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Heumarkt

Die Wiener Zeitung hat mich gebeten, meinen Standpunkt zum heftig diskutierten Heumarktprojekt ausführlicher zu begründen.
Hier ist der Link:
http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/wien/stadtpolitik/881670_Schon-frueher-wurde-hoch-gebaut.html

Johannes Altenbnurg (Gast) - 26. Mrz, 19:23

zur Information

An
Magistratsabteilung 21-Stadtteilplanung und Flächennutzung
Rathausstraße 14-16
1010 WIEN



Wien, 15.3.2017


Stellungnahme zum Flächenwidmungs- und Bebauungsplan Nr. 7984


Sehr geehrte Damen und Herren,

fristgerecht gebe ich folgende Stellungnahme zum Planentwurf Nr. 7984 sowie zu den, dem Antrag beiliegenden Unterlagen ab:

Pkt. 1 : Öffentlicher Nutzen

WEV, Eislaufhalle, Turnsaal, Verlegung der B1 wurden in der Projektdarstellung seitens Politik, Magistrat und des Investors als „Öffentlicher Nutzen“ in den Vordergrund gestellt und als Begründung für eine Quersubvention durch den Investor aus dem Erlös des Wohnhochhauses.

+ Im Zuge der Projektentwicklung ist Gewichtung und Bewertung des Widmungsgewinnes einerseits und des Öffentlichen Nutzens andererseits, nicht transparent gemacht worden.

+ Auf Nachfrage bei WEV wie auch in Diskussionen im Zuge der Bürgerversammlung ist die konkrete Frage nach einem kritisch geprüften Businessplan für das zukünftige Geschäftsmodell des WEV nicht beantwortet worden. Gibt es entsprechende Unterlagen und nachhaltig plausible Berechnungen ?

+ Kann es sein, dass Wirtschaftlichkeitsberechnungen für den hier geltend gemachten Öffentlichen Nutzen keine Entscheidungsgrundlagen der Stadtplanung sind ?

+ Betriebskosten, Instandhaltung und Instandsetzung, Betriebsführung inklusive Energiekosten: kann sich der WEV eine große hochtechnische und gekühlte Eishalle für Sommer-und Ganzjahresbetrieb leisten, die nur einem sehr eingeschränkten Nutzerkreis für Eistanz und Eishockey zur Verfügung steht.

Zur Klarstellung : der Winter Eislaufplatz im Freien, für ein breites Publikum ist hier nie in Frage gestellt.

+ Könnte damit nicht die Zukunft des traditionsreichen WEV gefährdet sein ?

+ Sind für den Betrieb der Eishalle bzw. die Benutzer laufende öffentliche Zuschüsse vorgesehen ?

+ Wer sind die weiteren Vertragspartner des Investor für die Teilbereiche: a) Eishalle; b) Turnhalle; c) Sommernutzung der Freifläche ?

+ Wie sieht das Betriebskonzept für diese Teilbereiche aus ?
zB. jährliche Demontage der Einfriedung inkl. Schutzvorrichtung für den winterlichen Eislauf- bzw. Eishockey-Bereich.
zB. jährliche Sommer-Möblierung und schattenspendende Begrünung.
zB. Einrichtung, Betriebsführung und Benützungsregelung der Turnhalle.

+ Sind zusätzliche laufende Budgetmittel von Stadt Wien, Land und Bund/Ministerien für diese Teilbereiche bzw. die jeweiligen Nutzer erforderlich und vorgesehen ?

+Wie sieht die Regelung aus, wenn einer der Vertragspartner z.B. WEV seine vertraglichen Verpflichtungen nicht erfüllt ?

+Was geschieht wenn einer dieser Vertragspartner insolvent wird ? Fällt die Verfügbarkeit der Flächen an den Grundeigentümer ?

