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Radverkehr schlägt alles

hab vor wenigen Stunden das auf facebook gepostet:

Chorherr hat morgen Freitag die Ehre zwischen 12.00 und 13.00 bei Radio Wien zum Thema "Radfahren in der Stadt" zu Gast zu sein; mir fällt mehr ein, als ich in einer Stunde unterbringen könnte; bin trotzdem an Vorschlägen sehr interessiert.

und dann ging´s los

Volker Plass am 07. Mai um 17:11
Bitte sag mindestens einmal: »Fahrraddiebe sind Arschlöcher!«

Christoph Chorherr am 07. Mai um 17:12
hams Dir das Radl g`stohln?

Christian Hiel am 07. Mai um 17:17
Eine Ring und eine Gürtelspur exklusiv für die Radler!
Damit sich FussgängerInnen und Radfahrerinnen nict in die Quere kommen müssen!

Hikmet Kayahan am 07. Mai um 17:20
und sag auch, dass ich ne premie von 2.500,- haben will fürn neurad-kauf! so!

Reetta Karjalainen am 07. Mai um 17:31
@ hikmet: ja, die idee ist mir auch schon gekommen! abfrack-prämie und dafür kein neuwagen sondern ein neufahrrad kaufen, das wär mal ein fortschritt, zumal die folgen dieser prämie in deutschland ganz katastrophal sind!!

Christian Hiel am 07. Mai um 17:35
Oder für alle die ihr Auto zurückgeben kriegen für jedes Haushaltsmitglied ein Fahrrad eigener Wahl!!!

Reetta Karjalainen am 07. Mai um 17:38
@ volker: und rücksichtslose autofahrer auch!! die haben ja eine knautschzone, meine kinder und ich auf dem fahrrad nicht!! grmpf!
@ christoph: danke, dass du dich dieses themas annimmst! ich glaub, du weißt eh, was fehlt: toleranz/bewusstsein bei autofahrern, aufwertung der radfahrer, weil sie die umwelt schützen und eine stadt mit weniger autos ... Mehr lesenauch sonst mehr lebensqualität und sicherheit für alle bringen. ach ja: und ausbau eines INTELLIGENTEN radfahrnetzes, damit man etwas besser vor den autos geschützt ist und nicht ganz so viel angepöbelt wird... THANX. :)

Niki Macke am 07. Mai um 17:45
Musterbeispiel Chicago: Radgaragen samt Spind und Dusche in der Innenstadt. (Aber: Wien darf ja nicht Chicago werden....)

Tex Rubinowitz am 07. Mai um 17:49
ich bin auch Radfahrer, winters wie sommers, was mich mal interessieren würde, warum Radfahrer die rücksichtslosesten Verkehrsteilnehmer sind, was ist das für eine Wut, die sie an Fussgängern zB ablassen müssen, weg abschneiden, erschrecken. ich hab noch keinen Autofahrer erlebt, außer Taxifahrer, ok, die sind nur frustriert, das muss irgendwie ... Mehr lesenraus, der so aggressiv und selbstherrlich im Verkehr unterwegs ist, woran mag das liegen? Ich vermute, dass ist eine Art Raubrittermentalität, weswegen berittene Polizisten auch so einschüchternd sind, daher kommt das, ist ein Psychologe im Haus?

Anna Jeller am 07. Mai um 17:52
@ tex:danke ;-)

Reetta Karjalainen am 07. Mai um 17:57
@ tex: also ich hab da immer wieder ganz gefährliche situationen mit agressiven autofahrern gehabt, die mich mit heulendem motor viel zu knapp überholen nur, damit sie 10 m weiter an der roten ampel erst wieder stehen bleiben müssen. solche radfahrer, wie du hab ich widerum nicht getroffen, ist aber natürlich auch nicht ok, das stimmt schon...

Sandra Gerö am 07. Mai um 17:59
@tex: ja, so ein durchschlängeln, so ein "ihr macht euren verkehr und eure regeln, das gilt für uns nicht", aber die aggression ist schon bei den autofahrern auch arg in wien, reih dich mal wo falsch ein und die lynchjustiz naht - keine frage, dass sich das überträgt. so aus der vergleichenden psycho-sicht mal gesprochen.

