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Das Audimax und die Obdachlosen

meine aktuelle Pressekolumne.
Empoerten Leserbriefschreibenrn und Leitartiklern gewidmet:


Es sein “empoerend”, “entlarvend” , und was, bitteschoen, habe “das” es mit den Forderungen der Studenten zu tun. Wenig regte Leserbriefschreiber und Leitartikler mehr auf, als die Tatsache, dass im Audimax Obdachlose anzutreffen waren, dort verkoestigt wurden und gelegentlich sogar naechtigten.
“Soetwas” diskredidiere die “im Kern vielleicht berechtigten Anliegen” der Studierenden.
Voellig verrueckt schienen die Studiosi gar geworden, indem sie als eine Bedingung fuer die Freigabe des Audimax gar Duschen fuer Obdachlose verlangten.
Jetzt ist endlich wieder Ruhe und Ordnung hergestellt.
Es war sehr kalt vor Weihnachten.
Koennte man diese Geschichte nicht auch anders erzaehlen?
Da gibt es ploetzlich einen grossen Raum mitten in der Stadt, in dem Vorlesungen stattfanden, Diskussionen ueber die Zukunft der Bildung, in dem gestritten und gefreiert wurde, Musik gespielt und gegessen, Filme gezeigt und alles sogar live gefilmt und via Internet uebertragen wurde.
Es war das, was der Kern des Staedischen war und (leider immer weniger) ist: Eine Agora, ein oeffentlicher Platz. Das Wesen des oeffentlichen Platzes ist, dass niemand ausgeschlossen warden darf.
Niemand. Auch keine Obdachlosen.
Das Wunderbare war: irgendwie hat er funktioniert, dieser oeffentliche Platz.
Anders als Kaeufer, die sich durch den Anblick von Obdachlosen in ihrer Kauflust belaestigt fuehlen, und deswegen Sicherheitsdienste fuer deren Entfernung beanspruchen, kamen die Studenten irgendwie mit ihnen aus. Ja, sie sprachen gar mit ihnen, und arikulierten deren minimales Interesse: “Eine heisse Dusche!”
Zurecht mag man einwenden, dass das Audimax der Universitaet
nicht der rechte Ort fuer so eine Agora ist.
Aber, wo ist es dann?
Aber eines haben die paar Wochen im Audimax gezeigt:
Wie wichtig so eine Agora waere. Ein freier Ort, ja, warum nicht, von Studenten verwaltet, fuer all das, was in dieser kurzen Zeit im Audimax stattgefunden hat.
Denn immer mehr oeffentliche Raeume werden privatisiert; hereingelassen wird bloss, wer dem jeweiligen Eigentuemer genehm ist. Voraussetzung meist: Kaufkraft. Randfiguren jeglicher Art sind des nicht.
Diese werden in irgendwelche seperaten Raeume abgeschoben. Auch, damit wir alle weder mit ihnen, noch mit ihren Problemen konfrontiert werden.
Aber niemand will ins Ghetto abgeschoben sein.
Vielleicht, moeglich waere es doch, hat der eine oder andere Obdachlose den Film genossen, der gespielt wurde oder auch etwas aus den Vortraegen mitnehmen koennen.
Ein Wunsch fuer 2010: Wer schenkt der Stadt ein Audimax?

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