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exon (Gast) - 30. Apr, 17:26

Andersrum

Die Teilung in eine Hauptschule und in eine Gymnasial-Unterstufe war vor vielen Jahrzehnten eine angemessene Reaktion auf den Bedarf einer sich heftig industrialisierenden Gesellschaft, deren zentraler Berufstyp der Facharbeiter war. Dass wir (und Deutschland, Schweiz) für die hervorragende Lehrlingsausbildung weltweit zu Recht gefeiert wurden, basierte auf offenkundig tauglichen Hauptschulen, die den jungen Menschen das Rüstzeug für eine technisch anspruchsvolle Lehre bzw. für Berufsschulen gaben.
Dass wir jetzt keine Hauptschulen dieses alten Typs mehr zwingend brauchen, liegt daran, dass wir eine Wissens-und Informationsgesellschaft sind bzw. werden, deren zentrale Berufstypen definitiv keine Facharbeiter mehr sind. Das wirtschaftliche und damit soziale Paradigma hat sich verschoben. Die Hauptschule ist funktionslos geworden.
Das - wie auch immer definierte - Gymnasium nicht: im Gegenteil, sein altes humboldtsches Ideal von der möglichst breiten Allgemeinbildung ist aktueller denn je. Da es nur mehr eine Sicherheit in der Arbeitswirklichkeit, im Produktionsalltag gibt, nämlich die, dass nichts fix und nichts sicher, sondern permanent Veränderungen ausgesetzt ist, kann es keine "speziellere" Grund-Ausbildung geben als die allerallgemeinste Allgemeinbildung. Alles andere muss, mehrmals im Leben, die Fort-und Weiterbildung innerhalb der Wirtschaft besorgen.

Bezeichenderweise kommen die beiden Gründer der höchstbewerteten Company der Welt (google) von der geisteswissenschaftlichen Logik und Mathematik - jeder unserer HTL-Schüler kann besser programmieren als die beiden, dermaßen "un-technisch" sind Gründer und Inhaber des wertvollsten Technologie-Giganten der Welt. Nicht nur die Hauptschule, auch das Realgymnasium hat mittelfristig ausgedient. Eine "Gesamtschule" muss es deshalb geben, weil wir gesamthaftes, ganzheitliches Wissen, vor allem aber Denkenkönnen als einzige Voraussetzung für künftiges konkurrenzfähiges Agieren in einer globalen Wissensgesellschaft festmachen können. Alles andere wird sich im Laufe der Entwicklung herausstellen.

Die neue Diskussion rund um die Gesamtschule ist eine Travestie auf eine seriöse Bildungs=Zukunftsdiskussion unserer Gesellschaft. Es werden die klassengesellschaftlichen Phantome der Zwischen-und Nachkriegszeit beschworen und vermeintlich gebannt. Statt sich die Frage zu stellen, wie das Land und besonders Wien wieder anknüfen können, wo vor nicht einmal sechzig Jahren der Faden gerissen ist: Eines der Zentren des Weltwissens zu sein, um von Geist vorsichtshalber nicht zu reden.

Gérard (Gast) - 30. Apr, 21:55

Gymnasium für alle

Wenn das Gymnasium mit dem Anspruch einer möglichst breit angelegten Bildung das Optimum darstellt, warum dann ändern? Warum nicht die Hauptschulen flächendeckend in AHS-Unterstufen umwandeln?

Wie man es dreht und wendet, kein Gesamtschulbefürworter kann mir schlüssig erklären, wie diese magische "Zusammenführung" zweier unterschiedlicher Schultypen funktionieren soll. Wenn das Schlüsselprinzip Kleinstgruppenunterricht lautet (und das ist es in Wahrheit, vgl. Finnland), dann braucht man nicht viel umgestalten und reformieren. Es würde reichen, (viel) mehr Klassenräume und Lehrer bereitzustellen!

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