Tex Rubinowitz am 07. Mai um 18:02
am Ring spielt sich tagtäglich eine richtige Menschenhatz ab, da werden die Touristen gejagt und aus dem Weg geklingelt, direkt peinlich, und die Hobbyfahrer machens den Radboten nach, offenbar in Bewunderung

Helge Fahrnberger am 07. Mai um 18:05
Jede Einbahn aufmachen, Mehrzweckspur auf jeder Straße, Fahrspur am Ring, Querungen des ersten Bezirks, Mariahilferstraße nur für Öffis/Taxis/Lieferanten/Radfahrer, kostenlose "Ich bin ein Auto weniger"-Kotflügel-Sticker für alle Radfahrer.

Reetta Karjalainen am 07. Mai um 18:12
@ helge: ja, bin dabei, ich will auch so einen sticker!! :))
@ tex: grad am ring gibt's doch eh einen rad- und einen fußgängerweg, vielleicht sollte man den radweg noch deutlicher kennzeichnen? wenn mans eilig hat, sind die vielen touristen auf dem radweg schon nervig, ich klingel da auch, aber dazu lächle ich freundlich, zeig auf das radweg-schild... Mehr lesen und fahr vorsichtig weiter... ich glaub ich bin in anbetracht der umstände relativ unpeinlich...außerdem kann ich einige fremdsprachen, die kommen da auch ganz gut... ;)

Florian Holzer am 07. Mai um 18:15
kann tex nur beipflichten: radfahrer fühlen sich vogelfrei, mit allen vor- und nachteilen. nachteil unter anderem, kein gefühl für verantwortung und oftmals auch für realität zu entwickeln. die "platz da, jetzt komm ich"-, und "meine spur ist meine spur"-mentalität ist sehr oft stärker ausgeprägt als bei autofahrern. meine theorie: überproportional viele junge männer, die ihr fahrrad-fahren außerdem als revolutionären, kämpferischen akt verstehen ...

Dagmar Gordon am 07. Mai um 18:15
@Tex: Danke! Ich find Radfahren per se auch super, aber DIESE Sorte Radfahrer für die keine Regeln gelten (vor allem keine roten Ampeln beim Zebrastreifen) macht mir auch das Leben schwer.

Helge Fahrnberger am 07. Mai um 18:44
Ich oute mich mal:

Ich bin Radfahrer (Auto verkauft) und halte mich an viele Regeln nicht. Ich bleibe bei roten Ampeln nicht stehen, wenn ich durch mein Weiterfahren niemanden gefährde oder erschrecke. Ich halte mich zb. nicht an Einbahnen. Ich gehöre aber nicht zu den Fußgänger- und Touristenschrecks am Ring.

Die meisten Regeln sind für (und vor allem: gegen) Autos gemacht. Wegen Radfahrer bräuchte es keine Ampeln, keine Einbahnen. Die Gründe, warum solche Regeln auch für Radfahrer gelten sind a. um sie vor Autos zu schützen (danke, ich passe selber auf) und b. weil Ausnahmeregelungen zu schwer zu beschildern wären.... Mehr lesen

Zudem benütze ich das volkswirtschaftlich und städeplanerisch wünschenswerteste Verkehrsmittel.

Kurz: Ich sehe nicht ein, warum ich mich, solange ich niemanden gefährde an diese Auto-Regeln halten sollte.

Warum regt das die Leute so auf? Meine Vermutung: Die Freiheit des Radfahrers ist für Autofahrer schwer mitanzusehen. Neid.
r
Florian Holzer am 07. Mai um 19:05
nun ja, für mich sieht das ein bisschen nach selbstüberschätzung aus. proportional zur menge der radfahrer sterben in österreich mehr radfahrer als in dänemark oder china ...

verkehr klappt nur mit regeln, und wenn man erwartet, dass sich nur autofahrerinnen und autofahrer dran halten, funktioniertdas system grundsetzlich nicht, das ist bei systemen einfach so ...

