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Warum Radler (manchmal) Regeln brechen MÜSSEN

Das schaff ich so (leider) nicht.



The Earth Is Full

Lesetip!!

“How many people lie on their death bed and say, ‘I wish I had worked harder or built more shareholder value,’ and how many say, ‘I wish I had gone to more ballgames, read more books to my kids, taken more walks?’ To do that, you need a growth model based on giving people more time to enjoy life, but with less stuff.”

Bürgerinitiative contra Grüne?

Wir wollen den Radverkehrsanteil verdoppeln.
Dafür braucht es eine Vielzahl von Maßnahmen.
Vor allem. Mehr Platz für sicheres Radfahren.
Entschärfen von Gefahrenstellen.
Das hier ist eine: Der innerste Teil der Währingerstrasse

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(Blick Richtung stadteinwärts)

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(Blick stadtauswärts)

Viele Radler kennen diese subjektiv wie objektiv gefährliche Engstelle.
Sie ist übrigens eine der von Radlern besonders dicht befahrenen Routen, da es aus dem Westen (9., 18., 19. Bezirk) Richtung Stadt/Uni kaum andere Routen gibt.

Mehr Platz für sicheres Radfahren muß irgendwo Platz herbekommen.
der Strassenbahn kann man ihn hier nicht wegnehmen.
Auch Fußgänger wollen und können wir hier nicht beschneiden, der Gehsteig ist ohnehin schon eng:

P1030454

Bleiben entweder eine Fahrspur, oder die parkenden Autos.
Die Währingerstrasse bietet aufgrund ihrer vorgegebenen Breite bloß Platz für je eine Fahrspur, bleiben also 15 (gezählte) Parkplätze.
Diese sollen, so unser Plan, einem Mehrzweckstreifen weichen.
Das würde Radfahren in diesem Stück eindeutig sicherer machen, darf ich z.B. auf die Gefahrenquelle öffnender Autotüren verweisen.
Warum erzähle ich gerade von diesem Projekt.
Es ist ausverhandelt, die Ladezone für das Hotel Regina in Absprache mit dem Hotel auf den Rooseveltplatz verlegt, auch der 9.Bezirk war dafür.
Jetzt hat sich eine Bürgerinitiative gebildet, initiert von Geschäftsleuten in diesem Bereich, welche zum Ziel hat, die Parkplätze zu belassen. Sie hat 700 Unterschrifte gesammelt.
Medien springen auf das Thema auf: "Bürgerinitiative gegen Grüne" heisst es.
Im Bezirk wird jetzt nochmals ein Gespräch geführt.
Auch wir werden, so wir gefragt werden, klarerweise zu Gesprächen zur Verfügung stehen.
Es zeigt sich an diesem und an etlichen anderen Stellen der Stadt.
Mehr Platz für Radfahrer heisst weniger Platz für andere.
Weil Wien gebaut ist, geht es schlicht um Umverteilung.
Und diese anderen werden meist der Autoverkehr sein. Sei es, dass eine Fahrspur wegkommt, sei es dass Parkplätze dem Radverkehr Platz machen müssen.
Das wird nicht ohne Widerstand möglich sein.
Aber das ist Politik.

PS:
Jenen, die meinen, dass wir uns zuviel ums Radfahren kümmern, sei dieser Artikel unter dem schönen klugen Titel The Real Reason Why Bicycles are the Key to Better Cities gewidmet.

Why do countries with big oil reserves never have democracy?

"Why do countries with big oil reserves per person never have democracy?"
fragt völlig zurecht Hans Rosling und lässt seinen gapminder folgendes ausspucken:

Bildschirmfoto-2011-01-20-um-10-06-03
(das ist ein screenshot, hier der animierte link )

Ja, warum bloss?

Was ist das für ein Land?

Nachfolgende Meinungsumfrage (sample mehr als 2000) finde ich aufschlußreich, aber viel mehr noch: erschreckend.
Man sehe sich die Haltung der Österreicher/innen im Detail an:

imas21

imas1

quelle: Wienerzeitung

Ich lese mir die Antworten wieder und wieder durch, und frage mich:
Wie kann das sein?

update 21. Mai:
Lesenswerte Replik darauf von Martin Blumenau

The great shift

oildrum

oildrum1
vergrössern? anklicken!

Nachdrücklicher Lesetip!
Über den "great shift" der weltweiten Wirtschaftsentwicklung.
Eine sehr gute Zusammenfassung jener Standpunkte, die unter peak-oil begonnen haben.
Interessant deswegen, weil dieser Text von einem Investmentbanker formuliert wurde. Von einem, der groß im Geschäft ist.
Wenn diese hier zusammengefaßten Thesen stimmen (und ich halte das für sehr wahrscheinlich) wird es in den nächsten Jahren weltweit zu sehr großen Verwerfungen kommen.
Auch als Begründung, warum wir uns so auf die Energiewende oder z.B. aufs Radfahren konzentrieren: Um diesen Verwerfungen vorzubeugen.

