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Wolfgang (Gast) - 16. Nov, 10:44

was bringts?

Als Informatiker kann ich den gesellschaftlichen Wert eines Internetzugangs zwar sehr gut nachvollziehen, allerdings wird das Informations & Bildungsbedürfnis auch mit einer ISDN-Flatrate erfüllt. Die Telekom hat damals mit ihrem verhassten Kind "Aon Complete" mehr für den ländlichen Raum getan, als die ganzen Breitbandanbieter, die wir heute so kennen.
Ich bin natürlich froh, dass ich im Burgenland 16MBit bekommen könnte (übrigens von einem burgenländischen Anbieter), aber die Sachen, für die sich die Politik interessiert (und zu interessieren hat) brauchen ja nichtmal ein Zehntel der Bandbreite.
Ist natürlich ein Prestigeprojekt für die Finnen, 100 MBit Anschlüsse zu verteilen - aber (gute) Computerkurse für Leute, die noch keinen Anschluss haben, energischeres Vorgehen gegen Betrüger (z.B. auf eBay), und mehr Zugangsmöglichkeiten sind sicher sinnvoller.

tetrade (Gast) - 16. Nov, 13:32

Wolfgang! Ist das dein Ernst?

Einem Informatiker muss man wohl diesen sonderbaren Menschenschlag erklären, der die Welt nicht durch Code und einen 17-Zoll-Schirm betrachtet.

Diese sogenannten normalen Menschen wollen fernsehen, mehr oder minder täglich, im statistischen Schnitt über 2 Stunden täglich. Oder sie wollen eine Spielekonsole spielen. All das geht - theoretisch - sehr viel besser auf 40- oder 50-Zoll-Flatscreens. Auf diesen Faltscreens sieht Standard-Defintion-Fernsehen ziemlich scheisse aus. Das zieht einen Bedarf an HD-Bilder nach sich. Ein Fernsehprogramm in HD benötigt mindestens 12 Mbit pro Sekunde, wenn man es - was vernünftig ist - als IP-TV anliefert. Handelt es sich um Sport oder andere schnell bewegte Inhalte, würden 15 oder sogar 19 Mbit/sec nicht schaden. Die diesbezüglichen Kodex scheinen weitgehend ausgereizt zu sein, "Bandbreitensparen" wird hier künftig nicht mehr viel bringen.

Wenn also einer im 16 Mbit-Haushalt im Burgendland künftig ein Qualitäts-TV-Programm sehen will und ein anderer in dem Haushalt gleichzeitig surfen will und dabei ein größerer Programm downloaden möchte und ein dritter telefonieren - nicht gerade lebensferne Szenarien - dann wird es schon ganz schön knirschen auf der 16 Mbit-Leitung.

Wenn ich dann eines nicht allzu fernen Tages einen Blue-Ray-Spielfilm nicht aus der Videothek holen möchte, die im Burgenland weit sein kann, sondern runterladen will, dann wären 30 Mbit schon günstig. Wenn dann einer in diesem Haushalt von zuhause Arbeiten möchte, weil das seine Firma vernünftigerweise anbietet und er dabei in einem fetten CAD/CAM-Programm arbeitet, weil er Maschinenbauer oder Architekt ist; und seine Frau von zuhause ihrer Tätigkeit als Steuerberaterin in einer SAP-Coporate-Anwendung nachgehen will, dann wird es mit 50 Mbit knapp.

Ich könnte das weiter ausmalen, dazu braucht man nur ein klein wenig Phantasie, die das Leben besser macht: Bürogebäude sind die größten CO2-Produzenten von allen, von zu Hause arbeiten reduziert also nicht nur den Berufsverkehr, sondern wäre der größte Brocken auf dem Weg nach Kyoto und weiter.

Der Preis dafür? Ein Glasfaserkabel statt einem Koaxialkabel einzuziehen - das Kabellegen selbst ist teuer, nicht der Materialunterschied der Kabel.

Sorry: Die Finnen spinnen nicht. Die Schmalbandfanatiker "spinnen".
Wolfgang (Gast) - 17. Nov, 10:46

Hier gehts um Grundversorgung

Grundversorgung muss für alle leistbar sein, und HDTV-Fernsehn fällt für mich nicht darunter. Die Leute, die in hohen Auflösungen fernsehn, tun das meistens eh nur mit Blu Rays, selbst in der Stadt.

