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tetrade (Gast) - 31. Okt, 08:07

Löst sich das von selbst?

Warum hat die Integration im Wien der Jahrhundertwende - laut Peter Drucker - besser funktioniert als in irgend einer anderen Gesellschaft zu irgendeinem anderen Zeitpunkt der Geschichte?
Warum hat die Integration der "Gastarbeiter" in den 70er und 80er Jahren aus heutiger Sicht idyllisch klaglos funktioniert?

These: Im ersten Beispiel haben Bewohner der "Provinzen" den immer und überall anzutreffenden Drang nach der Hauptstadt/Metropole als persönlich-private Befreiung von allerlei Zwängen empfunden. Der Drang, sich den Spielregeln der Metropole freiwillig zu unterwerfen, war authentisches Glücksstreben: möglichst schnell einer sein, dem man nicht anmerkt ein "Zuagraster" zu sein.

Im zweiten Beispiel hatte die Integration einen Verbündeten: den real existierenden Sozialismus in Südosteuropa. Ein kurzer Heimaturlaub alle paar Monate hat gereicht, um im Gefühl zurückzukehren, man habe eine Eintrittskarte für Nirwana. Das förderte die Bereitschaft Sprache, Kultur und Sitte der neuen Heimat anzunehmen.

Heute fällt all das weg: Wer heute da ist, empfindet keinerlei Überlegenheit des hiesigen Systems, im Gegenteil. Satellitenfernsehen, Billigtelefonie, DVD und Internet fördern das Gefühl virtuell in der Heimat geblieben zu sein. Man empfindet hier nichts als besser oder attraktiver als das, was man zurückgelassen hat. Die meisten dieser Menschen hassen den Umstand, auf der Suche nach Arbeit "ihr Leben" zurücklassen zu müssen. Jeder träumt nur vom Tag, an dem man zurückkehren kann (die hier Geborenen sind diesbezüglich qualvoll ambivalent).

Integration ist darauf angewiesen, dass der Emigrant in der Ferne sein Glück wähnt und daher - im Umkehrschluss - nie wieder in sein Unglück zurückkehren will. Dieses Gefühl können wir nicht "machen".

Daher: Integration bleibt ein unlösbares Problem. es sei denn, es löst sich von selbst auf, indem die Arbeitsplatzsituation in Anatolien auch nicht schlechter als in Österreich ist. Und das könnte sich ja bald einstellen.

Raphael (Gast) - 1. Nov, 02:43

Stereotypen

"Man empfindet hier nichts als besser oder attraktiver als das, was man zurückgelassen hat." Man? Während "die Österreicher" von unserer Kultur und Sitte schwärmen? Geht 's noch klischeehafter?

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