Reetta Karjalainen am 07. Mai um 19:10
@ helge: ich kann mich dir nur vollinhaltlich anschließen. selber bin ich gerade mit kindern extrem darauf bedacht, alle verkehrsregeln einzuhalten, auch schon, weil es im fall eines unfalls sonst sicher gegen mich ausgelegt würde. und ja: es sind nicht nur die verkehrsregeln, auch vieles andere in unseren köpfen ist für autofahrer gemacht (das ... Mehr lesenzeigt ja auch dieses sofort auf-die-schlimme- radfahrer-schimpfen gezeigt hier, bitte leute, seht eure kritik auch mal in relation zu den tatsächlich passierenden unfällen mit verletzten/toten fußgängern... ich glaub die sind eher von autos überfahren worden!!), die autolobby ist nach wie vor sehr dominant, höchste zeit, dass sich das ändert.

Florian Holzer am 07. Mai um 19:28
liebe reetta, man macht seine argumente nicht schlagkräftiger, indem man besitzer anderer ansichten als mitglieder der autolobby bezichtigt. damit macht man sich höchstens lächerlich. die zahlen der von autos getöteten fußgänger steht hier nicht zur debatte, die dramatisch steigenden unfallzahlen von radfahrern aber schon.

Helge Fahrnberger am 07. Mai um 19:38
Lieber Florian, man macht seine Argumente aber auch nicht schlagkräftiger, in dem man wie du "funktioniert grundsätzlich nicht, ist einfach so" argumentiert. Kann dir aus Erfahrung sagen: Das funktioniert prächtig.

Reetta Karjalainen am 07. Mai um 19:38
lieber florian, ich habe nur gesagt, dass die autos sehr dominant sind, wenns um meinungen und regeln geht. ich bezichtigte niemanden hier, ein autolobbyist zu sein, nur um das mal klarzustellen, ich denke nur, dass diese dominanz eben ihre auswirkungen (auch auf mich) hat. danke, dass du die verunglückten radfahrer auch zur sprache bringst, das ist alarmierend, kann aber nicht allein darauf zurückgeführt werden, dass radfahrer undiszipliniert o.ä. fahren.

Jakob Fuerst am 07. Mai um 19:59
verunfallte radfahrerinnen: optimaler schutz (zb durch erhöhte radwege statt radfahrstreifen, die nur durch eine sperrlinie vom rest der fahrbahn getrennt sind).
für alles andere: eigenverantwortung als grundprinzip! soviel vertrauen muss die politik in ihre bürgerinnen schon haben. ich seh nicht ein, in der nacht bei einer kreuzung mit vier grünen... Mehr lesen zebrastreifenampeln stehen bleiben zu müssen.
und: smile and lean back - niemand braucht niemanden anschreien, anhupen, anklingeln. dann klappt das auch mit der rücksicht besser.
lg von einem jungen mann, der sein fahrradfahren als revolutionären, kämpferischen akt versteht ;)

Florian Holzer am 07. Mai um 20:09
apropos in der nacht fahren: beleuchtung wär zum beispiel cool. ich mein, von mir aus sollen radfahrer vermummt fahren, wenn sie nicht erkannt werden wollen und damit gegen das establishment protestieren wollen, fein. aber licht wär – vor allem bei den urbanen kampf-bikern – irgendwie sozial und fair, find ich.

Helge Fahrnberger am 07. Mai um 20:13
@Florian: Auch wieder so eine Sache - ein unbeleuchteter Radfahrer gefährdet (im Gegensatz zu einem unbeleuchteten Autofahrer) in der Regel nur sich selbst.

Klingt alles etwas nach dem Neid eines Autofahrers, der sich ärgert, dass sich Leute über Regeln hinwegsetzen, an die er selbst sich halten muss.

