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dieter (Gast) - 7. Feb, 20:16

Schulmeister sollte bei Paul Krugman, Dean Baker, Joseph Stiglitz und Brad Delong in die Lehre gehen. (Alles unverdächtige Keynesianer und Regulierungsbefürworter)

Es ist wahr, dass der Neoliberalismus religiös anmutende Glaubenssätze enthält, die von Politikern und Journalisten angenommen wurden. Aber die Antwort auf diese Marktreligiosität ist keine ebenso emotionale Polemik, wie Schulmeister sie betreibt.

Schulmeister macht den Fehler, den Markt und die Finanzmärkte zu entpersonalisieren. Häuserblasen gab es auch in den 80ern in Deutschland, trotz Bausparen und eine enorme Blase gab es im Japan der 80er.

Wenn die Bürger ihres Landes ihre Häuser kollektiv überbewerten, dann kann man wenig dagegen machen. Und diejenigen, die ein klares Wort aussprechen müssten, die Nationalbanker und Politiker, glauben entweder selbst auch daran, oder wollen nicht diejenigen sein, die die Häuslbauer enttäuschen wollen. Dean Baker wusste schon langer Zeit von der Überbewertung amerikanischer Häuser. Er ist der Meinung, dass Greenspan die Blase mit einem Wort hätte platzen lassen können. Das Problem ist, dass die Menschen ihre Ausgaben von ihrem angenommenen Reichtum abhängig machen. Das nennt man den wealth-effect. Wenn der Wert der Häuser sinkt, geben sie weniger aus und man hat sofort eine Rezession. Kein Politiker will eine solche während seiner Amtszeit auslösen.

Die Märkte sind irrational, weil die Menschen irrational sind. Damit muss man leben. Keynes hat uns erklärt, wie man in Krisenfällen handeln soll.

Ich sehe nicht, wie eine Regulierung der Finanzmärkte, die aus anderen Gründen wichtig ist (siehe Madoff), die Krise hätte verhindern können. Die sub-prime Hypotheken machen nur einen Bruchteil der Hypotheken aus. Sie waren lediglich die ersten, die umfielen.

Stephan Schulmeister glaubt, dass die Rohstoffpreise von Spekulanten gemacht werden. Der Nobelpreisträger Paul Krugman ist da anderer Ansicht, da die Spekulanten keinen Einfluss auf reale Nachfrage und Angebot haben. Außerdem stiegen 2008 auch die Preise für Rohstoffe und Nahrungsmittel, die nirgendwo gehandelt werden. Z.B. Eisenerz und Reis. Fragt sich, wie Schulmeister das erklärt.

Schulmeister ist halt selbst ein Gläubiger. Spekulanten und Banker kontrollieren in seinem Weltbild die Wirtschaft. Schulmeister glaubt an den Teufel. Die Neoliberalen an den lieben Gott. In Wahrheit gibt es weder den einen noch den anderen.

One Brick (Gast) - 8. Feb, 12:14

Spekulanten

dieter,

"Stephan Schulmeister glaubt, dass die Rohstoffpreise von Spekulanten gemacht werden. Der Nobelpreisträger Paul Krugman ist da anderer Ansicht, da die Spekulanten keinen Einfluss auf reale Nachfrage und Angebot haben."

Sehen wir die Sache von der anderen Seite: gibt es irgendwelche positiven Effekte die von Spekulaten ausgehen?

Ich will mich nicht wirklich in die Nähe protestantischer Arbeitsethik begeben, aber zu einem gewissen Teil denke ich mir schon: wer reales Brot essen will soll auch reale Leistung erbringen. Ist Spekulation eine reale Leistung oder steht das irgendwo zwischen Risikokapital und Wettcafe?
dieter (Gast) - 8. Feb, 19:41

Hmm, positive Effekte? Da müsste ich nachdenken. Die Spekulanten sorgen mit ihren zufälligen Wetten für Liquidität an den Warenterminbörsen, die seriösen Unternehmern zur Absicherung gegen Preisschwankungen zugute kommt. Mehr fällt mir dazu nicht ein.

In der Tat stimme ich dir zu, dass das Humankapital der Spekulanten, die durchaus hochintelligente Leute sind, verschwendet wird und an anderer Stelle besser eingesetzt werden könnte.

Die Absicherung gegen Preisschwankungen muss man auch anders lösen können, als über ein Wettcasino. Und dass es für Eisenerz keine Terminbörse gibt, scheint auch kein großes Problem zu sein.

Unterm Strich sehe ich die Spekuliererei also negativ.

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