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Wien Museum- Winterthurgebäude Eine Chronologie

Gestern Sonntag überraschte Bürgermeister Häupl rund um die Diskussion Wien-Museum - Winterthurgebäude mit einem neuen Vorschlag, kommuniziert in ähnlich lautenden Interviews in Österreich und Kronenzeitung:

Frage: Was ist Ihr Vorschlag für den Streit um die drohende Verschandelung des Karlsplatzes? Michael Häupl: Ich habe ja da eine ganz andere Idee als die bisher diskutierten. Auch wenn Finanzstadträtin Renate Brauner das jetzt vielleicht nicht gerne hört: Eine Versicherung wie die Zürich-Kosmos kann ihr Gebäude überall in Wien aufstellen. Das muss nicht am Karlsplatz sein. Würde die Stadt der Versicherung den Grund ablösen, könnte man in einem völlig neuen Projekt das Wien Museum so erweitern, wie es ohnehin eigentlich notwendig wäre. ÖSTERREICH: Wobei dann auch bei der Neuplanung ein entsprechender Schutz der Karlskirche vorgesehen wäre? Häupl: Dann könnte man etwas völlig Neues planen, das das Ensemble am Karlsplatz nicht stört. Vielleicht sagt man mir ja, dass das eine Schnapsidee ist. Aber als Wissenschaftler bin ich gewöhnt, dass ich meine Ideen frei zur Diskussion stelle - das tue ich hiermit. Die Karlskirche, der Karlsplatz und vor allem das Wien Museum, das endlich genug Platz hätte - alle würden profitieren.


Bevor ich das bewerten möchte, eine kurze, trockene Chronologie.
Die geht zumindest bis zum Jahr 2012 zurück.

Im Sommer 2012 blieben nach längerer Standortsuche für das Wien Museum Neu zwei Standorte über: Am Hauptbahnhof (Arsenalstraße, schräg vis a vis vom 21er-Haus) sowie der bestehende Standort Karlsplatz. Im Architekturzentrum wurde eine Fachenquete durchgeführt, bei der 40 ExpertInnen (Museumsleute, ArchitektInnen, WissenschafterInnen, etc.) aufgefordert waren, ein kurzes Plädoyer jeweils für den einen oder den anderen Standort zu halten. Die überwiegende Anzahl der TeilnehmerInnen sprach sich für den Karlsplatz aus.

Um eine umfassende und fundierte Entscheidungsgrundlage zu haben, wurden in Abstimmung zwischen den Geschäftsgruppen Kultur und Stadtentwicklung im Herbst 2012 zwei städtebauliche Studien in Auftrag gegeben, um die Möglichkeiten und Potentiale dieser Standorte zu untersuchen. Den Standort am Hauptbahnhof wurde vom Wiener Büro querkraft untersucht, der Standort Karlsplatz vom Berliner Büro kuehn malvezzi gemeinsam mit dem Wiener Büro für Landschaftsarchitektur D/D (Detzlhofer und Dessovic). Diese beiden Studien wurden kurz vor Weihnachten 2012 den beiden ressortverantwortlichen StadträtInnen Mailath und Vassilakou präsentiert.

Das Ergebnis dieser Studie zum Karlsplatz war, dass der Umbau des Wien Museums genutzt werden sollte, um den östlichen Abschluss des Karlsplatzes aufzuwerten. Stadträumlich solle dabei die für die Karlskirche konstituierende städtebauliche Achse Herrengasse – Karlskirche gestärkt werden, die durch den Bau der Ringstraße (Staatsoper) und die Wien-Flussregulierung sowie den Bau der U-Bahn beeinträchtigt war. Ebenso sollte der ursprüngliche, solitäre Charakter des Wien-Museums wieder herausgearbeitet werden, das mit dem Anbau des Winterthur-Gebäudes in eine vermeintliche Blockrandbebauung integriert worden war. Der Denkmalschutz für das Bestandsgebäude war vom Bundesdenkmalamt vorgegeben.

