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Stephan Bonefish - 29. Nov, 10:07

W@lz

Lieber Christoph Chorherr!

Mit großem Interesse verfolge ich Ihre Ausflüge in das Schulsystem!
Meine älteste Tocher besucht seit heuer eine sog. Alternativschule (Kreamont-Schule in
St. Andrä Wördern). Es ist fantastisch zu sehen, wie sich meine Tochter entwickelt!
Wenn ich das mit Ihren Kindergartenfreunden vergleiche, kann ich nur feststellen, dass
die sog. Alternativschule der Regelschule bei weitem überlegen ist - so meine bisherige
Erfahrung.
Was ich immer sehr interessant finde:
In 'unserer' Schule finden unter anderem Methoden Anwendung, die ich bis dato nur von
Management Seminaren kannte, wie zB. mindmapping, Feedback-Schleifen, Projekt-
Management etc. All das natürlich kindergerecht aufbereitet.

Die Frage, die sich mir immer stellt? Warum ist es für so viele beferemdlich, wenn in diesen
Formen unterrichtet wird. Im beruflichen Alltag wundert sich doch niemand ernsthaft, wenn
jemand seine Ideen/Gedanken zu einem Thema mittels einer Mindmap ordnet...

Ein weiteres Beispiel: Warte ich im Berufsleben (oder überhaupt im Leben) nur immer auf die
Aktion um dann zu Reagieren, werde ich es nicht weit bringen. Warte ich im Leben auf einen
Stundenplan, der mir genau vorgibt, was ich wann zu tun habe, werde ich es vermutlich auch
nicht leicht haben.
Wenn nun Kinder (in für mich absolut verblüffender Selbständigkeit) ihren Schulalltag
organisieren, so wirkt das für Aussenstehende befremdlich...WARUM?

Eine Anmerkung habe ich nur: Ihre Begeisterung für die Walz-Schule ist für mich nachvoll-
ziehbar. Was mich massiv abschreckt, ist der Preis. Unfassbar...
Hier sind wohl nur wenige, äusserst begüterte Familien in der Lage, ihren Kindern solch
einen Schul-Luxus zu bieten.

LG
Stephan Rist

Gérard (Gast) - 29. Nov, 16:56

Auf die Lehrer kommt's an!

Ich wage zu bezweifeln, dass generell eine "Alternativschule einer Regelschule bei weitem überlegen" ist, eventuell können im Einzelfall Vorteile überwiegen.
Die von Ihnen angesprochenen Methoden sind durchaus keine Seltenheit mehr im modernen Unterricht, auch Montessoris Zugang ist längst Allgemeingut. Die Frage ist immer, ob die jeweiligen Lehrer diese Methoden anwenden wollen und können. Das Wollen muss von einer Schulverwaltung gesteuert werden, das Können bedarf entsprechender Qualifikationen und eines passenden Umfelds. - Und hier sind wir beim Dilemma, da öffentliche Schulen durch mangelnde Ausstattung (Unterrichtsmaterial, Räume für offenes Lernen etc.) und viel zu große Klassen das Nachsehen haben gegenüber Privatschulen, die ein üppiges Schulgeld verlangen können.

Alternativschulen, die so alternativ sind, dass sie fast an Sekten grenzen (Steiner), haben das Problem, dass deren Absolventen zwar sozial top sind und künstlerisch perfekt gefördert, aber kaum Fachkompetenz aufweisen. So sind zB. für naturwiss. Studien eben bestimmte mathematischen Fertigkeiten nötig, die nicht in einem 14-Tage-Intensivkurs erlernt werden können.
jupe - 30. Nov, 11:13

Gegenbeispiel: Ich war vom 4. bis zum 14. Lebensjahr in einer alternativen Betreuung (zuerst Kinderladen dann Schule - nicht Steiner und auch keine Sekte), dann in einer öffentlichen Schule. Anschließend habe ich mein Physikstudium zum Thema Interferenz von Molekülen (Quantenphysik) mit ausgezeichnetem Erfolg abgeschlossen. Und Mathematik finde ich auch nicht böse - trotz Alternativschule.

ich denke, auf vielen Seiten gibt es viele Vorurteile. Auf Lehrerseite, Elternseite, Politikseite.

Und ich stimme völlig zu: auf die LehrerInnen kommts an. Deshalb finde ich: die engagierten, kinderfreundlichen LehrerInnen müssen unterstützt werden wo es nur geht!

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