GESCHWISTA – Ein konzertierter Großangriff auf den öffentlichen (Albt-)raum
von cc am 07.09.2005
Kommentar von Markus Tripolt, vol:vox kommunikation
vol:vox betreut den Bereich "Kommunikation im öffentlichen Raum" im Rahmen der Wahlkampagne 2005 der Wiener Grünen
Drei Fragen sollten sich für Wiener BürgerInnen im Zusammenhang mit Außenwerbung aufdrängen: Wem gehört, was wir sehen? Wer verdient daran? Und – ist es nicht endlich an der Zeit sich zu wehren!?
Werbung im öffentlichen Raum leistet einen Beitrag zur Urbanisierung und schafft modernes städtischen Lebensgefühl. Im besten Fall macht Außenwerbung Licht, sie informiert und bildet „Landmarks“.
Betrachten wir das Allgemeingut „öffentlicher Raum“ jedoch als begrenzte Ressource erfordert seine Bewirtschaftung den gleichen Anspruch auf Nachhaltigkeit wie er sich bei Wasser, Luft und Rohstoffvorkommen im allgemeinen mittlerweile wenigstens theoretisch als sinnvoll durchgesetzt hat. Wer mit offenen Augen durch Wien geht, weiß aber, dass im „out of home“- Bereich ein vertretbares Maß längst überschritten wurde.

zu den Bilderläuterungen
Ein ur-grünes Thema also, gut aufbereitet für den kommenden Wahlkampf.
Seinen direkten Lebensraum - die Stadt - kann niemand wegklicken oder abdrehen. Wer hier Botschaften platziert, verdichtet und penetriert, weiß, dass sie unweigerlich ankommen.
Wem gehört also der Wiener öffentliche Raum? Und wer verdient an seiner kommerziellen Ausbeutung? In Wien, der Stadt mit der höchsten Außenwerbedichte Europas , ist es der Französische Werbekonzern JCDecaux. Kann sich jemand die berechtigte Empörung und den medialen Trommelwirbel umgemünzt auf den fiktiven Ausverkauf des Wiener Wassers an Frankreich vorstellen?

Bilderläuterungen
Eine Hand wäscht die andere – beide werden schmutzig
Der französische Medienmulti hatte in Wien natürlich seine Erfüllungsgenossen, denn ohne die Umgehung der grundsätzlichsten Baurecht-, Stadtbild- und Verkehrssicherheitsstandards wäre ein Aufstellen von mittlerweile über 400 Rolling Boards wohl nicht möglich gewesen. Kein anderes Unternehmen als die aus einer Magistratsabteilung entsprungene und daher mit besten Kontakten zur Stadtregierung ausgestattete Gewista hätte die als „temporäre Werbeflächen“ gewidmeten Werbeanlagen in solch einer Dichte platzieren können. Ein, in einer absolut regierten Stadt leider wirkungsloser Kontrollamtsbericht, hält die beispiellosen Verfahrensmängel detailliert fest.
Die Auswirkung auf die Situation der ohnehin in schwere Bedrängnis geratenen Wiener Nahversorgungsbetriebe ist katastrophal. Was sollen Wiener Klein- und Mittelbetriebe den Werbebudgets global agierender Weltkonzerne entgegenhalten, deren Flagshipstores sich maximal auf der Mariahilferstraße, in der Regel aber in den Einkaufszentren und Outlets außerhalb der Stadt befinden?
WIEN IST AUSSEN & WERBUNG
Die Gewista, die keine Miete für die zur Verfügung gestellten Flächen zu bezahlen hat, streut den WienerInnen zusätzlich Sand in die Augen: Stadtmöblierung heißt das Zauberwort, mit dem der Ausßnwerbemonopolist Investitionen, für die eigentlich die öffentliche Hand zuständig wäre, übernimmt und im Gegenzug dafür sorgt, dass auch die letzten Winkel und werbefreien Nischen Wiens kommerziell verwertbar werden. BürgerInnen und Geschäftsleute sollen also noch „Danke“ sagen, wenn neben neuen Werbestellen, deren Buchung sie sich selbst niemals leisten können, auch noch ein Bankerl errichtet wird. Oder, wenn als Dauerwerbefläche konzipierte Lärmschutzwände, den Blick aus dem Fenster verstellen.


Von der versprochenen Werbereduktion im Verhältnis 1:10 (für jedes neue Rolling Board verschwinden 10 alte Plakatwerbeflächen) ist erwartungsgemäß außer ihrer Ankündigung und einem "hämischen Lachen hinter vorgehaltener Hand" nichts geblieben.

