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Wesentliche Fakten der Wiener Wohnpolitik

Alle, die über Wohnpolitik diskutieren wollen, sollten diese 5 Folien gelesen haben:

1.) Die realen Einkommen der Österreicher/innen sind viel geringer als viele schätzen.
50% verdienen netto weniger als 19 057 (jährlich)!
Diese Einkommen bitte im Hinterkopf behalten, wenn von "leistbarem Wohnen" gesprochen wird.

Durchschnittseinkommen

2.) In den letzen Jahren haben jene Menschen mit besondes niedrigem Einkommen signifikant verloren

realeNettoeinkommen
realeNettoeinkommen_gross
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3.) Die zwei untenstehenden Grafiken zeigen deutlich: Teuer ist der private, weitgehend preislich ungebundene Wohnungsbau. Dort gibt es auch besonders hohe Preissteigerugen.
Vergleichsweise günstig dagegen: Der preisgeregelte Wohnunhsbau der Gemeinnützigen (GBV) sowie der Gemeindebau selbst.

BruttomietenNeuvertragsabschluesse
BruttomietenNeuvertragsabschluesse_gross
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Mietenentwicklung-nach-Sektoren
Mietenentwicklung-nach-Sektoren_gross
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4.) Das ist eine besonders wichtige Tabelle. Sie zeigt, dass leider immer weniger gefördert gebaut wird. Deswegen steigen auch die Wohnungspreise stark an.Das hat viele Ursachen. Eine besonders wichtige: Die "explodierenden" Grundstückspreise.

gestiegeneBautaetigkeit
gestiegeneBautaetigkeit_gross
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hier der gesamte Vortrag:
BAWO_Tagung-25_05_2016 (pdf, 3,435 KB)
One Brick (Gast) - 17. Jun, 08:51

"In den letzen Jahren haben jene Menschen mit besondes niedrigem Einkommen signifikant verloren"

Dieser Schluss lässt sich aus den Daten nicht ziehen, da ja nicht die Biografien verfolgt werden, sondern jeweils die Gesamtheit aller Einkommen im Beobachtungsjahr betrachtet wird. Wie sich die Einkommen derjenigen entwickelt haben, die 1998 ein besonders niedriges Einkommen hatten, wird nicht gezeigt. Daher kann man auch nicht behaupten, sie hätten "signifikant verloren". Was man sagen kann ist, dass der Anteil der geringen Einkommen gestiegen ist. Die Ursache könnte z.B. sein dass auf Grund des besseren Kindergartenabgebots Mütter rascher auf den Arbeitsmarkt zurückkehren und hier vorwiegend eine Teilzeitbeschäftigung annehmen.

Interessant finde ich die Klarstellung von Seiten der Gemeinnützigen, dass im Rahmen des der derzeit gelebten "Solidarmodells" vor allem die Mittelschicht profitiert, während sich die Umverteilungseffekte im "Residualmodell" auf die untersten Einkommensschichten konzentrieren.

Warum gerade von Parteien links der Mitte derart verbissen am sogenannten "Solidarmodell" festgehalten wird erschliesst sich mir nicht.

seb (Gast) - 17. Jun, 10:16

Völlig richtig.

Alleine durch die enorme Zunahme der Teilzeitbeschäftigung (in erster Linie Frauen) sinkt das Durchschnittseinkommen im untersten Quartil quasi automatisch. Ebenso steigt das Durchschnittseinkommen der Beamten quasi von selbst, da kaum junge Beamte nachkommen. Sehr mit Vorsicht zu genießen diese Zahlen.
Martin (Gast) - 17. Jun, 14:33

@One Brick: Das mit dem Residual- und Solidarmodell ist ein Missverständnis. Vom Residualmodell "profitieren" die unteren Einkommensschichten nicht, aber selbst überzeugte Marktanhänger müssen zugestehen, dass der Markt kein Angebot für Menschen mit wenig Geld schafft - daher muss man subventionieren. Wohnbeihilfen haben aber tendenziell die Wirkung, "mitgenommen" zu werden und landen daher zu einem großen Teil letztlich beim Vermieter. Das Solidarmodell schafft für alle Schichten - von untersten Einkommen bis in die obere Mittelschicht - leistbaren, aber auch qualitativ guten Wohnraum. Auch die Mittelschichten könnten sich den Standard, den sie in Österreich aktuell haben bei einem rein marktorientierten Modell nicht leisten, daher ist es auch gerechtfertigt, sie zu fördern.
Martin (Gast) - 17. Jun, 14:35