Christoph Chorherr am 07. Mai um 20:31
no sevas
soeine Debatte hab ich nicht erwartet.
Werd morgen dem Moderator sagen, dass er mir mal für 5 Stunden das Mikro überlassen soll.
Helges Vorschlag Sticker. "ein Auto weniger" wirds geben.
Das machma.

Fortsetzung gewünscht?

Über den Unterschied zwischen einer Partei und einer Kirche

Dank an Martin für diese wichtigen Überlegungen:

Als Grüner bin ich sehr dankbar für diese "Mitarbeit" und freu mich über eine Debatte darüber.
Denn unsere sehr müde und zynisch gewordene Demokratie hats mehr als nötig darüber nachzudenken, was denn "Parteien" eigentlich sein sollen, wie sie sich reformieren sollten, und welche Rolle engagierten "Wählern und Wählerinnen" zukommen kann.
Ja, wer, wenn nicht wir als Grüne sollten diese notwendige aber auch schwierige Diskussion führen.

Edit:
Danke ebenso an Jana für diesen Beitrag


Edit2:
Noch ein sehr lesenwerter Beitrag

Mythen über Migration

Ratio ist immer "dem gesunden Hausverstand" vorzuziehen.
Deswegen ist das sehr zu empfehlen.

Gemeinwohl aus Eigennnutz

Was kommt nach der Gier?
Die Wirtschaftskrise, hier bin ich Materialist, wird auch die Leitwerte unserer Gesellschaft verändern.
Diese Debatte beginnt erst.

Sehr lesenswert sind diese Gedanken von Peter Sloterdijk jüngst in einem falter Interview.
Hier einige Kernsätze, die mir sehr wichtig erscheinen.

Sloterdijk: Das Wort „change" ist das Schlüsselwort zu Obamas Erfolg gewesen. Man könnte sagen, Obama hat den Imperativ „Du musst Dein Leben ändern" ins Euphorische übersetzt, sodass nicht mehr von „müssen" gesprochen wird, sondern vom „können" - „wir können das". Das war ja das Genialische an dem Slogan „Yes, We Can". Die Amerikaner wollen lieber können als von einem Müssen überwältigt zu werden.



Kommt jetzt der alte, verstaubte Begriff „Gemeinwohl" zurück?



Sloterdijk:
...
Wenn wir beweisen, dass wir das Eigene und das Fremde systematisch falsch unterscheiden, weil wir zu klein definierte Egoismusformate haben, so würde daraus folgen, dass wir ein größeres inklusiveres Eigenes schaffen müssen - nicht aus Idealismus, sondern aus wohlverstandenem weitsichtigem eigenen Interesse.

teacher

mein aktueller Pressekommentar über eines meiner Lieblingsblogs, teacher


Er heisst schlicht teacher.
Seinen wahren Namen hält er geheim.Wahrscheinlich mit gutem Grund.
Trotzdem hab ich das Gefühl, ihn sehr gut zu kennen.
Denn ich lese seit Jahren mit grösstem Interesse sein Tagebuch.
Das heisst bezeichnenderweise: niemehrschule.
Darin erzählt er mit Leidenschaft, grosser sprachlicher Ausdruckskraft und vor allem einem ungeheuer scharfen Blick aus seinem Alltag in der Schule.
Eine Pflichtlektüre für alle, die an Jugendlichen Interesse haben, über Schulreformen nachdenken, eine Pflichtlektüre vor allem für jene, die Schulpolitik machen.
Es würde mich übrigens sehr interessieren, ob Ministerin Schmied oder Herr Neugebauer einmal hineingelesen haben.
Teacher erzählt von Kern dessen, was Schule immer sein wird: Dem konkreten Alltag von Schülern untereinander und den Beziehung von Lehrern zu Jugendlichen. Seine Geschichten verführen manchmal zum Lächeln, machen nachdenklich, stellen auch bisher Geglaubtes in Frage.

Eine Kostprobe:

Kontrollfrage an die 12-jährigen:
"Was wird denn in einem Hüttenwerk hergestellt?"
Nachdenkpause.
"Hundehütten?"
"Neee ..."
"Skihütten?"
"Sicher ... nicht!"
"Gibts Katzenhütten?"
"NEIN!"
"Ich habs: Gartenhütten!"
"Aaaah!"

