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das Dachterrassenhaus-Modell gegen die Zersiedelung (2)

Zwischendurch ein bisschen Kommunales.
Nicht zuletzt angeregt von poster/innen, die zurecht meinen, dass wir Grüne viel lauter sagen sollen, WOFÜR wir sind, statt immer nur DAGEGEN zu sein.
Also: DAFÜR bin ich nicht nur, DAS hab ich massgeblich voarangetrieben.
Vor knapp drei Jahren berichtete ich, nicht ohne Stolz, über dieses Projekt. (Kurzbeschreibung des Architekten Rüdiger Lainer darin nachlesen!)
Erst Idee, dann viel Lobbying, Grundstück suchen, Bauträger überzeugen, Wettbewerb mitorgansieren, in der Jury das hoffentlich beste Projekt aussuchen.
Und dann ist es fertig.
Im August ziehen die ersten Mieter ein.
Für mich ist es paradigmatsich, weil hier extrem viel von dem verwirklicht ist, was für mich zukunftsweisenden "grünen" Städtebau ausmacht.
Jede Wohnung hat eine großzügige Terrasse.
Davor der stolze Architekt.

IMG_2769

Diese Terrassen haben üppige Tröge (keine kleinen Kisterl), und in wenigen Jahren wird die Fassade mit verschiedensten Pflanzen überwuchert sein.

Jede Wohnung hat Ausblick, auf direkte Besonnung wurde grosser Wert gelegt.

Wichtig die Dächer.
Hier kann man feiern, grillen, Musik machen, Parties organisieren. selbstgewählte Nachbarschaft kann entstehen.

IMG_2757

zusätzlich können auf den Dächern, vergleichbar urbanen "Schrebergärten" Beete engemietet werden.

IMG_2760

Das ganze ist mitten in Favoriten, zwei Strassenbahnen bleiben unmittelbar davor stehen, in wenig mehr als 10 Minuten ist man im Zentrum.

Kurz zusammengefasst: Urbane Dichte kombiniert mit dem grossen bedürfnis nach Freiraum und Grün.
Ein Dachterassenhaus eben.

Ausserdem.
Ein sehr ansprechendes, helles skulpturales Stiegenhaus:

IMG_2765

Natürlich gehört eine ansprechende Fassade auch zu "guter Architektur", wichtiger aber ist: Wird das ein guter Ort zum besseren Leben?
Ich glaube, hier kann es gelingen.
Tom Schaffer (Gast) - 18. Jul, 01:15

nett. wie groß sind die wohnungen, wie siehts mit den mietpreisen aus, wie wird geheizt und was getan um strom/energie zu sparen? direkte sonneneinstrahlung stell ich mir im sommer eher höllisch vor - was wurde dagegen gemacht?

cc - 18. Jul, 08:33

@tom

diese details findest du am website des Bauträgers:
www.heimbau.at
Zur Sonneneinstrahlung:
Die Balkone/Loggien haben aufklappbare Scheiben.
dieter (Gast) - 18. Jul, 06:03

Hässliche, eierlegende Wollmilchsau

1. Furchtbar hässlich, wie alles, was in letzter Zeit gebaut wurde. Die Fenster jedes Stockwerks sind auch noch mutwillig gegenüber einander versetzt. Kein Wunder, dass die Leute aus der Stadt flüchten, um einem Augenkrebs vorzubeugen. Man beachte, dass viel EF-Haus-Besitzer viel Zeit damit verbringen ihr Haus und ihren Garten zu behübschen. Das geschieht mit unterschiedlichem Erfolg, aber das Bedürfnis nach Ästhetik ist da.
Kein Wunder, dass die Fassade mit einer pflanzlichen Häuserburka überwuchern soll.

2. Sind diese exponierten Loggien nicht ein Problem bezüglich der Wärmeisolierung?

3. Die Wohnräume dürften dem Format der Fenster nach zu urteilen klaustrophobieinduzierend niedrig sein. Noch ein Fluchtmotiv.

4. Die eitle Nachbarschaftsidylle im Gemeinschaftsbereich wird nicht entstehen. Das wurde schon x-mal probiert. Es wird Streit und Misstrauen geben. Irgendwer wird von den Erdbeeren in einem Gemüsebeet naschen bzw. seine Bierflaschen nach einer Feier nicht wegräumen.

Eine Alternative zur Zersiedelung sollte doch eher Stadtplanung sein. Es braucht Schrebergärten in der Nähe, einen Park und zum Feiern geht man ins Wirtshaus, Straßen und Alleen in denen man sich aufhalten will.

