back_top
One Brick (Gast) - 6. Jul, 09:20

Prost!

"bei hervorragendem Essen und Vino rosso" unterhielten sich die Weltuntergangsfanatiker über verschiedene Aspekte des bevorstehenden Weltuntergangs.

Interessantes Hobby.

Ich hoffe dieses Treffen war auch so was wie der "peak Doomer" denn bei aller Liebe für den Pessimismus und der Lust am "Wir steuern auf den Abgrund zu!"-proklamieren: mit dem Aufzählen aller möglichen Bruchstellen der gegenwärtigen Ressourcenabhängigkeit werden die Alternativen auch nicht in die Welt kommen - und darum sollte es letztendlich gehen.

Sachlich gibt es wohl nicht einmal im Exxon oder Royal-Dutch-Vorstand Zweifel an der Endlichkeit fossiler Energieträger. Auch bietet das marktwirschaftlich orientierte Wirtschaftssystem durch preisgesteuerte Anreizen gute Voraussetzungen für einen kontinuierlichen Übergang zu nicht-fossilen Energiequellen.

Mich würde auch interessieren, ob sich die gegenwärtige "Doomer"-Szene substantiell von den Weltuntergangsfanatikern z.B. am Beginn den 20. Jahrhunderts unterscheidet. Meine Hypothese dazu lautet, dass die Weltuntergangsfanatikerszene ein weitgehend konstantes Phänomen ist.

Steffi (Gast) - 6. Jul, 10:23

Doomer

Vorausschauendes Planen, mögliche Probleme erkennen und Kurskorrekturen vornehmen ist verantwortungsbewusst und ist sowohl im Alltagsleben als auch (und ganz besonders) in Politik und Wirtschaft unabdingbar. Es ist nicht mit einem hysterischen "Der Komet kommt, in 3 Tagen geht die Welt unter" gleichzusetzen.
Allerdings kann es von Vorteil sein, sich bei Medienkampagnen wie "Klimakatastrophe" (jetzt nur noch Klimawandel ;) zu fragen: "Wer hat hier besondere Interessen, sprich wer verdient daran?". Wer zahlt und wer casht ab?
Als "Normalo" ist das Energiesparen natürlich für die Umwelt gut, in erste Linie aber für die Finanzen, es reduziert die Abhängigkeit (und das ist bei einer Politik durch selbsternannte "Eliten" nur allzu sinnvoll ;).
Suderant (Gast) - 8. Jul, 04:49

Ja ja die Marktwirtschaft

Was die begrenzte Verfügbarkeit fossiler Energieträger angeht, mag ein Marktmechanismus mit Preisanreizen vielleicht funktionieren. Auch wenn die Anpassung mit sozialen Härten passiert und die Auswirkungen sehr ungleich verteilt sind, es wird vielleicht Alternativen geben, die das bestehende politische und marktwirtschaftliche System liefern kann.
ABER, die begrenzte Verfügbarkeit wichtiger Ressourcen ist nicht die erste Grenze an die wir stoßen, sondern die CO2-Aufnahme Kapazität der Atmosphäre.
Auch wenn nach Peak Oil jeden Tag weniger Rohöl gefördert und verbrannt wird, der Klimawandel wird ein gefährliches und irreversibles Ausmaß erreichen, bevor der letzte Liter Öl verbrannt ist, von Kohle gar nicht zu reden. D.h., wenn wir die Erderwärmung unter der gefährlichen 2 Grad Marke halten wollen, dürfen wir billig und einfach verfügbare fossile Energieträger nicht mehr nutzen.
Ohne den FreundInnen der freien Marktwirtschaft den Optimismus verderben zu wollen: in jedem Ökonomielehrbuch finden sich schon bei den Grundlagen die Eigenschaften eines Gutes bei dem ein Markt nicht funktioniert und das Klima hat gleich einige dieser Eigenschaften. Das Klima ist ein öffentliches Gut, die Kosten des Klimawandels sind für den Einzelnen externe Effekte....Für das Klima gibt es keinen Marktmechanismus der funktioniert!
Ein globaler, allumfassender Emissionshandel mit verbindlichen Emissionsgrenzen - immerhin eine theoretisch mögliche Lösung. Aber wer glaubt daran, dass die Kohle die billig vor unserer Haustür liegt bei Energieknappheit nicht genutzt wird, weil es ein globales Klimaabkommen gibt? Wo soll die politische Institution sein, die eine global verbindliche Regulierung durchsetzen kann? Und wo sind die PolitikerInnen die der eigenen Bevölkerung die Wahrheit zumuten.
Dann gibts noch die weit verbreitete Hoffnung auf technische Lösungen, die Forschung wirds schon richten. CO2 bei der Verbrennung abzuscheiden und irgendwo in der Erde, in den Ozeanen oder sonstwo zu bunkern ist ein witzige Idee (http://www.wupperinst.org/en/publications/entnd/index.html?beitrag_id=554&bid=155), aber keine Lösung. Wenn wir für solche technischen Lösungen die notwendigen Metalle nicht mehr haben, hat sich das sowieso erledigt...
Vielleicht ist Weltuntergangsstimmung übertrieben, immerhin weiß auch niemand so genau wie die Folgen des Klimawandels aussehen. Aber dieses Experiment hat begonnen....
One Brick (Gast) - 8. Jul, 07:43

@Suderant

Instrumente wie "Emissionshandel mit verbindlichen Emissionsgrenzen" gehören zum gängigen Repertoire unseres marktwirtschaftliche orientierten Wirtschaftssystems.