Sie geben auf:
"Sagens Sie's schon!"
"Eisen."
"Das ist fad."

Das Schöne an seinem Tagebuch. Man kann es nicht nur überall lesen, wo es einen Internetanschluss gibt, man kann auch Fragen stellen, und mit ihm und anderen Lesern diskutieren.
Kürzlich habe ihm zu seinen Beobachtungen gratuliert, und doch einen kritische Frage stellen müssen.Warum aus seinen Beiträgen so oft ein Hauch von Larmoyanz durchklingt, der mir bei vielen Lehrern auffällt. Seine Antwort ist zu lange für diese Kolumne. Er hat dann über seine Vision von Schule geschrieben (hier bloss paar Sätze daraus):

„Schulen sollten vielfältige Lerngelegenheiten fürs Leben bieten, also Trainingsplätze fürs Leben sein (wo sportliche Leistungen und Regeln akzeptiert werden).
An meiner Schule gibt es nur wenige KollegInnen, die sich an solche Änderungen herantrauen - das wären Exkursionen in unbekannte Länder, manche mögen das, andere fürchten sich. Verständlich.
Bildungsreformen müssten daher bei den Lehrern anfangen.
Ich möchte einfach mit Kindern die Welt entdecken, gerne auch 8 Stunden pro Tag.“

So könnte Schulreform glücken:
Drückt sie einfach den „teachers“ in die Hand.
Zum Nachlesen

Nachtrag:
Weil ich hier auf meinem blog kein Platzproblem habe, teachers Vision in voller Länge:

Lieber cc,
Ich freue mich, dass ich ehrliches Interesse hinter deínen Fragen spüre. Das geht mir in der Politik (auch bei meinen eigenen Standesvertretern) ab, da wird oft nur mehr Taktik und Kalkül spürbar. Die letzten Verhandlungsergebnisse zeigen das - NULL Fortschritt.

Wie schaut meine klare Vision aus?
Heftige Frage.
Offen gesagt, ich habe noch kein rundes, fertiges Bild von einer guten Schule der Zukunft zusammenstellen können. Und wenn ich klare Eckpunkte formuliere, dann höre ich schnell Gegenargumente, die auch nicht vom Tisch zu wischen sind. Ich fürchte: Die eine gute Schule gibt es nicht. So wie es nicht das gute Lebensmittel oder das gute Auto gibt.
Schlussfolgerung: Es sollte eine große Vielfalt von Schulen geben. (Daher auch meine Skepsis gegenüber der Gesamtschule)

Ich könnte hier ein paar wesentliche Punkte aufzählen, die unsere jetzigen Dilemmata verringern würden. Z.B. dürfen Lehrer nicht gleichzeitig Prüfer sein. Z.B. dürfen wir nicht Kompetenzen und Fähigkeiten trainieren aber letztlich Stoff (z.B. bei der Matura) abprüfen. Z.B. müssen Lehrer und Schüler, die mehr leisten wollen, Anerkennung finden. Z.B. müssen alte Fächertrennungen aufgehoben werden. Z.B. müssen Schulbücher für jeden einzelnen durch Arbeitsmaterial für alle (Klassen) ersetzt werden. Z.B. muss eigene Zeit für Kommunikation, Soziales und Erziehung eingeplant werden. Z.B. sollten Medienwerkstätten so selbstverständlich sein wie Physiksäle. Z.B. sollte jeder Lehrer lebenslang an der Uni immatrikuliert bleiben und fortgebildet werden etc.

Aber eine Vision sollte ja per definitionem in einem "Slogan" zusammenfassbar sein: Schulen sollten vielfältige Lerngelegenheiten fürs Leben bieten, also Trainingsplätze fürs Leben sein (wo sportliche Leistungen und Regeln akzeptiert werden).

An meiner Schule gibt es nur wenige KollegInnen, die sich an solche Änderungen herantrauen - das wären Exkursionen in unbekannte Länder, manche mögen das, andere fürchten sich. Verständlich.