Hier wird wohl mal wieder versucht, fehlende Stadtplanung dadurch zu kompensieren, eine eierlegende Wollmilchsau hinzustellen.

cc - 18. Jul, 08:42

@dieter

was schön oder hässlich ist, darüber kann man je nach Geschmack unendlich streiten.
Und Bekanntermassen sind die Geschmäcker ziemlich verschieden.
Nur zur Erinnerung.
Eines der "hässlichsten" Häuser seiner Zeit, das enorm viel Protest hervorgerufen hat, war das Looshau (//de.wikipedia.org/wiki/Looshaus)
Heute unter Denkmalschutz und am michaelerplatz nicht mehr wegzudenken.
Mir gehts bei diesem Projekt aber ganz bewusst nicht um hässlich oder schön, sondern um Lebensqualität.
Da möchte ich Dir heftig widersprechen:
Bes. von deinem merkwürdigen Begriff der "eitlen Nachbarschaftsidylle".
In der autofreien Siedlung, über die ich hier schon öfter geschrieben haben, funktionieren diese Dachgärten hervorragend, und sind ein Hauptgrund, dass dort sehr viele Menschen hinziehen wollen.
Dort gibts nicht primär Streit & Misstrauen, sondern so ziemlich das Gegenteil.
V.a. von Eltern und Kindern sehr geschätzt.
Die Räume sind nicht "klaustrophobie-induzierend" niedrig, sie haben jene Höhe, wie sie überall im sozialen Wohnbau Standard sind.
Wie wärs, sich das einmal anzusehen, damit man sich ein qualifiziertes Urteil bilden kann. Wien 10, Buchengasse, mit der Linie 65 in wenigen Minuten vom Zentrum.
dieter (Gast) - 18. Jul, 18:34

1. Es gibt sehr wohl zeitlose ästhetische Prinzipien, schließlich interpretieren wir alle unsere Umwelt mit unserem animalischen Gehirn, das von Person zu Person so unterschiedlich nicht ist.

2. Der reflexartige und gängige Verweis auf Gebäude, die später akzeptiert wurden, erinnert an den von Quacksalbern und Pseudowissenschaftlern, die daran erinnern, dass Einstein anfangs von vielen nicht ernst genommen wurde. Die Geschichte zeigt aber, dass meisten Quacksalber keine Einsteins sind und dass die meisten hässlichen Gebäude, die derartig verteidigt werden müssen, hässlich bleiben.

3. Der Hinweis auf die Subjektivität wird meistens nur dazu benutzt denen zu entgegnen, die das Prädikat "hässlich" nutzen, das einige wohl am liebsten aus dem Wortschaft verbannt haben wollen. Hässlich ist jedenfalls meine Einschätzung und ich habe das dumpfe Gefühl, dass ich bei einer Meinungsumfrage in der Mehrheit wäre. Viele Menschen stimmen auf Basis ihrer Einstimmung mit den Füßen ab und ziehen in den Speckgürtel oder in renovierte Altbauten. Der Hinweis auf Subjektivität ist zum Persilschein dafür geworden, sich mit dem populären Schönheitsempfinden nicht mehr befassen zu müssen.

4. Wie hoch ist denn nun die Mindesthöhe im sozialen Wohnbau? Ein gängiger Einwand der Speckgürtelbewohner ist, dass sie nicht in Schachteln hausen wollen. Dieses Haus sieht von außen schachtelig aus, also liegt die Vermutung nahe, dass es drinnen nicht anders ist.

5. Pilotprojekte aller Art haben eines gemeinsam. Sie funktionieren fast immer, weil sie engagierte Gleichgesinnte anziehen. Eine autofreie Siedlung wäre schon für Eva 170PS Glawischnig oder Alfisti Van der Bellen inakzeptabel, ist also nur was für echte Ökos. Wir wissen aus der Soziologie, dass Menschen, die sich gleichen (Alter, Werte, politische Überzeugungen, Schicht, ethnischer Hintergrund) automatisch zusammenhalten, sich gegenseitig vertrauen und respektieren, altruistisch und fürsorglich handeln. So äußern sich die positiven Aspekte der menschlichen Stammesmentalität Zielgruppenorientierte Angebote sind sicher sinnvoll. Es gibt aber viele Gruppen in unserer Gesellschaft.