Bilderläuterungen
Im Gegenteil. Dauerpenetration ist angesagt und nicht nur Wien verharrt weiter in Duldungsstarre! Die Gewista nützt diese allgemeine Wehrlosigkeit und dehnt in atemberaubendem Tempo ihre Aktivitäten in Sachen Rolling Board auf das gesamte Bundesgebiet aus. Ausverkauf also nicht nur im roten Wien. In Kärnten beispielsweise werden laut Gewista „die Werbeflächen dem Land Kärnten kostenlos für Informationskampagnen zur Verfügung gestellt“. Ein Schelm wer böses dabei denkt. Villach, St. Pölten, Graz, , Linz, Salzburg, Bregenz wurden vom Rolling Board bereits erfasst, bis Jahresende steht laut Gewista Website das gesamte Bundesgebiet zur Buchung zur Verfügung.
WERBELAWINE
„Ich möchte die Rolling Boards frühestens 14 Tage vor ihrer Inbetriebnahme öffentlich diskutiert wissen“ gab sich Gewista-General Karl Javurek in einer Stellungnahme im Jänner 2004 gegenüber dem Standard verschlossen.

Bilderläuterungen
copyrights: stefan olah und julia mueller
Es ist bitter zu beobachten, das diese Diskussion bis heute ansteht. Ein Wahlkampf, mit der zu erwartenden Werbeflut der wahlwerbenden Partein, böte den geeigneten Rahmen eine solche Diskussion nachzuholen.
Diese ist damit eröffnet!
Markus Tripolt
vol:vox betreut den Bereich "Kommunikation im öffentlichen Raum" im Rahmen der Wahlkampagne 2005 der Wiener Grünen
Drei Fragen sollten sich für Wiener BürgerInnen im Zusammenhang mit Außenwerbung aufdrängen: Wem gehört, was wir sehen? Wer verdient daran? Und – ist es nicht endlich an der Zeit sich zu wehren!?
Werbung im öffentlichen Raum leistet einen Beitrag zur Urbanisierung und schafft modernes städtischen Lebensgefühl. Im besten Fall macht Außenwerbung Licht, sie informiert und bildet „Landmarks“.
Betrachten wir das Allgemeingut „öffentlicher Raum“ jedoch als begrenzte Ressource erfordert seine Bewirtschaftung den gleichen Anspruch auf Nachhaltigkeit wie er sich bei Wasser, Luft und Rohstoffvorkommen im allgemeinen mittlerweile wenigstens theoretisch als sinnvoll durchgesetzt hat. Wer mit offenen Augen durch Wien geht, weiß aber, dass im „out of home“- Bereich ein vertretbares Maß längst überschritten wurde.

zu den Bilderläuterungen
Ein ur-grünes Thema also, gut aufbereitet für den kommenden Wahlkampf.
Seinen direkten Lebensraum - die Stadt - kann niemand wegklicken oder abdrehen. Wer hier Botschaften platziert, verdichtet und penetriert, weiß, dass sie unweigerlich ankommen.
Wem gehört also der Wiener öffentliche Raum? Und wer verdient an seiner kommerziellen Ausbeutung? In Wien, der Stadt mit der höchsten Außenwerbedichte Europas , ist es der Französische Werbekonzern JCDecaux. Kann sich jemand die berechtigte Empörung und den medialen Trommelwirbel umgemünzt auf den fiktiven Ausverkauf des Wiener Wassers an Frankreich vorstellen?

Bilderläuterungen
Eine Hand wäscht die andere – beide werden schmutzig
Der französische Medienmulti hatte in Wien natürlich seine Erfüllungsgenossen, denn ohne die Umgehung der grundsätzlichsten Baurecht-, Stadtbild- und Verkehrssicherheitsstandards wäre ein Aufstellen von mittlerweile über 400 Rolling Boards wohl nicht möglich gewesen. Kein anderes Unternehmen als die aus einer Magistratsabteilung entsprungene und daher mit besten Kontakten zur Stadtregierung ausgestattete Gewista hätte die als „temporäre Werbeflächen“ gewidmeten Werbeanlagen in solch einer Dichte platzieren können. Ein, in einer absolut regierten Stadt leider wirkungsloser Kontrollamtsbericht, hält die beispiellosen Verfahrensmängel detailliert fest.
Die Auswirkung auf die Situation der ohnehin in schwere Bedrängnis geratenen Wiener Nahversorgungsbetriebe ist katastrophal. Was sollen Wiener Klein- und Mittelbetriebe den Werbebudgets global agierender Weltkonzerne entgegenhalten, deren Flagshipstores sich maximal auf der Mariahilferstraße, in der Regel aber in den Einkaufszentren und Outlets außerhalb der Stadt befinden?
WIEN IST AUSSEN & WERBUNG
Die Gewista, die keine Miete für die zur Verfügung gestellten Flächen zu bezahlen hat, streut den WienerInnen zusätzlich Sand in die Augen: Stadtmöblierung heißt das Zauberwort, mit dem der Ausßnwerbemonopolist Investitionen, für die eigentlich die öffentliche Hand zuständig wäre, übernimmt und im Gegenzug dafür sorgt, dass auch die letzten Winkel und werbefreien Nischen Wiens kommerziell verwertbar werden. BürgerInnen und Geschäftsleute sollen also noch „Danke“ sagen, wenn neben neuen Werbestellen, deren Buchung sie sich selbst niemals leisten können, auch noch ein Bankerl errichtet wird. Oder, wenn als Dauerwerbefläche konzipierte Lärmschutzwände, den Blick aus dem Fenster verstellen.