Bildungsreformen müssten daher bei den Lehrern anfangen. Investiert in die Aus- und Weiterbildung der Lehrer, gebt Ihnen Karrieremöglichkeiten, deckt sie mit allen möglichen Lernmedien zu. Es ist eine Schande, wenn wir um Materialien fürs Offene Lernen betteln müssen (vergeblich), wenn Lehrausgänge daran scheitern, dass keine Fahrkarten für die Öffis vorhanden sind, dass wir kein Druckpapier oder keinen Toner bezahlen können ...
Lagert die Verwaltung aus (dafür sind wir zu teuer und nicht kompetent) und durchforstet die Gesetze. Ich möchte einfach mit Kindern die Welt entdecken, gerne auch 8 Stunden pro Tag.

vom trägen Fluss des Jammerns und Zeterns.

Das ist eine sehr schöne, lesenswerte Begründung für die Grüne Vorwahlen.Vielleicht gelingt es vielen, "sich nicht vom trägen Fluss des Jammerns und Zeterns hinwegspülen zu lassen" sondern Politik, diese schwierige, sperrige öffentliche Sache ein wenig zur eigenen zu machen.

Was Politik bei der Windenergie (nicht) kann

Vor ein paar Tagen gabs hier eine Grafik über die völlig unterschiedlichen Entwicklungen der Sonnenenergie in verschiedenen Ländern.
Etliche haben nachgefragt, wie es bei der Windenergie aussieht.
So: (aus österr. Sicht beschämend)

WindkraftRanking

WindkraftRanking1
vergrössern? anklicken!

Mehr zu diesem Thema im guensblog

Social Entrepreneur

über diesen Artikel im Wochenendstandard hab ich mich sehr gerfreut.

Unternehmerisch über Soziales denken

Der Non-Profit-Sektor probiert neue Begriffe und Denkmuster zur Entwicklung: "Social Entrepreneurs" und "soziale Investitionen" sind der Versuch, von ökonomischen Denkmustern zu profitieren.

Helmut Spudich

ableitinger
Foto:Ableitinger; Was sie hier auf diesem Bild machen? Das!

Wien - Der Wiener Grüne Christoph Chorherr ist, in der modernen Denke des Non-Profit-Sektors (NPO), ein serieller "sozialer Unternehmer". Vor einer Dekade gründete er (ehrenamtlich) zusammen mit anderen die Walz, eine alternative Bildungseinrichtung oder altmodisch gesagt: eine Privatschule. Und weil es Unternehmern langweilig wird, wenn sie lange nichts Neues unternehmen, folgte Anfang 2008 ein weiteres Projekt, das Ithuba Skills College.

Salopp formuliert ist Ithuba eine Art Walz, ein Alternativschulprojekt, nur in ein Township bei Johannesburg in Südafrika verlagert. Und mit einem Twist, der für die hiesige Bildungslandschaft relevant ist: Die Schulgebäude werden von Architekturstudenten mit Unterstützung ihrer Professoren entworfen, errichtet und finanziert. Das geht dann so: Eine Architekturfakultät wie die FH Kärnten, die TU Graz oder die Technischen Hochschule Aachen baut Ithuba in ihren Ausbildungsplan ein; die Studenten entwerfen ein an die Bedingungen des Standorts (gestalterisch, klimatisch, örtlich verfügbare Baustoffe, Finanzierung) angepasstes Projekt zur Erweiterung von Ithuba um einen Klassenraum oder eine Gemeinschaftseinrichtung. Schließlich fliegen Studentinnen und Studenten, häufig auch ihre Professoren, nach Johannesburg, um mit ihrer Hände Arbeit die Entwürfe zu realisieren.