+ Die Zielsetzung des privaten Investors gegenüber dem Öffentlichen Nutzen machen langfristig Konflikte und Dauerstreit unvermeidbar und damit droht eine (optische)Vernachlässigung dieser Nutzflächen und Freiflächen bzw. wird die Öffentliche Hand erpressbar.

+ Sind die Überlegungen, Argumente und Zielvorstellungen für die Verlegung der B1 2004 obsolet oder falsch, sodass die neuerliche Umgestaltung als Begründung für Verdichtung und Eingriff in das geschützte Stadtbild gerechtfertigt ist ?

+ Wie sieht die magistratsinterne Bewertung der Faktoren für den Zuwachs an Dichte zu Gunsten des Investors aus ?





Pkt. 2 : Wohnturm

+ Die für das Projekt vorgesehene Wohnnutzung ist gesellschaftspolitisch belanglos, daher widerspricht diese weitere Verdichtung der im Masterplan Glacis formulierten Zielsetzung.

+ Der Wohnturm als „landmark“ im Bereich Ringstraße/Glacis wäre schon im 19. Jhdt nicht möglich gewesen und eine heute aktuelle Interpretation ist nicht rational abzuleiten.

+ Die Konzentration von 40 Apartments und 50 Wohnungen in einem Turm in dieser Lage für eine sehr spezifische Wohn-Klientel ist ein politisches Sicherheitsrisiko für die Stadt. Die herausragende Baustruktur ein Ziel für jegliche Aggression auf Dauer.
In Zukunft, tagein tagaus eine Provokation, für die arbeitende Bevölkerung im Stadtzentrum, die Bewohner der Stadt, ein städtebauliches Rätsel der Bundeshauptstadt für die Bürger der Republik, und ebenso unerklärbar für Besucher, die beruflich oder als Touristen nach Wien kommen.

+ Mit dem Verkauf von parifizierten Wohnungen und Apartments an steuerschonende Kapitalgesellschaften wird eine Identifizierung der wirklichen Eigentümer kaum möglich und zukünftig auch nicht nachvollziehbar sein. Damit ist auch die Handlungsfähigkeit der formal Verantwortlichen fraglich, insbesondre die Beschlussfassung und Finanzierung für eine nachhaltige Instandhaltung und Instandsetzung.

+ Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass hier ein tatsächlicher Wohnbedarf erfüllt bzw. Dauerwohnsitze gegründet werden.
Sporadisch genutzte Absteigen für Individuen die global unterwegs sind. Eitelkeit, Spekulation, fragliche Geldquellen, Steuerflucht, wird dem Turm aus dem unmittelbaren Anblick, wie auch in den berühmten Sichtachsen, nachhaltig anhaften.

+ Rendite, kann und wird nicht Motiv für den Kauf einer Wohneinheit sein : Der Canaletto-Ausblick ist weltweit einmalig - der Investor wird hier nichts verschenken !

+ Das in jeglicher Hinsicht exponierte Objekt wird für internationale Konzerne, Vertretungen, Institutionen, die Mietwohnungen für ihre Manager, Diplomaten, Vertreter finanzieren nicht die in Wien erwarteten Anforderungen erfüllen.

+ Wurde seitens der Stadtplanungsabteilungen die Kalkulation und Erlöserwartungen des Investors für die Apartments und Wohnungen im „Turm“ evaluiert, sodass ein Gleichgewicht zum Öffentlichen Nutzen / Öffentlichen Schaden nachvollziehbar gegeben ist ?

Pkt. 3 : Städtebauliche Vorgaben

+ Es ist nicht nachvollziehbar wie in einem „ Hearing“ die städtebaulichen Vorgaben für das nachfolgende „ExpertInnenverfahren“ entstanden sind. Hier ist der Einfluss des Investors offensichtlich, die Festlegung von Nutzungskonzept eine willkürliche Zusage wie die pauschale Verdichtung sind die ursächliche Festlegung für die daraus folgende und unvermeidliche Fehlentwicklung.