Was wir vom Bau der Wiener Hochquellwasserleitung für die Energiewende lernen können

(mein Kommentar der anderen im Standard)


Wir wollen raus. Möglichst rasch. Wir haben gute Argumente.
Raus aus der Atomenergie!
Wenn der Sommer wieder sehr heiss wird, und der Treibhauseffekt zum Thema wird, wollen wir schon wieder raus:
Raus aus der Kohle!
Mit ebenso guten, begründeten Argumenten.
Seit 1978, der legendären Zwentendorfabstimmung, allerspätestens jedoch seit 1986, der Tschernobylkastastrophe begleitet uns die "Raus-debatte".
Nur einen scheint das gar nicht zu rühren. Mit geradezu stoischer Gelassenheit geht er seinen Weg. Stetig nach oben. Der Stromverbrauch.
Und während er wächst und wächst, sinkt der Anteil eneuerbarer Stromerzeugung seit Jahren.
Böse formuliert: Während wir "Raus!" schreien, verursachen wir ein "Rein!"
Denn nicht nur in China geht jede Woche ein neues Kohlekraftwerk ans Netz, auch bei uns in Europa sind Kraftwerke in Bau, die fossile Energieträger verbrennen.
Der Autor dieser Zeilen ruft ebenso laut "Raus!" seit 1978;
Er ist von der tiefen Überzeugung getragen , dass die Alternative zur fossilen und atomaren Stromerzeugung leuchtend sichtbar ist: die Sonne.
Sie liefert jährlich das 18 000-fache der weltweiten Energieverbrauchs.
Und doch!
War vielleicht die Strategie falsch?
Denn weltweit wächst der atomar-fossile Komplex weiter, all unserer Argumente zu Trotz.
Müssen wir einen anderen ?archimedischen Punkt? der Umstiegsdebatte finden?
Dazu meine erste These:
Wir müssen unsere Energiebewusstlosigkeit überwinden, nur so kann eine neue nachhaltige Energiekultur (Betonung auf ?kultur?) entstehen.
Energiebewusstlosigkeit?
Dazu ein schneller Test mit bloß zwei Fragen:
Erste Frage. ?Wie viele kWh Strom verbrauchen Sie in ihrem Haushalt??
Meine Erfahrung: 90% der so Befragten haben keine Ahnung. Strom ist unsichtbar, riecht nicht, kommt einfach aus der Steckdose.

Zweite Frage: ?Beschreiben Sie ganz kurz, in eigenen Worten, was eine kWh ist, was sie so kann, ganz ungefähr?
Die Antwort ist die gleiche. 9 von 10 Befragten zucken die Schultern.
Für Beantwortung der ersten Frage schauen Sie auf Ihrer Stromrechnung nach, für die zweite hier eine Kurzbeantwortung:
Mit einer Kilowattstunde kann eine Tonne ganze 365 Meter hoch gehoben werden.
Und wissen Sie was eine kWh kostet? Inclusive aller Steuern, Netzgebühren etc: lächerliche 25 cent.
Ein Radfahrer (sorry, die dieser Vergleich muß noch sein), ein durchschnittlich trainierter radelt einen ganzen Tag, um eine kWh zu erstrampeln.
These: Etwas, das so viel kann und so unglaublich billig ist, wird verschwendet. Ökonomisch gesprochen. Es besteht kein Anreiz, dessen Produktivität zu erhöhen.
Bürohaus mit Glasfassade?
Macht doch nichts, Strom ist billig.Her mit der Klimaanlage.

Womit wir beim Kern der Auseinandersetzung sind.