Unter Beibehaltung des landschaftsplanerischen Konzeptes des schwedischen Gartenarchitekten Sven Ingvar Anderson von 1969 für den Karlsplatz wurden drei Entwicklungsszenarien ausgearbeitet: eine rein unterirdische Erweiterung des Wien Museums, eine Aufstockung des bestehenden Gebäudes und der Bau eines Solitärs vor dem bestehenden Bau, der mit diesem unterirdisch verbunden wäre. In Bezug auf das Winterthur-Gebäude empfahl die Studie, dessen Verbindung zum Wien Museum abzubrechen, und es als Teil dieses städtebaulichen Projektes einzubeziehen. Die städtebauliche Form sollte in Abhängigkeit zur Lösung des Wien Museums entschieden werden. Schon damals wurde eine Erweiterung nach vor oder nach oben angedacht.

In weiterer Folge wurde in der Baudirektion eine Projektkoordination für das Wien Museum eingerichtet, die eine Reihe weiterer technischer, rechtlicher und ökonomischer Fragen zu klären hatte, bevor Stadtrat Mailath-Pokorny im November 2013 die Standortentscheidung für den Karlsplatz verkündete und einen zweistufigen Architekturwettbewerb für 2015 ankündigte. „Das neue Wien Museum soll unter Einbeziehung des benachbarten Haerdtl-Baus erfolgen. Von dieser souveränen architektonischen Setzung erhoffen sich die Planer, die historische Achse der Karlskirche zu stärken“

Als nächstes Etappenziel erfolgte Anfang Juni 2014 im Kulturausschuss der Grundsatzbeschluss für die Sanierung und den Neubau des städtischen Museums am Standort Karlsplatz. Dafür wurde mit der Gründung einer Entwicklungsgesellschaft (als Tochtergesellschaft der Wiener Standort EntwicklungsGmbH (WSE) in der Wien Holding) die organisatorischen Rahmenbedingungen geschaffen, zu deren Aufgaben die Abwicklung aller für das Projekt notwendigen Maßnahmen - von Widmungs- bis hin zu Finanzierungsfragen - sowie die Vorbereitung und Umsetzung des Architekturwettbewerbes zählen.

Im März 2015 wurde dann der zweistufige internationale Architekturwettbewerb ausgelobt. Unter dem Vorsitz des Schweizer Architekten Emanuel Christ wurde in der finalen Jurysitzung vom 19.11.2015 aus 274 eingereichten Projekten der Entwurf von Certov, Winkler + Ruck Architekten (Graz/Klagenfurt) zum Siegerprojekt gekürt.

Die Jury begründete ihre Entscheidung u.a. wie folgt:

„Allgemein ist das Projekt mit dem großen „Pavillon“ auf dem Dach als eine schöne und klare Setzung zu würdigen, dem es gelingt, die gebotene Rücksicht und den verantwortungsvollen Umgang mit Mitteln in eine dennoch prägnante Gesamtform umzusetzen, welche die räumlichen und gestalterischen Qualitäten des Karlsplatzes bewahrt und stärkt, sich durch die Freistellung gekonnt vom Nachbargebäude emanzipiert und dem Museum ein zusammenhängendes neues Gesicht verschafft.“

Als folgende Schritte wurde ein Verhandlungsverfahren mit den Gewinnern, mit dem Ziel, das Siegerprojekt umzusetzen angekündigt. Angekündigt wurde ebenfalls, dass Anfang des Jahres 2016 die Zürich Versicherung einen geladenen Architekturwettbewerb für das benachbarte Winterthurgebäude durchführen wird.

