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Waltraut Antonov - 9. Okt, 08:38

lieber christoph, meines erachtens bist du in die populismusfalle getappt. ich habe versucht, in meinem blog aufzuzeigen, warum: http://waltrautantonov.twoday.net/stories/boese-alte/main.
und ich freue mich auf eine interessante, wichtige debatte!

Wolfgang (Gast) - 9. Okt, 10:21

Populismus trifft auf Populismus

Die armen Mindestpensionisten werden doch gezielt missbraucht, um die Pensionen prozentuell zu erhöhen (sprich: die in Ihrem Blog angeführten Reichen bekommen eine dickere Erhöhung als die Armen).

Und während viele vor allem junge Österreicher ohne KV angestellt werden, wird Ihnen teilweise sogar von der Politik (!!) nahegelegt, privat vorzusorgen, weil die staatliche Pension in 40 jahren eh nicht reichen wird. Also doppelt zahlen, bei sinkenden Reallöhnen.

Noch schlimmer war nur die Pflegedebatte. Da versucht man krampfthaft, die 24h-Pflege zu legalisieren. Das sind Arbeitsverhältnisse, die in einem hoch entwickelten Staat einfach nicht legal hinzubekommen sind, außer man finanziert vier Vollzeitäquivalente pro zu pflegender Person.

Aber wenns um die Wählerstimmen von Pensionisten geht, versucht man natürlich, da irgendwas zu machen, anstatt mal klipp und klar zu sagen, dass das um nichts besser ist, als Schwarzarbeit am Bau.
waltraut (Gast) - 9. Okt, 10:56

genau darum geht es mir:

nämlich zu verhindern, dass die reichen noch mehr bekommen und die armen weniger. ich will nicht, dass die mindestpensionen als argument für die erhöhung ALLER pensionen dienen. ich will, dass die schere zwischen reich und arm unabhängig vom alter geschlossen wird. also: ich will, dass mindestpensionen erhöht werden, auch um die geforderten 1,9%, dass aber z.b. eine obergrenze eingezogen wird, bis zu der die erhöhung greift. oder dass die erhöhung gestaffelt wird, z.b.
was die arbeitsverhältnisse betrifft, stimme ich ihnen zu. anstellung ohne kv, private vorsorge, legalisierung zweifelhafter arbeitsverhältnisse - all das ist höchst hinterfragenswert und muss sicher ernsthaft diskutiert werden.
hp (Gast) - 9. Okt, 11:22

@Wolfgang

Ihr erstes Argument stimmt in der derzeitigen Debatte aber nicht. Es sollen nur die kleinen Pensionen prozentuell erhöht werden, die größeren Pensionen sollen eine Einmalzahlung erhalten, die bei späteren Erhöhungen nicht mitberücksichtigt wird (gestern Mittagsjournal Khol-Interview). Das wird seltsamerweise in den meisten Medienberichten verschwiegen.
Will man die Pensionsdebatte anheizen?
One Brick (Gast) - 9. Okt, 17:25

Ich seh die Populismusfalle nicht.

In dem Beitrag ging es unter der Überschrift, was von der Forderung der Pensionistenvertreter Blecha und Khol neben Arbeiterkammer, Landwirtschaftskammer, ÖGB und Wirtschaftskammer zum 5. Sozialpartner aufzusteigen zu halten ist. Weiterführend um die Frage, ob Pensionisten als Gruppe ausreichend politischen Einfluss haben. Auc diese Fragen kann man klare Antworten geben ohne sich gleich Populist nennen lassen zu müssen, selbst wenn die Antwort dergestalt ausfällt, dass die Interessen der Pensionisten sicherlich nicht unterrepräsentiert sind.

Wenn Du die Frage, ob die Pensionisten jetzt 1,5 oder 1,9% Erhöhung erhalten sollen diskutieren willst, gehört das unter eine andere Überschrift. Und da hast Du ganz recht, wenn Du beanstandest, dass gerade Blecha und Khol als Empfänger von Pensionen, die nur ein Top-Manager als Aktivbezug erreicht, schlecht als Vertreter aller Pensionsempfänger gelten können.