Und noch ein Hinweis zur Einkommensstatistik: Es ist natürlich richtig, dass die Einkommensgruppen über die Jahre nicht die selben Personen betreffen. Der Hinweis zur Teilzeitarbeit ist völlig richtig (wenn auch anscheinend anders gemeint): Tatsache ist, dass die untersten Einkommensgruppen dramatisch weniger Einkommen haben als früher, es sind große Gruppen einfach abgerutscht.
One Brick (Gast) - 18. Jun, 11:37

@Martin: aus der Präsentation geht eigentlich sehr klar die Kritik hervor (und die greift CC hier ja auch auf), dass selbst der geförderte Wohnbau, der nach dem Solidarmodell organisiert ist, kein Angebot für die untersten Einkommensschichten schafft: "Schere zwischen Angebot und Bedarf geht immer weiter auf, betroffen vor allem junge und sozial schwache Zielgruppen" (das "sozial schwach" ersetzen wir hier einmal mit "geringe Einkommen").

Gleichzeitig zahlen aber jene Gruppen mit geringen Einkommen sehrwohl in den Fördertopf über die Lohnnebenkosten ein, während erst Bezieher mittlerer Einkommen die nötigen Eigenmittel aufbringen, um in den Genuss der Förderung zu kommen um diese bis ans Lebensende in Anspruch zu nehmen (und teilw. darüber hinaus: Weitergabe), wo sie oft schon einer höheren Einkommensklasse angehören.

Der Bericht kritisiert, dass vom Gesichtspunkt der Verteilungsgerechtigkeit betrachtet, das Solidarmodell ineffizient ist. Ich kann das nachvollziehen.

Residualmodell: Dass Wohnbeihilfen letzten Endes beim Vermieter landen, ist ja auch ihr Zweck - was soll daran schlecht sein? Wie in der Präsentation dargestellt, erschöpft sich das Residualmodell auch nicht in Wohnbeihilfen. Es bedeutet auch nicht die Abschaffung des Gemeindebaus oder der Genossenschaften. Ganz im Gegenteil: durch einkommensadäquate Mietengestaltung würde Leuten wie Peter Pilz endlich erlaubt marktkonforme Mieten zu zahlen. Mehreinnahmen die dann für die Finanzierung dringend benötigten neuen Wohnraums zur Verfügung stehen.
Martin (Gast) - 20. Jun, 09:10

Es stimmt zwar, dass das Förderungsmodell zu wenig Angebot für niedrige Einkommensschichten geschaffen hat, was aber am Förderungsmodell und nicht am Gemeinnützigkeitsmodell liegt. In Wien gibt es seit einiger Zeit die sog. Superförderung, die das ausgleicht - das funktioniert auch. Die Gemeinnützigkeit hat aufgrund ihres Kreislaufmodells inzwischen ein beträchtliches Angebot an günstigen Wohnungen (die günstigsten überhaupt!), das kommt massiv niedrigen Einkommensschichten zugute (ist auch auf einer der Folien dargestellt). Der Neubau ist natürlich teurer, wenn man ihn auch für Leute mit weniger Geld anbieten will muss man die Förderung erhöhen. Das Modell an sich ist nicht ineffizient.
Dass die Förderung bei den Vermietern landet ist nur dann in Ordnung, wenn es sich um Vermieter mit sehr niedrigem Einkommen handelt :-) Das Problem sind die Mitnahmeeffekte - Vermieter kalkulieren mit der WBH und schlagen diese auf ihre Mietzinse auf, so dass die Förderung letztlich den Vermietern und nicht den Mietern zugute kommt. Das ist übrigens ein Paradoxon - die Objektförderung geht an die Vermieter, kommt aber eins zu eins den Mietern zugute, während die Subjektförderung an die Mieter geht, aber zu einem Teil den Vermietern zugute kommt.
Das mit den Mehreinnahmen ist ein Märchen. Die Fälle von Leuten mit hohem Einkommen, die im Gemeindebau oder im genossenschaftlichen Altbau bleiben sind zahlenmäßig irrelevant. Die Realität ist, dass die Leute mit steigendem Einkommen ausziehen. Die paar Einzelfälle würden keine nennenswerten Mehreinnahmen bringen. Es schadet übrigens auch nicht, wenn Leute wie Pilz im Gemeindebau bleiben und der Goethehof nicht zum Ghetto wird.

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