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Zur verschwiegenen Zwei Klassen- Medizin

Gesundheit für alle – behauptet die SPÖ, doch die Fakten sehen anders aus.

Wer fest stellt, dass in Wien die gesetzlich vorgesehene medizinische Gleichbehandlung aller PatientInnen nicht gesichert ist, ruft empörte Proteste der verantwortlichen roten Politikerinnen hervor .Es kann eben nicht sein, was nicht sein darf.
Genaues Hinschauen aber täte Not, denn diejenigen, die betroffen sind, sind meist nicht kräftig genug, um sich gegen eine ungerechte Versorgung zu wehren.
Da gibt es beispielsweise chronisch nierenkranken Menschen, die regelmäßige Blutwäsche brauchen. Die Kapazitäten der Dialyseplätze in den öffentlichen Spitälern sind längst bis an die äußersten Grenzen ausgereizt. Jahrelange Versäumnisse im Ausbau und in der Ausbildung des Personals zwingen die Spitäler mittlerweile zu Nachtschichten.
Man stelle sich die Konsequenzen einmal für das eigene Alltagsleben vor: drei bis vier Nächte in der Woche verbringen die DialysepatientInnen im Spital, nicht etwa entspannt in einem Bett, sondern im Stress an der Maschine, betreut von übernächtigem Personal, das selbst bis an die Grenzen gefordert ist.

Aus gesundheitlichen und sozialen Gründen raten die Fachärzte von Nachtschichten bei der Blutwäsche ab. Keine andere westliche Metropole Europas leistet sich einen vergleichbaren Missstand. Warum wird so etwas in Wien geduldet? Die Antwort ist ernüchternd: Die PatientInnen sind überwiegend alt und in jeder Hinsicht abhängig davon, dass sie überhaupt versorgt werden. Dialyse ist kein schickes Geschäft für Privatspitäler, sondern unbedankte und schlecht vergütete Routine der öffentlichen Krankenhäuser. Ginge es hingegen auch bei den Nierenkranken um spektakuläre Botschaften, wie jüngst zu den neuen Krebsmedikamenten, dann wären die Mediziner – und Pharmalobbys schnell in allen Medien mit alarmierenden Kommentaren. Alte Menschen aber, denen die Harnvergiftung droht, wenn sie nicht rechtzeitig dialysiert werden, sind offensichtlich keine Kampagne wert.

Der Kritik begegnen die Rathausroten mit dem Wahlkampfslogan „Gesundheit für alle“ und Gegenbeispielen für herausragende Versorgung in den Wiener Gesundheitseinrichtungen. Diese Beispiele gibt es, keine Frage. Manches davon ist nachgerade entbehrliche Überversorgung. Geld ist vorhanden im Gesundheitssystem, es fehlt an der effizienten Verwendung, weil die Politik, so scheint´ s, von Lobbys und nicht von Versorgungsgerechtigkeit diktiert wird.

Sigrid Pilz
Gesundheitssprecherin der Wiener Grünen
http://wien.gruene.at
harald gabriel (Gast) - 2. Okt, 20:14

sg fr. pilz,
ich finde es bedauerlich, wie undifferenziert in diesem artikel
mediziner + pharmalobby als "das böse"dargestellt werden.
wie sie wissen besteht die medizinsche welt nicht nur aus reichen
primarärztInnen, ja diese stellen sogar eine nummerische minderheit dar,
sondern der großteil der ärztInnen ist mit politische fehlentscheidungen
wie im falle der behandlung der chronisch nierenierkrankten nicht einverstanden.
wo + wie lobbysmus betrieben wird, wissen Sie auch nur zu gut.
ob dadurch politisches kapital gewonnen werden kann,
indem alle ärztInnen mit der pharmaindustrie in einen topf geworfen werden,
darf hintefragt werden...
mfg
harald gabriel



"Ginge es hingegen auch bei den Nierenkranken um spektakuläre Botschaften, wie jüngst zu den neuen Krebsmedikamenten, dann wären die Mediziner – und Pharmalobbys schnell in allen Medien mit alarmierenden Kommentaren. Alte Menschen aber, denen die Harnvergiftung droht, wenn sie nicht rechtzeitig dialysiert werden, sind offensichtlich keine Kampagne wert."

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