"Externalities" wie Klimabeeinflussung können durch relativ einfache und transparente Eingriffe wie z.B. Emmissionshandel oder CO2-Steuern zu preisgesteuerten Anreizen führen wobei - und das ist der springende Punkt - der Lösungsweg nicht von vornherein vorgegeben wird, sondern durch laufenden Wettbewerb einer Vielfalt von Ansätzen kontinuierlich optimiert wird.

Daher habe ich keine Panik, dass uns die Instrumente und Kulturtechniken fehlen um mit dem Klimaproblem umzugehen.
Suderant (Gast) - 9. Jul, 03:04

@One Brick

Natürlich gibt es Instrumente um externe Kosten einzupreisen, und das auch noch kosteneffizient, weil market driven. Emissionshandel ist ein schönes Konzept dazu aus dem Lehrbuch.

BTW, eignet sich auch gut um globale Ungleichheiten zu beseitigen. Man nehme die CO2-Aufnahmekapazität der Erde und dividiere sie durch die Weltbevölkerung. Das Ergebnis dieser einfachen Rechnung bekommt dann jeder Mensch als Emissionsallowance, denn warum soll eine in Ottakring mehr Recht auf Biosphärenkapazität haben als einer in Kambodscha. Dann kann, ganz im Sinne des freien Marktes, jedeR dafür Fernreisen machen, das Öl zum geschlossenen, aber unisolierten Fenster hinausheizen, oder die Allowance verkaufen und was sinnvolleres damit machen. Wäre alles machbar, transparent, kosteneffizient und vielleicht sogar noch gerechter.

ABER, das sind staatliche Eingriffe, deren Umsetzung ich nicht als einfach bezeichnen würde. Für einen Nationalstaat ist es, wie wir die letzen Jahre sehen durften, schwer genug solche Instrumente ein- und durchzusetzen. Auf internationaler Ebene bin ich noch pessimistischer.
Es fehlt dafür die globale politische Instanz, die stark genug ist solche Eingriffe durchzusetzen. Der "soziale Planer" der zum Wohle ALLER solche Regulierungen vornimmt um Externalities etc. zu berücksichtigen, ist ein theoretisches Konzept. Woher sollen in der politischen Realität die glaubhaften Sanktionen kommen, wenn sich ein Staat nicht kooperativ verhält (=mehr emittiert als erlaubt)? Für mich in nächster Zeit leider unvorstellbar, in einer Welt die in Grenzen und Nationen denkt. Nicht mal in der ach so offenen EU kommen wir von diesem Nationendenken ein bisschen weg...die Polen verbrennen viel mehr Kohle, warum sollen wir dann sparen. Wir wählen österreichische Abgeordnete die dann österreichische Interessen in Brüssel vertreten sollen,.... Und was raus kommt ist dann die Tragedy of the Commons.

Daher habe ich Panik, dass uns die POLITISCHEN INSTITUTIONEN und das dazugehörende Verständnis und Denken der Menschen fehlen, um die Instrumente und Kulturtechniken die es gäbe, auch einzusetzen um mit diesem GLOBALEN Klimaproblem umzugehen.

Name

Url

Meine Eingaben merken?

Titel:

Text:


JCaptcha - du musst dieses Bild lesen können, um das Formular abschicken zu können
Neues Bild

 

Mail an
Christoph Chorherr

Versuche jedenfalls Mails selbst zu beantworten.

Christoph Chorherr auf Twitter Christoph Chorherr auf Facebook

Meine Tweets

    Aktuelle Beiträge

    Wer kompetent ist...
    hälts doch in der Politik nicht aus. Sabine Gretner...
    Wolfgang (Gast) - 15. Feb, 11:48
    Frage: Warum nur langweilen...
    Frage: Warum nur langweilen mich politische Diskussionen...
    Almi66 (Gast) - 14. Feb, 14:19
    PP.S.:
    Dille ist zwar grün, hat aber nix mit Dilettanten...
    Franz Stefan (Gast) - 13. Feb, 13:06
    P.S.:
    im gestrigen Kurier gab es zu dem Thema eine exakt...
    Franz Stefan (Gast) - 13. Feb, 13:02
    Gibts andere Fragen/Antworten...
    Sehr geschätzter Herr Chorherr, nicht nur Ihre...
    Franz Stefan (Gast) - 13. Feb, 12:48
    öffentlichkeit braucht...
    mit sicherheit schafft social media eine neue, erweiterte...
    tripolt (Gast) - 13. Feb, 10:48
    zur Untermauerung meines...
    zur Untermauerung meines obigen Postings: http://derstanda rd.at/1328507527175/Sparpa ket-Parteiaustritt-als-ueb erfaellige-Reaktion-auf-di e-Politik-der-Faymann-SPOe
    heinz (Gast) - 13. Feb, 08:06
    Kompetenz de Umfeldes
    Politiker sollten eigentlich die Kompetenz haben, ihr...
    heinz (Gast) - 13. Feb, 06:08
    Najo, wenn eine Innenministerin...
    Najo, wenn eine Innenministerin ohne weiters Finanzerin...
    schippre (Gast) - 13. Feb, 03:17
    Einfache Antwort
    Geh bitte, glaubst du das wirklich, oder willst du...
    naahhh (Gast) - 12. Feb, 22:58
    warum schaffen es nichtmal...
    warum schaffen es nichtmal die Grünen,obwohl in...
    michael gunczy (Gast) - 12. Feb, 15:30
    Anmerkungen zu Thurnher
    Armin Thurnher, Herausgeber des Falter Armin Thurnher...
    cc - 12. Feb, 09:36

    User Status

    Du bist nicht angemeldet.

    Feeds