Für HDTV gibts außerdem sowieso Sat, was auch die wesentlich effizientere Übertragungstechnik ist. Und "richtiges" IPTV, wo nicht einfach nur gebroadcastet wird, sondern on-demand gesendet, verursacht in Summe so viel Bandbreite, dass du echt Unmengen an Kabeln durchs Land legen musst.

Ist halt die Frage, ob man ein ländliches Unterhaltungsnetzwerk subventionieren will, denn die meisten Teleworker haben eh nur zuwenig Upload. Da rücken die meisten ADSL-Anbieter auch nicht viel raus, und die TA trennt alle 8h lustig die Verbindung. Und nur weil eine CAD/CAM-Anwendung "fett" ist (was immer du auch damit meinst), verheizt die nicht unbedingt saumäßig Bandbreite.

Ich sag nicht, dass richtig breites Breitband unnötig ist. Ich bezweifel nur, dass das wirklich etwas ist, worum sich die Politik Sorgen machen muss. Wer das will, kanns ja selber zahlen.
Hottentott (Gast) - 18. Nov, 08:30

Was aber ist Grundversorgung?

Für den einen die berühmt-berüchtigte Krankenkassen-Brillenfassung, der staatlich bezahlte
Pflichtschulabschluss, oder ein Altersheim mit Mordsschwestern (zur Kostensenkung). Andere
erwarten sich von der öffentlichen Hand etwas mehr Lenkungsmaßnahmen, zB freien Uni-Zugang., einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk, Schnellzugverbindungen etc...
So hat eben jedes System, jede Ideologie die eigenen Prioritäten: was nicht oben auf der Liste steht, was eh keiner braucht, das sollen sich die Menschen eben selber leisten.
Könnten wir in die Zukunft blicken, wüssten wir, welchen Zzusammenhang Breitbandverfügbarkeit mit der Ausprägung von IT-Literacy hat, wie sie eine Wissensgesellschaft eben von zukünftigen Arbeitnehmern/Unternehmern abverlangt.

Vielleicht versteh ich die Kritik an zu viel Bandbreite auf Staatskosten aber als Anregung, dass sich Österreich bitteschön auf seine Kernkompetenzen konzentriert: Skifahren und Mozart-Folklore. Dafür reicht IDSN allemal.
Wolfgang (Gast) - 18. Nov, 23:12

Unglaublich, was einem hier unterstellt wird.

Dass es für viele Leute wesentlich wichtiger wäre, beim Wikipedia-Lesen nicht mehr auf die Uhr schauen zu müssen, als dass sie neben dem leechen von Full-HD Kinofilmen noch teleworken können, ist hier wohl noch niemandem gekommen.

Hier gehts nicht um ISDN vs. Breitband - das Aon-Complete-Beispiel war ein Beispiel, wie man dem ländlichen Raum was gutes anbieten kann. Wenns die Telekom schafft, jedem (!) Haushalt in Österreich 50 MBit anzubieten, solls mir recht sein, aber sie schaffens ja nichtmal, jedem einen ADSL-Zugang anzubieten. Um die ganzen Haushalte, die gar keinen vernünftige Möglichkeit haben, ins Netz zu kommen, muss man sich kümmern. Und nicht, indem man sie damit vertröstet, dass sie in 10 Jahren bei der 50-MBit-Aktion dabei sein werden.

Klar, dass mir da wieder unterstellt wird, ich würd den Burgenländern nix gönnen, dabei bin ich doch selbst einer. Kommt halt gut, zukunftsweisende Pläne aufzuwerfen, durchsetzen müsst ihrs ja nicht. Das Gigabit-Kabel nach Tschanigraben müsst ihr ja auch nicht zahlen, genausowenig den Strom fürs Rechenzentrum Güssing.
tetrade (Gast) - 19. Nov, 07:48

Wolfgang, wir können das klären

Ich glaube, die Schlußaussage “Wer das will, kanns ja selber zahlen” bringt es auf den Punkt: hier plädiertst du klar für eine entsolidarisierte Infrastrukturpolitik. Das wundert mich gar nicht in diesem Land, wo eine breite Mehrheit problemlos die massiven Subventionen bei Gesundheitssystem, Bildung und Strassen/Bahnnetzen gutheißt, beim Thema Telekommunikation aber überraschend deutlich auf Eigenverantwortung pocht.

