloss um ein unabgesprochenes "brainstorming"?

Nachtrag 6 Stunden später : Scheint alles wie das Horberger Schiessen auszugehen.
Die Wiener Stadtschulratspräsidentin meint dazu: Geht sich bis 2009 nie aus. Soviel zur Wiener SPÖ:

Fragen über Fragen.
Ich bin gespannt, wie das weitergeht.Wir werden diese Fragen
(und viele mehr dazu) in den nächsten Tagen stellen.
Und sicher auch Wege finden, dies öffentlich zu machen.
Auch wenn inzwischen Kdolsky sicher ein ganz lustiger neuer Spass einfällt.
Gérard (Gast) - 25. Apr, 13:03

Fragen an Frau Laska

Abgesehen davon, dass ich mich des Eindrucks nicht erwehren kann, die SPÖ versucht jetzt krampfhaft an Profil gegenüber der ÖVP zu gewinnen und dabei keine Provokation auslässt, stellen sich SACHLICH einige Fragen:

1. Was belegt, dass eine Gesamtschule in unserem Gesellschaftssystem "funktioniert", d.h. für bessere Bildungschancen der Unterprivilegierten sorgen kann? In England und den USA (trad. Gesamtschulländer) ist die Bildungsverteilung nämlich noch viel ungleicher als in Österreich.

2. Warum soll krampfhaft ein historisch gewachsenes System "zusammengelegt" werden (wie auch immer das gehen soll), wenn eindeutig ist, wo die Probleme liegen - in den Hauptschulen der Ballungsräume nämlich. Die Gymnasien, BHSen und Hauptschulen am Land funktionieren prächtig.

3. Wie soll in der Praxis eine "Durchmischung" von Schülern unterschiedlicher Milieus und Bildungsvoraussetzungen ablaufen? Mit Quotenzwang? Reichen die "guten Vorbilder" in den Klassen, um Kinder bildungsferner Schichten zu fördern?

4. Können mit einem neuen Schulsystem die Sozialisierung der Kinder und Defizite des Elternhauses (sozial, einkommensmäßig, Einstellung zur Bildung etc.) kompensiert werden?

5. Wie soll der Gesamtschulunterricht in der Praxis ablaufen? Die Schüler und Lehrer aufeinander loszulassen wird wohl nicht reichen - es wird Heerscharen an Förderlehrern, Sozialarbeitern, Psychologen, Elternberatern etc. geben müssen.

6. Schließlich müsste das gesamte Unterrichtssystem vom Lehrplan über die Fächerdefinition bis zur Frage nach einer Ganztagsbetreuung umgestellt werden, Schulen müssten umgebaut werden (Aufenthaltsräume, Schulkantinen etc.). Das geht von einem Schuljahr aufs andere?

7. Nicht zuletzt sollten sich vielleicht nicht nur Theoretiker und Politiker mit diesen Fragen auseinandersetzen, sondern Praktiker, also Lehrer, die jahrzehntelange Erfahrung haben und - why not - vielleicht auch Schüler. Denn um die gehts ja schließlich.

Also, wenn die gute Frau Laska diese Fragen zufriedenstellend beantworten kann, dann habe ich absolut nichts gegen eine Gesamtschule.

Andernfalls bin ich für eine umfassende Reform der städtischen Hauptschulen - warum sollte der Patient am ganzen Körper operiert werden, wenn nur das Bein gebrochen ist...

teacher - 25. Apr, 17:53

Als bürgerlicher AHS-Lehrer war ich ja lange gegen die Gesamtschule. Nun verstehe ich die Zeichen der Zeit und weiß: Sie ist nicht mehr aufzuhalten. Ich habe mich an den Gedanken gewöhnt, schließlich hat sie auch ihre Vorteile.
Ich denke, dass uns die Umstellung ein Jahrzehnt beschäftigen wird.
Aber plötzlich wird sie übers Knie gebrochen. Von oben herab, gegen die Mehrheit der Menschen und Lehrer.
Mit dieser Motivation kann das nur schief gehen. Das garantiere ich, weil ich das Achselzucken der Kollegen schon sehe.

Das Schlimmste ist zu befürchten: Ein paar PolitikerInnen wollen endlich einen alten Traum realisieren. Egal, was dabei rauskommt ("Gusenbauer-Syndrom"). Die riesigen Probleme in unseren Schulen werden durch eine oberflächliche Strukturreform zugedeckt statt gelöst.

Markus Gansterer (Gast) - 25. Apr, 20:38

pseudo-differenziertes system AHS/HS

ich hab mir mal gedanken darüber gemacht, was an den derzeitigen gymnasien (wie ich eines besucht habe) so toll sein soll, dass sie mit händen und füßen verteidigt werden.

http://hellgruen.at/kolumne/177/gemeinsame-schule-gibt-es-nur-fl228chendeckend

In Wirklichkeit produziert das derzeitige pseudo-differenzierte Schulsystem genau das, was die Gesamtschulgegner am neuen Modell kritisieren: Einheitsbrei und Nivellierung nach unten.

ein flächendeckender schulversuch ist bei einer wohlgesonnenen bildungsministerin vielleicht aufgrund der systemimmanenz der geographischen gesamtheit sogar argumentierbar. bleibt wirklich das problem der SGA-zustimmung.

Markusl (Gast) - 25. Apr, 22:53

überhastet

ob die gesamtschule besser oder schlechter als das derzeitige system ist, kann ich nicht beurteilen. jedoch weiß ich zumindest, dass sehr vieles verbesserungswürdig ist.

bis 2009 die gesamtschule in ganz wien einzuführen ist jedoch zum scheitern verurteilt. dafür ist einfach zu viel planung notwendig. von der üerzeugungsarbeit ganz zu schweigen. das ministerium und von mir aus der stadtrat sollten manbesser ein ausführliches konzept erarbeiten. mit irgendwelchen schnellschüssen, ist unseren kindern jedoch sicher nicht geholfen.

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