Du wirst auch hier kaum jemanden finden, der zwar der Ansicht ist, dass die Pensionisten nichts in der ausserparlamentarischen Sozialpartnerschaft zu suchen haben, und gleichzeitig den Mindestpensionisten eine 1,9% Erhöhung neidet.

Daher, liebe Waltraud Antonov, lassen wir die Populismuskeule besser ruhen.
waltraut antonov (Gast) - 9. Okt, 20:57

@one brick

doch. für mich ist es populistisch, wie christoph chorherr die alten als last für die jungen darstellt. es geht nicht um jung oder alt. es geht um arm oder reich, unabhängig vom alter. es gibt reiche und alte junge, es gibt reiche und arme alte. und die frage ist nicht, wieso die armen jungen die reichen alten finanzieren müssen, sondern die frage ist, wie eine umverteilung von armen zu reichen möglich ist - unabhängig vom alter.
mit argumenten, die alte als last für die jungen darstellen, werden generationen gegeneinander ausgespielt, die in wirklichkeit aufeinander angewiesen sind.
und was wirklich diskutiert werden muss, ist, wie wir - alle miteinander - bezahlte und unbezahlte arbeit gerechter verteilen können, wie wir also arbeitszeit teilen können - quer durch alle generationen, wie wir die bezahlung für die arbeit gerechter machen können - auch quer durch alle generationen. und dann natürlich, wie wir pensionen gerecht gestalten können. das sind immens wichtige fragen, und da ist es kontraproduktiv den eindruck zu erwecken, die alten seien schul und eine last für die jungen.
One Brick (Gast) - 10. Okt, 14:36

"sondern die frage ist, wie eine umverteilung von armen zu reichen möglich ist - unabhängig vom alter. "

In den letzten Jahrzehnten hat sich das Verhältnis Einzahler vs. Bezieher des Pensionssystems in Richtung Bezieher verschoben.

Während es 1970 noch 1,4 Millionen Pensionsbezieher gab, sind es heute 2,2 Millionen - 50% mehr! Im selben Zeitraum hat die Gesamtbevölkerung aber nur von ca. 7,5 auf 8,3Mio zugenommen - das sind nur ca. 10%. Mit einem Wort: die einzig wachsende Bevölkerungsgruppe sind die Pensionisten.

Ganz unabhängig von der Verteilungsfrage arm/reich gibt es hier auch einen objektivierbaren Konflikt Einzahler/Bezieher und damit Jung/Alt. Aus dem Versuch, dieses Konfliktpotential wegzuignorieren kann kein Lösungsansatz entwickelt werden, er stellt damit die Basis für eine zukünftige Radikalisierung des Konflikts dar. Da hilft auch kein Ablenken auf andere Bereiche wie die Arbeitsverteilung wobei die von Dir angedeuteten "Lösungsansätze" (Arbeitszeit gerechter verteilen etc.) eine Aussicht auf Umsetzbarkeit vermissen lassen.
waltraut antonov (Gast) - 10. Okt, 16:57

arbeit umverteilen

ich glaube schon, dass es hier auch umsetzbare lösungsansätze gibt. wenn wir genauer hinschauen, werden wir ja feststellen, dass auch die pensionsbezieherInnen viel unbezahlte arbeit leisten: sie pflegen ihre angehörigen, sie kümmern sich um kinder und enkelkinder, sie unterstützen sie, sie betreuen sich auch gegenseitig. das heisst, mit dieser unbezahlten arbeit ersparen sie dem staat auch geld. wo wird denn das gewertet?
zur arbeitsverteilung: du meinst, die von mir angedeuteten lösungsansätze - arbeit gerechter verteilen - lassen eine aussicht auf umsetzbarkeit vermissen. vielleicht hast du recht - aber nur, wenn wir immer im bestehenden system denken, nicht über den tellerrand schauen und nicht bereit sind, neuland zu betreten. versuchen wir doch einen schritt hinaus aus dem bestehenden system, von dem wir ohnehin annehmen, dass es uns nicht weiterbringt! und dann haben wir zwar keine lösung, die schon morgen die welt ändert, aber zumindest wieder optimistischere perspektiven auf die zukunft. können wir uns darauf einigen?

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