Aus meiner Sicht sind das die falsch verstandenen Schlüsse aus der Liberalisierung des Telekom-Marktes seit 1996. Weil dieser Markt davor aus Kundensicht überteuert und kundenunfreundlich war, und sich nur wenige Jahre später zum reinsten Konsumparadies incl. Gratishandy für jedermann verwandeln konnte, haben viele Manschen instinktiv ein schlechtes Gefühl beim Thema staatliche Telekominfrastrukturen. Vielleicht weil sie nicht zurück zum Vierteltelefon wollen.

Nur wird hier verwechselt, daß eine Dritte-Welt Technologie wie Mobilfunk tatsächlich problemlos mit Privatinvestitionen errichtbar/betreibbar ist, wie man am Erfolgsmodell GSM in Afrika nachvollziehen kann. Leitungsgebundene Telekommunikations(breitband)netze, also die Grundlage für die von der EU propagierten Wissensgesellschaft, lassen sich unmöglich in 3 Jahren am Markt refinanzieren und sind daher ohne staatliche Unterstützung nicht herstellbar. Das trifft übrigens in gleichem Maße für die Daten-Rumpelpiste IDSN zu, die selbst im langfristigen Rückblick sowohl bei der deutschen/österreichischen Telekom als klare Fehlinvestition bewertet werden muss.

Zum Thema Teleworking fällt „dem Informatiker“ nicht besonders viel ein. Vielleicht kann er sich nur schwer vorstellen, daß es eine IT Welt jenseits des Command-Line-Interfaces gibt. Das kommende Cloud-Computing mit ISDN Leitungen wird sicher kein Welterfolg. Auch kein Burgenland-Erfolg.
Wolfgang (Gast) - 19. Nov, 19:55

Nein.

Hängt euch nicht am ISDN auf - das war ein Beispiel aus den 90ern, und für die damaligen Kunden wars sehr schön, nix mehr pro Minute zahlen zu müssen.

Dass ich da als Informatiker wieder als CLI-Autist hingestellt werd, ist eh schon Ö-Norm. Hätt ich vielleicht nicht erwähnen sollen, dass ich einer bin.

Ich klink mich hier jetzt aus. So ein oberlehrerhaftes Nicht-Akzeptieren einer Meinung haben nichtmal meine Oberlehrer hinbekommen. Gratulation.
cc - 20. Nov, 09:30

@wolfgang

bitte klink Dich nicht aus.
Ich fand die Diskussion sehr aufschlussreich; hab viel daraus gelernt.
danke jedenfalls.
Wolfgang (Gast) - 20. Nov, 22:11

Na wenn cc das sagt...

...bleib ich noch. Nochmal zum Thema. Ich will da niemandem seine Bandbreite wegnehmen. Ich seh halt nur diese "mehr, mehr, mehr" Argumentation, ohne echte Gründe, wofürs benötigt wird. Mit mehr PS könnt ich dauernd mit Wohnwagen rumfahrn - ist das jetzt zu unterstützen?

Ich denk halt auch immer an die Infrastruktur dahinter. Solang alle mit dem Nachbarn filesharen sind wir alle glücklich, aber wenn mal 40% des Verkehrs nach Wien geht, und nochmal 40% ins Ausland, kommen da Mengen zusammen, die man erstmal durch die Gegend routen muss. Bei elektronischen Gerätschaften sollte man eh auch bedenken, dass viele Sachen in der Produktion mehr Energie verbrauchen, als während der kompletten Lebensdauer. Ist zwar nicht unsere Energie, sondern die in China, aber so global sollten wir hier schon denken.

Wie auch immer, ich will (und kann) hier niemandem seine Zukunftsvisionen nehmen. Aber jetzt mal die Situation für die verbessern, dies brauchen, wär ein weit wichtiger Schritt. Ganz Österreich entbündeln, und die letzten Lücken in der Abdeckung schließen - den Rest kann man dann ja in Ruhe planen, wenn man wirklich will.

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