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Werner Becher (Gast) - 26. Mai, 10:11

Kapitalismus oder Marxismus?

Lieber Christoph Chorherr,

dass sich kapitalistische Systeme per Definition von selbst zerstören (Streben nach individuellen Vorteilen und Vermeidung von Wettbewerb durch Korruption, Bildung von Oligopolen/Monopolen, etc.), ist seit vielen Jahrzehnten bekannt und mussten auch die Liberalen schon vor langer Zeit akzeptieren. Voraussetzung für kapitalistische Wirtschaftssysteme ist deshalb die Schaffung und Kontrolle eines Ordnungsrahmens durch den Staat bzw. die Politik – genau diese WirtschaftsPOLITIK findet aber nicht statt sondern nur eine bürokratische, zahnlose Wirtschaftsverwaltung und deshalb konnten sich zahlreiche Oligopole (Finanzwesen, Nahrungsmitteleinzelhandel, Energie, etc.) ungestört bilden.

Eine vollkommene „Entstofflichung“ des Kapitalismus (nicht nur im Bereich der begrenzten Ressourcen sondern auch im Bereich der Dienstleistungen, etc.) würde aber meiner Einschätzung nach ein totalitäres System voraussetzen, da es in Demokratien wohl ausnahmslosen allen Menschen nur sehr schwer zu verbieten wäre, nicht nach einer Verbesserung ihrer Lebensumstände zu streben.

Brauchen wir deshalb ein vollkommen neues und damit wohl eher wieder altes marxistisch/kommunistisches System, um diesem Planeten ein Überleben unter möglichst optimalen Bedingungen für die größtmögliche Anzahl an Lebewesen sicherzustellen ODER reicht eine Reform des kapitalistischen Systems auf Basis eines vom Staat/Politik vorgegebenen und zukünftig dann auch ernsthaft kontrollierten Ordnungsrahmen aus und welche Reformschritte wäre dazu konkret notwendig?

LG
Werner Becher
Bundessprecher Liberales Forum

Wolfgang (Gast) - 26. Mai, 10:30

Wer redet von verbieten?

Lenkungseffekte durch Steuern. Wenns Benzin teurer wird, wird weniger gefahren (hat sich bereits gezeigt). Wenn auf ein Neugerät eine höhere Steuer drauf ist, als auf der Arbeitszeit für eine Reparatur, dann werden mehr Geräte repariert.
Niemand muss da was verbieten, man kann sich ruhig auch öfter was neues kaufen, wenn man sein Geld dafür ausgeben will.

Man könnte auch sagen, dass durchs derzeitige System meine Lebensqualität gesenkt wird, weil ichs mir durch die hohen Steuern auf Arbeit nicht leisten kann, mich wöchentlich massieren zu lassen.
Michael (Gast) - 26. Mai, 11:16

Kapitalismus bedeutet nicht, dass es keinen Rechtsstaat gibt. Korruptionsbekämpfung und Wettbewerbsrecht sind unabdingbar.

Obwohl es auch riesige, wettbewerbsverzerrende Firmen gibt, die auf "natürliche" (also kapitalistische) Art entstehen und überleben, werden vielfach sehr große Firmen vom Staat geschützt, in dem der Staat deren Zerfall in kleinere Teile verhindert und sie zu staatsgestützten Fusionen mit anderen Firmen animiert (z.B. Autoindustrie und Bankensektor).

Dass z.B. die deutschen Autozulieferer Schäffler/Conti Firmenteile verkaufen müssen, damit sie nicht in Konkurs gehen müssen, sollte begrüßt werden und nicht durch Staatshilfen verhindert.

Die Idee, dass der Staat die Probleme lösen kann, beruht immer auf der Argumentation: "im freien Markt ist das so, besser wäre es aber so und der Staat könnte das machen". Vielleicht könnte er - aber er wird es meist nicht tun, weil der Staat andere Interessen hat.

So liegt es z.B. im Interesse der Politiker sich durch Rettung großer Firmen mit vielen Arbeitsplätzen und durch Verteilung von Abwrackprämien zu profilieren.
Werner Becher (Gast) - 26. Mai, 12:05

Systemrelevante Unternehmen

Darf es in einer Volkswirtschaft die in letzter Zeit so oft zitierten "systemrelevanten" Unternehmen (Banken, Autokonzerne, ...) geben?
Wie ist es möglich, dass trotz Wettbewerbs- und Kartellrecht einzelne Unternehmen so wichtig für eine Volkswirtschaft werden, dass der Staat diese Unternehmen gar nicht mehr eine Insolvenz zulassen kann und damit den so extrem wichtigen marktwirtschaftlichen Reinigungsprozess ausschaltet und diese Unternehmen zukünftig durch den erlernten staatlichen Schutz natürlich noch unvorsichtiger agieren?

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