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Jakob Lettenbichler - 24. Sep, 15:34

Andersrum

Ich habe die Idee "Politiker interviewt Journalist" als ziemlich genial empfunden. Klar, es ist eigentlich nur ein Gespräch, aber auch solche können als Interview gewertet werden.
Was hier angesprochen wurde, ist ja im Wesentlichen das Web 2.0-Konzept. Der User generiert die Inhalte. Many-to-many-communication nennt man sowas. Grundsätzlich finde ich dieses Konzept als eine der größten Kommunikationsrevolutionen, die die Menschheit bisher durchgemacht hat. Denn es fallen Hürden weg, die man vor ein paar Jahren nicht mal wahrgenommen hat: Ich kann (theoretisch) der ganzen Welt meine Meinung, meine Erfahrungen oder was mir sonst so am Herzen liegt, mitteilen. Und das ohne Filter, die auch wenn sie Objektivität predigen, immer die Botschaft verzerren (auch wenn es oft gut gemeint ist). Ich denke auch, dass ein zu behutsamer Journalismus den Leser entmündigt. Mit dem Wegfallen dieser Instanz kann sich der geneigte Leser selbst ein Urteil bilden. Niemand wird so naiv sein und einen Blog eines Politikers auf den selben Obejktivheitsgrad einer Zeitungsmeldung zu stellen. Der Blog ist doch nichts anderes als ein Kommentar, der natürlich persönliche Meinung beinhaltet. Klar, natürlich kann es sein, dass sich rechtsradikale Blogs bilden, aber man soll bitte nicht vergessen, dass Österreichische Gesetze auch im Internet gelten: Baue ich eine Nazi-Seite, bin ich weiterhin dafür strafbar. Weiters ist es seit 2005 Gesetz, den Namen und die Adresse des Herausgebers der Homepage im Impressum aufzuführen.
Die Aussagen von Herrn Klenk, dass wir den Journalismus als Kontrollorgan benötigen, kann ich nicht ganz teilen. Es ist sicher gut, dass es ihn gibt, aber ich denke, dass sich die Aufgabe des Journalisten wandeln wird. Vom alleinigen Informationsüberbringer zum Informationssammler. Es wird mittlerweile so viel Wissenswertes pro Tag produziert, dass man eine Instanz braucht, die das Wissenswerte vom Wertlosen trennt und so die Zeit der Leser spart.

lg Jakob

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