Die Formulierung der städtebaulichen Rahmenbedingungen für diesen folgenden Wettbewerb waren in Abhängigkeit mit der Lösung für das Wien Museum als Teil von dessen Wettbewerb abgefragt und wurden in weiterer Folge von der Stadtplanung vertieft und präzisiert. Als wichtigste Rahmenbedingungen wurden der Abbruch der Verbindungsbauteile zwischen den beiden Gebäuden sowie eine maximale Gebäudehöhe definiert, die sich an der Gesimshöhe der Karlskirche sowie der zukünftigen Höhe des Wien Museums orientiert und damit die bestehende Traufkante am Karlsplatz (TU-Wien, Musikverein, etc.) aufnimmt.

Von den eingereichten Vorschläge für das Winterthur-Gebäude wurden von einer achtköpfigen ExpertInnenjury unter dem Vorsitz von Rüdiger Lainer die Pläne des Wiener Architekturbüros Henke Schreieck Architekten ZT einstimmig ausgewählt und im April 2016 öffentlich präsentiert.

Aufbauend auf den bis zu diesem Zeitpunkt erfolgten Planungen und Entscheidungen für das Wien Museum wurden die Gewinner des Architketurwettbewerbes mit den weiteren Planungen beauftragt. Für die Phase II des Bauprojekts, die mit der Erwirkung des Baubescheides endet, wurde im September 2016 im Kulturausschuss des Wiener Gemeinderates ein Gesamtbetrag von 3,5 Millionen Euro einstimmig beschlossen.

Der Entwurf für eine Neufestsetzung des Flächenwidmungs- und Bebauungsplanes wurde auf Basis dieser Planungsvorleistungen ausgearbeitet und magistratsintern begutachtet. Eine Eröffnung des Verfahrens gemäß §2 WBO hat noch nicht stattgefunden. Eine Vorlage dieses Entwurfes zur Beschlussfassung an den Wiener Gemeinderat ohne Finanzierungsbeschluss für den Bau des Wien Museums wurde von Vbgm. Maria Vassilakou ausgeschlossen.

Und nun zurück zum Vorschlag des Bürgermeisters, jetzt das Winterthurgebäude zu kaufen.
Wenn das passiert, heißt das für den notwendigen und unbestrittenen Neubau des Wienmuseums: Zurück an den Start.
Wäre das Winterthurgebäude im Besitz der Stadt, eröffnete dies natürlich für das Wienmuseum und für den Karlsplatz völlig neue Möglichkeiten.
Jedenfalls müssten die städtebaulichen Bedingungen neu definiert, und ein neuer Wettbewerb ausgelobt werden.
Zeitverzögerung: Mindestens ein Jahr, eher mehr.
Alle Kosten, die bisher aus dem Kulturbudget geflossen sind, wären damit abzuschreiben.
Es fragt sich also schon, warum der Bürgermeister erst jetzt mit diesem Vorschlag kommt.
Außerdem:
Das Winterthurgebäude ist im Besitz einer Versicherung.
Der Erwerb würde einen zweistelligen Millionenbetrag erfordern. (Ich unterlasse genauere Abschätzungen, um einen allfälligen Kaufprozess nicht zu belasten).
Budgetiert ist dies nicht.
Für den Kauf verantwortlich wären entweder die Finanzstadträtin (über eine Tochter der Wienholding) oder Stadtrat Ludwig, der für städtische Gebäude verantwortlich ist.
Letztlich muss der Kulturstadtrat klären, ober er die bisherigen Planungen abschreiben und ein völlig neues Projekt starten will.
Das Planungsressort hat, wie vereinbart, bisher alle Schritte für den Neubau des Wienmuseums unterstützt.
Jetzt liegt es am Bürgermeister und an den zuständigen SP-Stadträten zu klären, ob man wirklich das Winterthurgebäude kaufen möchte und ob man zurück an den Start will.
Wahrscheinlich nicht nur ich bin gespannt, was wirklich gewollt ist.

update Di 14.2:
Schon wieder vorbei. Siehe : Häupl rudert zurück
Wolfgang B. (Gast) - 13. Feb, 20:18

Tolle Koalition

Genau so stellt man sich das Arbeiten in der Wiener Rathauskoalition vor. Gute Nacht Wien....

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    Interessante Wortmeldung...
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