"Social Entrepreneurship" und "Social Investment" sind zwei aktuelle Schlagworte der Non-Profit-Arbeit, mit denen sich eine Tagung des NPO-Instituts der WU Wien (Leitung: WU-Professorin Ruth Simsa) vergangenen Montag beschäftigte. Chorherrs Ithuba-Projekt ist ein Beispiel für beides: einerseits eine von einem "Unternehmer" (statt traditionellen Non-Profit-Vereinen) entwickelte "Geschäftsidee". Andererseits das Denken in Investitionen anstatt traditionellen Spenden: Studenten investieren in Ausbildung, Unterstützer in den Aufbau eines Bildungsprojekts in einer benachteiligten Region der Welt. Sozialunternehmer Chorherr bündelt sein Anliegen in ein verkaufbares Produkt statt in den Appell, "Armen" Almosen zu geben: "Die Studenten zahlen Flug und oft bis zu 3000 Euro, nur damit sie noch ihre Arbeitskraft einsetzen dürfen", spitzt er es zu. Oder wie vor kurzem ein Manager, dem Familie und Freunde zum 50. Geburtstag eine Schulklasse "schenkten" - eine Investition in fünfstelliger Höhe.
"In das Gute investieren"

"Soziale Investitionen" seien als neue Bezeichnung, aber auch als neues Denken in den vergangenen Jahren im NPO-Sektor eingezogen, sagt Michael Meyer, Leiter der WU-Abteilung Nonprofit-Management. "Kapitalgeber investieren in das Gute, um daraus einen ,sozialen Return on Investment' zu erhalten", beschreibt er die Übertragung eines ökonomischen Denkprinzips auf den sozialen Sektor.

In einem Bereich, in dem "wie nirgendwo sonst so viel über Geld gesprochen wird, weil es keines gibt", herrscht gegenüber solchen Denkmustern Widerstand. Manche sehen darin eine Kaschierung des "Rückzugs des Sozialstaates", aber Andreas Schröer vom universitären Heidelberger Centrum für soziale Investitionen und Innovationen widerspricht: "Es ist dies eine Chance, dass der dritte Sektor von seiner negativen Selbstdefinition wie Non-Profit oder Non-Government wegkommt", sagt er.

Statt ständig von Kosten zu reden, also einem Aufwand, der den sozialen Sektor unterschwellig immer als Belastung für die Gesellschaft und ihre "produktiven" Bereiche darstellt, wird von Investitionen in späteren sozialen Gewinn gesprochen. "Soziale Investitionen sind Beiträge zum Gemeinwohl der Gesellschaft", definiert Schröer. Das Geld dafür komme überwiegend aus privaten, freiwilligen Zuwendungen - aber auch öffentliche Stellen können mit dem Investitionskonzept arbeiten, da es den Blick auf den "Return" schärft.

"Zwischen klassischer NPO und Businessunternehmern ist die Welt sehr bunt", schlägt Meyer einen pragmatischen Umgang mit "sozialer Unternehmer" und "sozialer Investition" vor. Das können Einzelpersonen ebenso sein wie Unternehmen, die (auch mit öffentlicher Förderung) im sozialen Sektor tätig sind, bis zu Unternehmen, die einen Teil ihrer Erträge in soziale Aufgaben investieren. Das neue Denken: "Es gibt ein Kontinuum zwischen sozialer und wirtschaftlicher Wertschöpfung."

Der Korrektheit wegen, und um nicht mit fremden Federn geschmückt zu werden, möchte ich präzisieren, dass die w@lz von Renate Chorherr gegründet wurde, ich unterstützend dabei war und bin.

Wen soll ich wählen?

eu

interessanter, lehrreicher Test

ähnlich wie die bekannte Wahlkabine

Was Politik bei der Sonnenenergie (nicht) kann

Politik kann für eine sinnvolle Entwicklung attraktive Rahmenbedingungen schaffen.
Oder sie kann es eben nicht.
Wobei man das Wort "können" auch durch "wollen" ersetzen kann.
In Österreich kann/will sie offensichtlich nicht.
Wie nachfaolgende Grafik zeigt, welche die Entwicklung der Zukunftstechnologie Sonnenernergie (genauer hier Fotovoltaik, also Stromerzeugung) im Jahr 2008 zeigt:

pv11

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