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steppenhund - 21. Sep, 19:42

OK

Ich stimme in allem zu. Aber die Wut ist insofern nicht gerechtfertigt, weil sie den Faktor Mensch außer acht lässt. Der Vergleich mit dem Pyramidenspiel ist sehr gut. Aber Leute nehmen an Pyramidenspielen teil, selbst wenn man ihnen vorrechnet, dass man dabei nicht gewinnen kann, es sei denn man gehört zu den Urhebern des Spiels.
Einen Hochschulmathematikprofessor habe ich einmal gefragt, ob man nicht wissenschaftlich nachweisen könne, dass die Maximen des Kapitalismus nur auf begrenzte Zeit haltbar sind. Die Antwort: "Wir wissen noch nicht, ob es sich bei wirtschaftlichen Phänomenen um Nullsummenspiele handelt." Ich hätte ihn erschlagen können. Das war 1993.
Ich bevorzuge den Kapitalismus gegenüber den Kommunismus. Ein gewisses Leistungsprinzip ist notwendig, um den Menschen aus seiner Faulheit und Indolenz aufzurütteln.
Es sind übrigens nicht die Leute dumm, die keine Ausbildung bekommen können. Es sind die dumm, die am Ausbildungsnapf sitzen und sich fragen, wo zu sie Bildung brauchen. Und weil genau diese Leute "dumm" sind, funktionieren Pyramidenspiele und funktioniert eine Propaganda, die ja noch viel mehr als rein materiellen Schaden verursacht. Ich brauche da wohl keine Beispiele zu geben.
Meine Räsoniererei wäre aber genauso unsinnig, wenn ich nicht den einen Punkt erwähnen würde, der sich gegen die Politiker richtet. Ganz, ganz selten kommt es vor, dass der Politiker einer Partei die Taten der anderen gelten lässt. Da sind die Grünen leider keine Ausnahme.
Wenn die Regierung 2000 bis 2006 so schlecht gewesen ist, ist es wirklich ein Jammer, dass wir insgesamt nicht besser in der Weltrangliste aufscheinen. Grün und Rot hätte uns wahrscheinlich an Platz Nummer 1 der reichsten Länder katapultiert, der CO2-Ausstoss wäre null und die Arbeitslosenzahlen negativ(!)
Es ist für mich nahezu unmöglich zu glauben, dass jede Regierung nur ein Selbstbedienungsladen für die eigenen Leute sein kann. Das führt in den meisten Ländern zum Putsch. Vielleicht nicht bei uns, weil es uns ja zu gut geht.
Und die Politik Bush's wird die Amerikaner vermutlich trotzdem nicht abhalten, republikanisch zu wählen, weil ihnen ein NEGER zu unwählbar erscheint. Dabei hat Obama tatsächlich etwas mit Kennedy gemeinsam, den Wunsch etwas zu verändern.
Ich habe einmal in einer recht hoch angesiedelten Sitzung die These vertreten, dass die Programmierer in unserer Firma interessiert sein müssten, etwas Neues zu lernen. Ein sechzigjähriger Palästinenser, der Bruder des Sicherheitschefs von Arafat, hielt mir entgegen, dass die Leute keine Veränderung wünschen. Damals, 2000, diskutierte ich noch über das Thema. Heute gebe ich ihm recht.
Die wenigsten wollen sich verändern, wollen umdenken. Aber sie spielen bei jedem Preisrätsel mit, sie spielen Lotto, Toto und was immer. Denn der Glaube, dass man etwas geschenkt bekommen kann, ist der heutige Zeitgeist. Selbst ich selber spiele damit, in dem ich Werbeaussagen mit einem Gewinnspiel verbinde. Auf allerkleinster Basis, im Rahmen von technischen Präsentationen. Aber nur so fängt man seine Pappenheimer.
Ich selbst gehöre auch eher zu der statischen Mannschaft. Aber ich freue mich wenigstens, dass meine Kinder schon etwas anders denken. Und mein Chef und sein Schwager wählen beide grün. Und ich kann Maßnahmen vorschlagen, die in den CSR-Bereich hineingehören. Ich gebe hier absichtlich nicht die Bedeutung von CSR an. Mal sehen, wie viele Leser hier den Begriff ohne zu googlen kennen.
Es menschelt. Unter diesem Aspekt können wir uns nur alle selbst an der Nase nehmen. Manchmal tue ich es auch bei mir. Aber halt nur manchmal.

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