6. Dachgärten finde ich auch gut, nur so wie das auf den Bildern aussieht, sind die Beete nicht räumlich vom Gemeinschaftsbereich getrennt. Nach dem dritten Bier fallen die Hemmungen und auch der Respekt vor territorialen Grenzen. Gibt es auf dem Dach sanitäre Einrichtungen?
tpl - 19. Jul, 16:46

ad 1: bezweifle ich sehr stark.
wir interpretieren unsere umwelt nicht mit dem "animalischen Gehirn" sondern aus unserer Erinnerung an die Gewohnheit.
ad 2: das selbe wie zu 1.
Die Gebäude die damals als hässlich bezeichnet wurden, sind nun nicht mehr hässlich, weil sie einem vetrauten Stadtbild entstammen,und die auseinandersetzung mit neuen um einiges mehr verlangt, als sich bequem nur dem schwarz-weiss motiv hinzugeben.
ad 4. Die Mindesthöhen sind in der Bauordnung festgelegt, sozialer Wohnbau zeichnet sich damit aus, leistbar zu sein, und das ist mit den heutigen Baukosten nicht mehr einfach zu erreichen, vorallem weil die Baunormen immer strenger werden, und somit auch sehr hohe Kosten verursachen.
Dadurch muss überall eingespart werden, und Reduzieren von Höhe ist einfach ein Kostenfaktor.
Ob ein Haus hässlich ist oder nicht, hängt meiner Meinung nicht von der Fassade ab, sondern von gut funktionierenden Grundrissen, die Fassade ist dann meistens die folge dieser Grundrisse.
dieter (Gast) - 19. Jul, 19:14

1&2. Zweifeln sie auch an der Harmonielehre in der Musik? Aber, egal, nehmen wir an, der Mensch wäre ein unbeschriebenes Blatt, der ästhetisch beliebig umerzogen werden könnte. In einem freien Land haben die Menschen aber nunmal eine Fluchtmöglichkeit. Sie ziehen in den Speckgürtel und gewöhnen sich dann wohl an Einfamilienhäuser. Gerade wenn man Menschen in die Stadt ziehen will, dann sollte man das aktuelle, bequeme ästhetische Empfinden der Menschen ansprechen, egal ob es tw. angeboren oder anerzogen ist.

4. Dass der soziale Wohnbau kostenminimierend betrieben wird, sieht man. Die Zielgruppe kann es sich nicht aussuchen. Es ist irgendwie ironisch, dass die Bauherren der turbokapitalistischen Gründerzeit so viel Liebe zum Detail und Ästhetik bewiesen, während der soziale Wohnbau häufig mit der blinden Effizienz einer Hühnerfabrik betrieben wird. (es gibt Ausnahmen)

Für die Idee, dass die Fassade dem Grundriss folgen solle, scheint das obige Haus wohl ein gutes Beispiel zu sein. Anders lässt sich für mich die unregelmäßige und planlos erscheinende Platzierung der Fenster nicht erklären.
hope (Gast) - 19. Jul, 18:27

Über die Optik kann man streiten, aber die Dachterrassen finde ich gut. Statt dass ein paar Privilegierte die Aussicht genießen dürfen kann das ganze Haus aufs Dach, super!
Und ein paar kleine Schatten spendende Bäume anstatt Gestrüpp am Dach wären vielleicht mal eine Idee.
Gibts eigentlich etwas Neues bezüglich Swim & Bike City?

dieter (Gast) - 19. Jul, 19:55

Positives Beispiel

Damit ich hier nicht als Suderant auffalle, möchte ich mal auf dieses Objekt hinweisen. Moderne Architektur kann auch schön sein. Vor allem die abgerundete Grundform gefällt mir. Angeblich Umweltfreundlich. Geschäftslokale im Erdgeschoss, Büroetagen und Wohnungen im Dachgeschoss. So wird Verdichtung ansprechend gemacht.

Weiß jemand, was "Aktivstiegenhäuser " sind? Google findet keine zweite Verwendung dieses Worts.

CAT (Gast) - 20. Jul, 19:20

wirklich wahr, alles geschmacksache!! bin öfters an diesem ojbekt vorbei gefahren und fand ihn 'nicht besonders ästhetisch', um es milde auszudrucken!!!
untitled (Gast) - 21. Jul, 03:45

nachdem sie das hier vorgestellte gebäude so "zerissen" haben, hätt ich mir etwas mehr erwartet..

sonderlich aufregend/konsequent sieht "ihr" objekt nämlich nicht aus..
untitled (Gast) - 21. Jul, 03:46

aktivstiegenhäuser

ich geh mal davon aus, dass dies eine dieser wortschöftungen aus der werbebranche ist und in etwa soviel wie "helles stiegenhaus mit grünpflanzen" bedeutet..
Werner P (Gast) - 30. Jul, 21:33

Wunderschön

Das ist urbane Architektur, wie sie mir gefällt. Ich finde besonders die Idee mit der Dachterrasse sowie den kleinen Spazierwegen und Bänken einfach toll.

Generell denke ich, dass man in der Stadt viel mehr in puncto besseren Ausblick tun sollte. Selbst wenn man bloß gegenüber von diesem Haus wohnt, kann man sich schon als Gewinner bezeichnen, nur alleine wegen des farbenprächtigen Ausblicks.

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