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tetrade (Gast) - 10. Nov, 12:50

Adam sagt: Warren ja, Steve nein

Steve Jobs, der Superstar unter CEOs der Welt, übernimmt in den 90er Jahren "sein Baby", die von ihm gegründete Firma Apple, aus der er vor vielen Jahren von den Aktionären vertrieben wurde. Jetzt liegt die Firma am Boden, ist kurz vor dem Aus und die Aktionäre wollen Jobs zurück. Er sagt ja unter einer Bedingung: Er will zwar nur 1 Dollar Gehalt, aber ein gewaltiges Aktien-Paket, das damals vergleichsweise billig war.

Die innere, "persönliche Bindung" von Jobs an Apple ist unüberbietbar. Und dennoch hat er einer Generation von CEOs vorgelebt, wie man es macht: Man treibt den Preis des eigenen Aktienpakets hoch und verkauft es bei erst bester Gelegenheit (er wäre unlängst fast gestolpert über die Nichteinhaltung diesbezüglicher Fristen). Dieses Beispiel hat Schule gemacht.

Das Hochtreiben des neuen, artifiziellen Shareholder Values ist ein eigenartiger, fast surrealer Vorgang: Er ist ausschließlich auf die Einschätzung von einigen wenigen namhaften Börsen-Analysten orientiert. Diese honorieren ausschließlich kurzfristige "Lösungen" vergleichsweise mechanischer Natur: Entlasse möglichst viele Mitarbeiter als "Kostenbremse" und sie lieben dich (gleichgültig wie viele Humanressourcen, Erfahrungen, Potenziale für langfristige Wachsumsstrategien du damit vernichtest), ist nur ein Beispiel dafür.

Warren Buffett ist ja deshalb ein nationales Heiligtum der USA, weil er die berühmte, jedem geläufig Ausnahme ist: Der einzige weltberühmte Investor, der auf diese Form der Analysten-Ratschläge pfeift und nachhaltig, langfristig am inneren Wert eines Unternehmens orientiert ist.

Also bitte geschätzte Mit-Poster: Warum soll die Allgemeinheit kein Interesse daran haben, das Steven-Jobs-Modell abzudrehen und das Warren-Buffett-Modell zu institutionalisieren? Warum soll ich das nicht gesetzlich - selbstverständlich para-national - verankern können? Warum soll ich dieses Gesetz nicht durchsetzten können?

Vielleicht hilft ein Blick in die theoretischen Original-Texte, das tut immer gut zur Klärung der verworrenen Gedankenlage: Adam Smith: "Der Wohlstand der Nationen" sollte Pflichtleküre werden. Der Vater des modernen Kapitalismus, der uns die Vorstellung von der "unsichtbaren Hand des Marktes" eingepflanzt hat, wendet dabei mindestens so viele Gedanken darauf auf, welche Aufgabe dem Staat und der Politik zufallen, um Verzerrungen des Markets zu korrigieren.
Gerade weil er an die segensreiche Wirkung eines möglichst freien Wirtschaftens und Handels glaubte, glaubte er stets auch daran, dass die Spielregeln dieser Freiheit ständig mißbraucht werden und daher ständig und auf der Höhe ihrer jeweiligen Zeit p o l i t i s c h korrigiert werden müssen.

Das ist, mit Verlaub, hier unser Thema.

Orjares (Gast) - 10. Nov, 13:39

"Also bitte geschätzte Mit-Poster: Warum soll die Allgemeinheit kein Interesse daran haben, das Steven-Jobs-Modell abzudrehen und das Warren-Buffett-Modell zu institutionalisieren? Warum soll ich das nicht gesetzlich - selbstverständlich para-national - verankern können? Warum soll ich dieses Gesetz nicht durchsetzten können?"

Das ist ja jetzt schon das Interesse der Allgemeinheit. Ich vermute, wenn man Leute auf der Straße fragt, wird der Großteil sagen, dass Besitzer sich am langfristigen Erfolg orientieren sollen.

Allerdings - wie sollte das Gesetz aussehen? Ein solches Gesetz wird die aktuelle Finanzwelt ordentlich umkrempeln (da momentan viele Berufszweige wie Berater, Investmentbanker, Ratingagenturen usw nur darauf basieren, zu verschleiern, wo das Geld herkommt - von den Leuten).

Ich vermute, kein Politiker hat hierzu eine Lösung. Außer diejenigen, die die Zentralwirtschaft wieder einführen wollen. Das heißt, die Politik muss jetzt
- ohne Lösung
- gegen den Widerstand einer irrsinnig starken Lobby
etwas umsetzen. Während zweiteres machbar ist (traue ich Politikern in allen Parteien zu), fehlt es an ersterem.

Wie bringt man mittels Gesetz wieder Überblick und Moral in die Finanzwelt? Kannst du das beantworten? Die Ideen die ich z.B. hätte würden einen noch nicht vorhersehbaren Umbruch in der Gesellschaft bewirken:
- alle Geldflüsse nachvollziehbar machen
- Managern und/oder Besitzern moralische Verantwortung geben

Grundsätzlich weißt das auch auf Mangel im Bildungswesen hin, dass da über Jahrzehnte hinweg eine Gesellschaft entstehen konnte, die uns alle beeinflusst, die aber nur Eingeweihte verstehen. D.h. Änderungen müssten auch da einfließen.

Eine irrsinnig große Baustelle, wie anfangen, was soll am Ende da sein?



"Gerade weil er an die segensreiche Wirkung eines möglichst freien Wirtschaftens und Handels glaubte, glaubte er stets auch daran, dass die Spielregeln dieser Freiheit ständig mißbraucht werden und daher ständig und auf der Höhe ihrer jeweiligen Zeit p o l i t i s c h korrigiert werden müssen.

Das ist, mit Verlaub, hier unser Thema."

Stimme zu, habe eine ähnliche Einstellung: Staat legt transparent alle Regeln fest und korrigiert sie, unbeeinflusst von denjenigen, die von den Regeln profitieren. Ansonsten macht er nicht mehr. Allerdings sollte es um einiges mehr Regeln geben, und der Staat sollte ein gewisses Qualitätsniveau vorgeben - wenn Unternehmen nicht neben staatlichen Unternehmen bestehen können, Pech gehabt.

Wie nennt man diese Einstellung?

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