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Öffitarife und Benzinpreis

Selten hol ich eine Grafik aus dem Archiv dieses eher jungen blogs.
Aber diesmal muss es sein.
Am Montag gibts dazu eine Anfrage von mir an den Bürgermeister.
Der Hintergrund:
Wenige Tage ists her, da überboten sich Medien und Politiker (fast) aller Fraktionen in Wehgeschreih über die hohen Benzinpreise.
Alle möglichen Forderungen wurden erhoben, einige auch umgesetzt, so die Erhöhung des Kilometergeldes, das die Steuerzahler berappen.
Hier brachte ich eine Grafik, die ich heute ausgraben muss.
vergleich_86_jetzt
Der Preis der Wiener Linien ist schon bisher deutlich stärker als der Benzinpreis gestiegen.
Und jetzt plant die Wiener SPÖ, die noch gestern laut über den ach so hohen Benzinpreis gejammert hat die nächste Erhöhung.

ruinierte "Freiräume" in Wien (1)

Das "aussen" des Hauses ist das "innen" der Stadt.
Schöner kann man nicht ausdrücken, dass der öffentliche Raum, die Strassen und Plätze, das "zwischen den Häusern" den Kern des Städtischen ausmacht.
Hier zeigt sich die Qualität einer Stadtplanung, bzw ihr Versagen.
In der Folge möchte ich einige Freiräume "begehen", die in erschreckender Weise zeigen, dass das "innen der Stadt" völlig ruiniert wurde.
Ausflug 1, mit der U3 zum Gasometer, und dann zu Fuss Richtung Kinocenter bzw zu einem der vielen Büros, die rund um die Gasometer aus dem Boden schiessen.

Uns so präsentiert sich dort der "Freiraum":

gasometer1_img

oder am Retourweg zurück zu U-Bahn

gaso2_img

alles Städtische wie Geschäfte oder Cafes sind drinnen.
Auf der Strasse beschleicht einen das Gefühl, irgendwie falsch zu sein.
Vorbei an Parkhäusern, abweisenden leeren Fassaden, versucht man möglichst rasch zu verschwinden.
Städtisches Leben wird hier nie entstehen.
Der öffentliche Raum ist privatisiert und nach innen in die "mall" verfrachtet.
Und auch die funktioniert schlecht.

danke Ölpreis!

Die häufig beklagten Steigerungen des Ölpreises habe auch segensreiche Auswirkungen.
Derzeit beginnt ein wahrer Boom bei Pelletsheizungen.
Nicht nur in Österreich.
Und ebenso wie bei der Solarenergie sind Österreichs Kesselerzeuger weltweit ganz vorne dabei.
Die Ursache dieses Booms liegt schlicht hier:

energiek_gr

Während noch vor wenigen Jahren eine Wärmeeinheit hergestellt durch einen Pelletsofen teurer war als die einer Ölheizung, kosten Pellets derzeit nur mehr die Hälfte.
Und wegen deutlicher Angebotssteigerungen am Pelletsmarkt ist deren Preis gar gesunken.

Jetzt müsste eine breit angelegte, politisch unterstützte Aktion die ca 900 000 Ölheizungen Österreichs rasch substituieren.
Wald haben wir genug (jedes Jahr wächst doppelt soviel zu, wie genutzt werden kann).

Und Österreich könnte sich auch am Weltmarkt als Erzeugerland für erneuerbare Energien positionieren.
Neben der ökologischen Frage geht es hierbei um viele tausend zusätzliche Arbeitsplätze.
Diese Chance gilt es jetzt politisch zu nutzen.

Für Interessierte hier eine Marktübersicht über Pelletsöfen

Solarenergie:Österreich führt, Wien ist Schlusslicht

Solarenergie boomt weltweit; und Österreich spielt ganz vorne mit.
Die Exporte österreichischer Solar-unternehmen wuchsen letztes Jahr um 37%, das Jahr davor um 41%.

Und Solarenergie zeigt auch eins:
Nicht "natürliche" Rahmenbedingungen, wie bes. die Sonneneinstrahlung bestimmen, wie stark Solarenergie eingesetzt wird.
Sonst müssten Italien oder Spanien weit vor Österreich liegen.
Das Gegenteil ist der Fall.
Österreich zählt mit Griechenland und Zypern (gemessen an Kollektorfläche pro Kopf) zu den Europameistern.