+ Ohne jeglicher Transparenz und keinerlei öffentliche Mitwirkungsmöglichkeit oder Resonanz sind Städtebauliche Vorgaben in kleinstem Kreis vereinbart worden.

+ Es gibt keine sinnvolle oder neue Nutzung mit einer städtebaulichen Zielsetzung die eine wesentliche Verdichtung und einer Akzentuierung begründen könnten. Weder eine Konzentration von Wohnnutzung noch Büronutzung wird eine Verbesserung bzw. Intensivierung der Urbanität des Standortes sicherstellen. Jegliche Verdichtung ist eine Verbesserung für den Investor, die städtebaulich begründet und öffentlich diskutiert werden muss.

+ Sind alle möglichen Alternativen für einen allfälligen öffentlichen Nutzen, zB. Turnsaal geprüft, mag eine unauffällige Verdichtung - tatsächlich transparent bewertet für beide Seiten eines Städtebaulichen Vertrages - der Öffentlichkeit erklärt werden.

+ Daß sich die gegebene statisch-konstruktive Struktur, die Trakttiefe und Geschoßhöhe für einen Umbau nach heute aktuellen 4-5 Sterne Hotel-Standard nicht eignet, ist eine kaum zu leugnende Tatsache, die allen Beteiligten von Anfang an bekannt war.

Unbestritten ist eine gehobene Hotelnutzung am Standort. Nachdem die gegebene Bausubstanz für einen Umbau nicht geeignet ist, kann eine maßvolle Verdichtung für den Hotelneubau bergründet sein und eine Chance für architektonisch Sanierung der unbefriedigenden Gegebenheit.

+ Warum wurde dennoch Neubau und Erhalt bzw. Umbau des bestehenden Hotels als Varianten für den Nachfolgenden Wettbewerb vorgesehen.

Mit unzulässigen Zusagen, unautorisiert und unabgestimmt mit Politik und Öffentlichkeit wird ein fragwürdiges Nutzungskonzept, eine maßlose Verdichtung und ein Konzept für einen Städtebaulichen Vertrag mit einem Finanzierungsmodell für einen nicht näher definierten „öffentlichen Nutzen“ ohne irgend eine wirtschaftliche Alternative und ohne jeglicher wirtschaftlicher Kostenansätze festgelegt.


Pkt. 4 : Wettbewerb und Architektur

Die nachfolgende Planungsprozess basiert auf diesen unhaltbaren Grundlagen, missbraucht das Konzept des Wettbewerbes international und instrumentalisiert den Preisträger, der ein Projekt mit unabgestimmten Vorgaben gegenüber einer halbinformierten - und damit binnen kurzer Zeit zu recht entsetzten - Öffentlichkeit zu vertreten hat, im konkreten Fall eine besonders heikle Situation für Wien.

In der Bewertung des Siegerprojektes durch die internationalen Juri war die Erhaltung des bestehenden Hotelbaues, sowie die Proportionen der Bauteile maßgebliche Kriterien.

Jetzt wird das Hotel abgebrochen und der Neubauplanung ist „etwas“ breiter, „etwas“ länger, „etwas“ höher „etwas“ an die Straßenfront vorgerückt und der Turm etwas niedriger.

Wenn auch ein völlig unglaubhaftes Manöver und vorauskalkulierter Kompromiss gegen die geringfügige Reduzierung des gänzlich unverträglichen Wohnturmes. Einer jener durchschaubaren taktischen Elemente in der Projektentwicklung die einer wachen Bevölkerung unerträglich sind.

+ Wer hat die Qualitäten des überarbeiteten Projektes beurteilt ?

+ Ist das noch das Siegerprojekt, mit den selben, von der Juri hochgelobten, bewerteten, beurteilten Proportionen – hier wird auch für den Laien der Qualitätsverlust des „überarbeiteten“ Projektes deutlich sichtbar.

