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tetrade (Gast) - 2. Nov, 13:37

@urgi & co

Habe mir erlaubt in einem Posting weiter oben zu erklären, warum die Integrationsproblematik zu jenen gehört, die derzeit nicht zu lösen sind (heisst nicht, dass verschiedene Maßnahmen, um das Problem einzudämmen, unterlassen werden sollten - notabene wir nur eine Sonderproblematik mit Türken/Moslems haben).

Ich vermute, wenn wir allgemeiner werden wollen, dass CC von einer qualifizierten Teilöffentlichkeit, die über den grünen Rand hinausgeht, nicht zuletzt deshalb als herausragend redlicher Politiker angesehen wird, weil er sich eingestehen kann, dass manche, auch besonders virulente, gesellschaftliche Probleme vorübergehend nicht zu lösen sind.

Das unterscheidet ihn von den meisten anderen Politiker aller Lager und Parteien, die die Intelligenz ihres Publikums beleidigen, indem sie jedes Problem für - noch dazu: einfach - lösbar halten: Mehr Staat, weniger Privat; mehr Privat, weniger Staat; Ausländer raus, das Boot ist voll; mehr Ausländer, aber nur qualifizierte; Studium für alle, Gebühren weg; Elite-Studium, Gebühren her und so weiter.

Der Common Sense sagt einem, die "Wahrheit" liegt zwischen diesen plakativen Übertreibungen, im Raum, den das wild ausschlagende Pendel stets überfliegt. Diesen Raum zu beschreiben, geschweige zu gestalten, ist furchtbar schwer, weil das eben nicht einfach geht, weil es entsetzlich vieler Wenn und Abers und Sowohl-als-Auchs bedarf, die sich noch dazu auf der Zeitachse bewegen/verändern.

Es bedarf einer neuen gesellschaftspolitischen Relativitäts-Theorie und einer daraus abgeleiteten Praxis...das wäre das eigentliche grüne Kernprojekt.

CC steht aus meinem Empfinden für die Skandinavisierung unserer Politik: Warum kann in Dänemark das Gemeinwohl einen unübersehbar höheren Stellenwert haben als bei uns, obwohl der Markt/Kapitalismus auch besser funktioniert als bei uns? Warum können diese extrem wohlhabenden Gesellschaften eine Kultur entwickeln, in der sich Wohlstand und Status nicht in SUVs und einer öffentlich zur Schau gestellten Gier niederschlagen, sondern in Geschmack, Design, Umwelt- und Bildungsbewusstein und - vor allem - Lebenskultur? Wie können wir uns da was "abschneiden", abschauen, für uns adaptieren?

Das sind die Fragen, die CC - in immer neuen Varianten - stellt und erprobt, gleichgültig, ob er Fahradwege durchsetzt, Schulmodelle entwickelt oder vorbildliche Entwicklungsprojekte in Afrika initiiert. Und damit beispielhaft seine Partei davor zu bewahren versucht, allzu österreichisch zu werden, wozu sie stärker denn je tendiert.

Wie in der Industrie benötigt man auch in der Politik eine "Benchmark", ein Vor-Bild, an dem man sich messen will. CC hat solche Benchmarks, bisweilen stellt er sie selber auf und wir dadurch sebst zu einer Benchmark, an der sich andere Politiker messen lassen müssen.

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