Von der versprochenen Werbereduktion im Verhältnis 1:10 (für jedes neue Rolling Board verschwinden 10 alte Plakatwerbeflächen) ist erwartungsgemäß außer ihrer Ankündigung und einem "hämischen Lachen hinter vorgehaltener Hand" nichts geblieben.

Bilderläuterungen
Im Gegenteil. Dauerpenetration ist angesagt und nicht nur Wien verharrt weiter in Duldungsstarre! Die Gewista nützt diese allgemeine Wehrlosigkeit und dehnt in atemberaubendem Tempo ihre Aktivitäten in Sachen Rolling Board auf das gesamte Bundesgebiet aus. Ausverkauf also nicht nur im roten Wien. In Kärnten beispielsweise werden laut Gewista „die Werbeflächen dem Land Kärnten kostenlos für Informationskampagnen zur Verfügung gestellt“. Ein Schelm wer böses dabei denkt. Villach, St. Pölten, Graz, , Linz, Salzburg, Bregenz wurden vom Rolling Board bereits erfasst, bis Jahresende steht laut Gewista Website das gesamte Bundesgebiet zur Buchung zur Verfügung.
WERBELAWINE
„Ich möchte die Rolling Boards frühestens 14 Tage vor ihrer Inbetriebnahme öffentlich diskutiert wissen“ gab sich Gewista-General Karl Javurek in einer Stellungnahme im Jänner 2004 gegenüber dem Standard verschlossen.

Bilderläuterungen
copyrights: stefan olah und julia mueller
Es ist bitter zu beobachten, das diese Diskussion bis heute ansteht. Ein Wahlkampf, mit der zu erwartenden Werbeflut der wahlwerbenden Partein, böte den geeigneten Rahmen eine solche Diskussion nachzuholen.
Diese ist damit eröffnet!
Markus Tripolt



























Zwangsbeglückung
"Manchmal treten die Aushecker der Bundeshauptstadt in einer Doppelrolle auf - sie sind dann auch Zwangsbeglücker. (...)
Seit einigen Wochen wachsen an den Rändern der großen Durchzugsstraßen gewaltige Stahlsäulen aus der Erde, als solide Fundamente für hell leuchtende Bildschirme in der Größe von sieben Quadratmetern. Auf ihnen darf sich die Werbewirtschaft austoben (...)
Dementsprechend faszinierend sind die rollenden Bilder. Eine erstrebenswerte (weil nicht sehr ablenkende) Qualität im Sinne der Verkehrssicherheit. Die Einbetonierung von 400 Stück dieser Monster auf Stelzen wurde fürs Erste vom Gemeinderat genehmigt, aber die Betreiber (Gewista) schielen nach mehr. Sie hatten immerhin 2700 beantragt.
Von Stadtverschandelung wollen die Rathäusler nichts hören, und so haben sie die Auflage erteilt, die Innenstadt, Schutzzonen und Gebiete, die unter das Weltkulturerbe fallen, für die laut Gewista-Chef "hocheleganten" Werbeträger zu sperren.
Ein Meisterstück der Absurdität. Die Bürger müssen somit nicht mehr herumrätseln, an welchen Standplätzen die Aufstellung von Rolling Boards in die Kategorie "Auch schon Wurscht!" fällt." (Quelle: Kurier vom 19.5.04)
mfg
Peter Martini
(wohnhaft in einer "eh scho wurscht"-Zone)
genau getroffen!
1) in der mitte ziert das wiener stadtwappen, die boards und vermittelt so den eindruck, es sei eigentum der stadt, quasi offizielles wiener stadtmöbel.
siehe dazu auch:
http://www.wahlblog.at/stories/956033/#956909
2) eine einfache rechereche in der firmendatenbank zeigt sehr genau die verflechtung der "geschwista" mit der wiener spö.
3) da ist es plötzlich gar nicht verwunderlich, dass es keine ausschreibung gab, oder?
4) es ist noch nicht vorbei. die boards spriessen noch immer, letzte woche neu gesprossen am julius tandlerplatz, 9.
Frage an Sabine Gretner:
können sie mir sagen was passiert, wenn ich für mein unternehmen mit dem wiener wappen werbe?
vielleicht lesen sie ja nocheinmal hier vorbei und könne n mir antworten. danke!!