Strom könnte vollständig aus Sonnenenergie, jedenfalls erneuerbar hergestellt werden.
Ebenso könnte der Stromeinsatz rationeller gestaltet werden.
9 von 10 Haushalten könnten spielend, ohne jede Komforteinbuße, 20% ihres Stromverbrauches ?einsparen?, würden sie ihre Energiebewusstlosigkeit überwinden, bzw hätten sie preisliche Anreize.
Dem stehen jedoch sehr einflussreiche Institutionen entgegen:
Die Arbeiterkammer hier, dort Industriellenvertretung und Wirtschaftkammer.Erstere hat die SPÖ, zweitere die ÖVP in Geiselhaft.
Deren Credo: "Erneuerbare schön und gut, aber: Strom muß billig bleiben?"
So gelingt es diesen Organisationen seit vielen Jahren ein wirksames Ökostromgesetz zu verhindern. Dieses hat in Deutschland vorbildhaft gezeigt, den Anteil "Erneuerbarer" signifikant zu erhöhen.
Reisen wir kurz zurück ins 19. Jahrhunderts. Wiens Bevölkerung bekommt sein Wasser aus Hausbrunnen. Da es damals an hygienischer Kanalisation ermangelte, erkrankten und starben sehr viele. Bevölkerung im allgemeinen, Militär im besonderen.
Die politisch Verantwortlichen fassten daraufhin den weisen Beschluß, die noch heute berühmte Wiener Hochquellwasserleitung zu bauen.
Zum Glück für die Gesundheit der Wiener Bevölkerung gab es damals weder Arbeiter- noch Wirtschaftskammer. Denn sie hätten sicher gerufen: "Hochquellwasser ist zwar schön und gut, aber es darf niemals, niemals mehr kosten als die Hausbrunnen". So hätten sie mit Kostenargumenten den Bau der Hochquellleitung zu Fall gebracht.
Damals sagte man schlicht. ?Wir wollen das! Es ist uns wichtig! Und ja, wir können uns das leisten!? Daraufhin wurde eine technische Meisterleitung vollbracht.
Heute sind wir als Gesellschaft mehr als 1000mal so reich. Unglaubliche technische Möglichkeiten stehen uns zur Verfügung.
Wären wir bereit, ein paar cent mehr je kWh zu bezahlen, könnten wir rasch (innerhalb von nicht viel mehr als 10 Jahren) die gesamte österreichische und auch die gesamte europäische Stromversorgung auf 100% erneuerbar umbauen. Sonne haben wir genug.
Abschliessend :Lieber Ferr Faymann, es ist schön und lobenswert, dass sie gegen Atomenergie aufttreten. Viel wichtiger: Beenden Sie ihren Widerstand gegen ein attraktives Ökostromgesetz, denn irgendwoher muß der Strom ja kommen.

Energiewende: Ein bisschen laienhafte Physik

Unter meinem "was ist eine kwh Video" ist eine sehr interessante Diskussion entstanden.
Folgenden Einwurf höre ich bei Energiedebatten oft, drum möcht ich hier bissl ausführlicher antworten:

One Brick (Gast)

Der Kern grüner Energiepolitik: Strom gehört dorthin, wo Bewegung ist, aber nicht dorthin wo erwärmt wird.


Dem kalten Wasser ist es doch ziemlich gleichgültig, ob die kWh die es erwärmt in Form von Elektrizität, Erdgas oder Sonnenstrahlung daherkommt. Eine kWh ist eine kWh und die Strom-kWh wärmt um nix schlechter als die Pellet-kWh. Oder?
....
One Brick (Gast)
Ja, aber die Pointe an cc's Darstellung war ja, dass eine kWh Strom in Bewegung umgewandelt viieeeel mehr hergibt als wenn man damit Wasser wärmt. Das ist unterhaltsam, lustig, plakativ - aber falsch. Politsprech eben.
Eine kWh ist eine kWh und damit hat sich's.


Nein:
Eine kwh ist eben nicht eine kwh.
Es gibt soetwa wie die Wertigkeit von Energie.
Hoffentlich wirds jetzt nicht zu technisch.
Der Unterschied heisst Exergie
Es gibt also eine bessere und eine schlechtere kwh.
Lass mich ein Beispiel geben:
Du kannst mit Holz heizen.
Das Holz heizt gleich gut, egal ob es ein Holzscheit oder eine schöner Tisch ist.
Zweiteres ist wertvoller.
Genauer:
Man kann mit (wertvollem) Strom sehr viel machen (Kraft, sehr hohe Temperaturen, natürlich auch Wärme)
Man kann mit (weniger wertvoller) Abwärme zwar Wasser erwärmen, aber keine Bohrmachine zum Laufen bringen.
Letztlich:
(Gering wertige) Wärme ist sehr leicht herzustellen. Letztlich muß man nur einen schwarzen Schlauch in die Sonne legen. Kernkraftwerke zum Beispiel haben riesige Kühltürme, die nichts anderes tun, als zwangsläufig anfallende Abwärme zu vernichten, wegzukühlen.Weil sie nicht gebraucht wird (geringer Exergiegehalt)
Auch in Wien gibts mehr als genug Abwärme (aus kalorischen Kraftwerken, aus der Raffinierie Schwechat, der Müllverbrennung)
Drum ists sinnvoll, die Fernwärme auszubauen.
Hochwertigen Strom ist eben nicht genug da.
Deswegen meine Forderung: Für Niedrigtemperaturwärme soll man gerin-wertige Energie verwenden, und den wertvollen Strom nur für hochwertige Energieanwendungen verwenden.
Kurz: Es ist nicht sehr schlau, mit der Motorsäge Butter zu schneiden.

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