+ Ist mit dem „Erhalt der Bausubstanz Hotel“ als einem Entscheidungskriterium für den Erstentwurf, die nunmehr geänderte Ausgangslage „Abbruch und Neubau“, verfahrensrechtlich ein neuer Wettbewerb zu starten ?

Zur Erinnerung : Nach Überarbeitung und Erhöhung der Baumasse des Entwurfs Wien Mitte sind die planenden Architekten bekanntlich zurückgetreten. Eleganz und Leichtigkeit ist in Wien Mitte nicht erreicht worden und soll sich das Am Heumarkt wiederholen ?

+ Und noch eine Anmerkung / Frage : die „Stadtterrasse“, als Erweiterung des öffentlichen Raumes gelobt, wird auf Grund der Thermik am Fuß des Hochhauses weitgehend unbenützbar sein.




Pkt. 5 : Öffentlichkeit

Die Anforderung im Verfahren „der Öffentlichkeit Gehör zu verschaffen“ war in der gegeben Art und Weise sowie in Wort und Bild nur dazu geeignet Emotionen an zu heizen.

Die unabgestimmten Vorgaben für Dichte und Nutzung und der daraus folgende Entwurf sind aber auch einer halbinformierten Bevölkerung nicht zu verkaufen.

Hier ist die Bevölkerung tatsächlich ernstzunehmend, der es nicht um persönliche oder wirtschaftliche Interessen geht, sondern um die verantwortungsvolle Sorge und Identifikation mit ihrer Stadt .

Diese Stimmen nicht zu hören und auch die vielen Menschen, die sich Experten aus den verschiedensten Fachgebieten, den namhaften Persönlichkeiten aus Kunst und Kultur in den Versammlungen, Initiativen und Petitionen angeschlossen haben, all diese Menschen zu ignorieren wäre demokratisch verantwortungslos die politischen Konsequenzen können nicht beabsichtigt sein.




Pkt. 6 : Unesco

Der Vollständigkeit halber, wird auch hier auf die Verletzung vertraglicher Zusagen hingewiesen.

+ Wie erfolgte Informationsaustausch und Meinungsbildung zwischen Magistrat und dem zuständigen Bundesministerium ?

+ Wie sind Auswirkungen eines allfälligen Verlustes des Weltkulturerbe Status ausreichend erfasst und bewertet worden?






Pkt. 7 : Zusammenfassung

Sind die hier gestellten Fragen Pkt.1 bis Pkt 7 in den Entscheidungsgrundlagen inklusive der Konsequenzen umfassend dargestellt, in den Erläuterungen und Motivenberichten, Protokollen etc. ausreichend behandelt, sodass die für Mitglieder des Gemeinderates und der befassten Gremien eine abgesicherte und verantwortungsbewusste Entscheidung für Stadt, Land und Bund möglich ist ?



Ich beantrage daher, dass der Entwurf zur Änderung des Flächenwidmungs- und Bebauungsplanes Nr. 7984 in der derzeit vorliegenden Form nicht rechtswirksam beschlossen wird.

Mit freundlichen Grüßen,







DI Johannes Altenburg

Landstrasser Hauptstrasse 6/14
1030 WIEN

Jack (Gast) - 25. Apr, 19:42

Siehst du im Spiegel den Cap?

Euer handeln ist eine einzige Enttäuschung :(
Es ist wirklich interessant zu sehen wofür ihr wirklich kämpft wenn ihr an der Macht seid....der eigene Sessel ist halt doch wichtiger.

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    chorli (Gast) - 11. Mai, 22:04
    quelle: http://www.wienerzeitung.a t/nachrichten/wien/stadtpo litik/881670_Schon-frueher -wurde-hoch-gebaut.html
    quelle: http://www.wienerzeitung.a t/nachrichten/wien/stadtpo litik/881670_Schon-frueher -wurde-hoch-gebaut.html
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    chorli (Gast) - 11. Mai, 19:47
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    Chorli (Gast) - 11. Mai, 19:42
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    chorli (Gast) - 11. Mai, 19:37
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