Ganz Österreich?
Nein, da gibts ein Bundesland das weit nachhinkt.
Welches wohl?
Wien ist absolutes Schlusslicht.

folie21

Das liegt aber nicht, wie man annehmen könnte daran, dass es in Wien nur mehrgeschossige Miethäuser gibt, wo es eben schwer sei, Kollektoren anzubringen.
In Wien gibt es 180 000 Ein-und Zweifamilienhäuser, viele ein-bis zweigeschossige Reihenhaussiedlungen, von den "Kleingärten" ganz zu schweigen.
Wäre Solarenergie ein politischer Schwerpunkt der SP-Stadtregierung, müsste die Bilanz ganz anders aussehen.
Auch auf den gemeindeeigenen Wohnhäusern oder auf flachen Gewerbedächern gäbe es ein riesiges Potential, z.B. auch für die Zukunftstechnologie solar cooling.
Hier werde ich mich nach der Wahl sehr bemühen, dass Wien einen Forschungs- und Anwendungsschwerpunkt setzt, da der Boom an Klimaanlagen ein Hauptverantwortlicher für den rasant steigenden Stromverbrauch ist.

Dass Österreich heute so weit vorne ist, verdanken wir Pionieren, die seit mehr als 2 Jahrzehnten nicht bloss reden und Grundsatzstudien schreiben, sondern anfangs mittels "Selbstbau" sehr viel umgesetzt haben.

An erster Stelle ist hier die Arbeitsgemeinschaft erneuerbare Energie zu nennen, die heute nicht nur in Österreich, sondern vom südlichen Afrika bis China an der Verbreitung der Solarenergie vorne dabei ist.

Wer mehr Interesse hat:


solid
sonnenkraft
Greenonetec

Worüber Schicker reden sollte

Verkehrsstadtrat schicker (doc, 24 KB) beklagt die Moral der Verkehrsteilnehmer.
Worüber er nicht spricht:
Die Autobahnprojekte (insbesondere die Lobauquerung) werden die Zersiedelung noch mehr ankurbeln, und noch mehr Autoverkehr in die Stadt pumpen.
Diese Autobahnen "erschliessen" erst periphere Gebiet am Stadtrand, und dann schiessen Einkaufszentren aus dem Boden.
Dorthin kommen dann 90% mit dem Auto, innerstädtisch kommt die überwiegende Mehrheit zu Fuß, mit den Öffis oder mit dem Rad.
Der Radverkehr wiedrum könnte eine echte Entlastung bringen, sein Anteil liegt in Wien aber bei bloss 4-5%, in München z.B. beim Dreifachen.
Und die Konflikte zwischen Radfahrern und Fussgängern hat die Planung zu verantworten, wenn wie z.B. am Rad-Ring-Rund völlig unübersichtlich Radwege und Fusswege ineinander übergehen.

4x ärger als die EU!

Es wird immer ärger, und die meisten schauen einfach weg.
Immer schwerere Autos, immer stärkere Zersiedelung, immer mehr Einkaufszentren und factory outlets, immer mehr leerstehende Geschäfte in der Innenstädten.
Und der Verkehr explodiert und damit die Abhängigkeit von Öl.
Besonders extrem die Entwicklung in Österreich: die Treibhausgase aus dem Verkehr wuchsen um 400% stärker als der EU-Schnitt.
Danke VCÖ für die Daten.
Hier die grafische Aufarbeitung:



co2_verkehr_einwohner2
Für grosse Ansicht, Bild anklicken!
Datenquelle: EU Kommission/VCÖ


co2_entwicklung
Für grosse Ansicht, Bild anklicken!
Datenquelle: EU Kommission/VCÖ

und soetwas nennt die Regierung dann "Umweltmusterland"

Wien: 3 x Schlusslicht

Neue Jobs wählen, plakatiert die Wiener SP und meint sich selbst.
Die Job-Bilanz Wiens (verglichen mit den andern Bundesländern) der letzten 10 Jahre ist beschämend.

1.) Nirgendwo in Österreich ist die Arbeitslosigkeit so hoch wie in Wien
(Wien: 9,8% - Ö Schnitt: 7,1%)

2.)Nirgendwo in Österreich ist die Arbeitslosigkeit (1995-04) stärker als in Wien gestiegen (Wien:2,5% - Ö Schnitt:0,5% - Wachstum in Prozentpunkten)

3.)Nirgendwo in Österreich ist die Wirtschaft (gemessen in realer Bruttowertschöpfung) langsamer als in Wien gewachsen
(Wien:1,4% - Ö Schnitt:2,1%),Zeitraum 95-03.

"Gut verwalten" sollte ein bisschen mehr sein, als den Müll ordentlich wegräumen.

radrettung

radrettung4
Im Wiener Wahl-Herbst überall anzutreffen: Die Rad-Rettung der
Grünen. MechanikerInnen der IG-Fahrrad checken im Lazarett-Zelt
gratis Räder auf Herz + Tretlager. Service, Einstellungen und
kleine Reparaturen werden prompt erledigt, zusätzlich gibt's Infos
und Beratung rund ums Rad in der Stadt.
(In Mariahilf übernimmt die Firma Ciclopia den Rettungseinsatz.)

die Radrettung findet ihr hier

ORF Zentrum:Runter vom Berg?

Achtung schwieriges Thema.
Normalerweise nix für einen Wahlkampf.
Schwierig weil nicht schwarz-weiss, gut-böse, sondern wie vieles in der Welt irgendwo dazwischen.
Also versuchen wir trotzdem eine öffentliche Debatte:
Das ORF Zentrum am Küniglberg, von Roland Rainer geplant und Anfang der 70er Jahre gebaut, braucht, weil in die Jahre gekommen eine Generalsanierung.
Beachtliche 50 Mio Euro soll das nach ersten Schätzungen kosten, wer sich mit Bauen auskennt ahnt, dass es schliesslich noch teurer wird.
Jetzt ist die gute, richtige Frage aufgetaucht, ob es nicht sinnvoller wäre, statt (von wegen ORF "Zentrum") "am Rande dert Stadt", am Küniglberg sehr viel Geld zu investieren, in einer Zeit veränderter Fernsehlandschaft einen Neubau wirklich innerhalb der Stadt zu versuchen.
Ich halte das für eine interessante Idee, drum hier einmal Argumente, was dafürf spricht, den ORF zu "urbanisieren".
.) Es ist ja in der Tat merkwürdig, den Arbeitsplatz von rund 2000 Menschen irgendwo an die Peripherie zu verlegen, wo ausser ein paar wirklich Tapferen, die Mehrheit mit dem Auto fährt, weil bloss verhungerte Busse sich dorthin verirren.
Soetwas gehört in die Nähe einer U-Bahn Station gebaut.
.) Noch merkwürdiger ist, dass diese 2000 Menschen mit der Stadt kaum etwas zu tun haben, weil rundherum, ausser sehr teuren Villen, kaum "Stadt" ist.
Kein Kaffehaus, nix zum Einkaufen, kein Ort sich zu treffen (eigentlich wichtig für Journalisten und Fernsehmacher); Folgerichtig gibts drinnen "im Zentrum" die Stadt ikn der Stadt:ein Geschäft, ein kleines Reisebüro gar, die Kantine, Bankomat, alles, was man so braucht.
Nur nicht mit der Stadt in Berührung kommen.
.) Dabei, und das ist mein wesentlichstes Argument für eine "Urbanisierung", wären diese 2000 Menschen und die vielen Besucher eine riesige Belebung jedes Stadtviertels
.) Dann zur Geschichte und zur Veränderung der Rolle des ORF (ein heikles Thema): als es geplant wurde, war es DIE mächtige Monopolanstalt.
Am ORF konnte niemand vorbei, es gab keine Konkurrenz, er beherrschte sinnbildlich, wie die Burg über der Stadt, Wien.
Heute ist das anders:
Auch im Fernsehn herrscht Wettbewerb, der ORF-Anteil ist auf 40% gefallen, Tendenz weiter fallend (was auch mit seiner derzeitigen Führung zu tun hat, das aber ist eine andere Geschichte)
Architektur drückt diese Herrschaftsfunktion auch aus.
Kein Besucher kann sich frei im ORF Zentrum bewegen. Zu verschlungen sind seine Wege, ohne "Führung" findet man niemanden.
Von wegen "Bürgernähe".
Alles spricht aus diesen Gründen dafür, an einem "urbanen" Standort den ORF für eine neue Zeit eine neue Gestalt zu geben, und ein Umfeld von Geschäften Restaurants, Kaffehäusern, schlicht "die Strassen" zu beleben.
Ums gleich konktret zu machen zwei denkbare Standortvorschläge (es gibt sicher mehrere):
Wien Mitte, (U4, U1, Schnellbahn, rundherum die Landstrasse, der Belebung gut täte)
oder als Leitprojekt rund um den neuen Zentralbahnhof (U1, Schnellbahnen, Züge für die vielen die im Süden Wiens wohnen)
Es gibt aber auch berechtigte Einwände:
Was tun mit Roland Rainers Bau?
Der Umgang mit Anton Schweighofers Stadt des Kindes zeigt, was passiert, wenn man sich solches nicht vorher überlegt?
Diese Frage ist alles andere als leicht zu beantworten.
Eine sorgfältige Untersuchung über sinnvolle (und finanzierbare) Nutzungsvarianten gehört auf den Tisch.
Ein weiterer Einwand:
"Der Küniglberg" ist eine starke Marke, "landmark" obendrein;
soetwas aufzugeben, da muss es starke Gründe geben (ich glaube, es gibt sie).
Alles in allem eine spannende, notwendige städtebauliche Debatte, in der nicht zuletzt auch jene 2000 Menschen einbezogen werden sollten, die dort arbeiten.
In diesem Sinne, Wahlkampf ist, debattieren wir drüber.

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