Wähernd Ewiggestrige wie Berlusconi wegen der hohen Ölpreise von der Atomenergie
schwafeln
bietet das kommende Wochenende mit dem
Tag der Passivhäuser eine wunderbare Gelegenheit, diese Technologie einmal sinnlich zu erleben.
Mir selbst ist es auch so gegangen.
Solange mir das nur erklärt wurde, hab ich es kaum verstanden.
Erst als ich die Möglichkeit hatte, selbst verschiedene Passivhäuser zu
erleben, bin ich wirklich überzeugt:
Ein Haus, das eine Heizung braucht, hat einen Bauschaden.
Die Zukunft heisst weder Öl noch Atom, sondern intelligente Technik.
Deswegen:
Einfach bei einer der vielen Exkursionen teilnehmen.
Programm:
hier
Ein grosses Lob für die "Gastochter" der Wienenergie.
Sie haben offensichtlich erkannt, dass man selbst Alternativen zu Erdöl aber auch Erdgas entwickeln muss.
Und da gibt es eine "Technologie" einen "Energieträger", der heute schon verfügbar ist und der eine grosse Zukunft hat:
Biogas.
Aus Tierexkrementen, Abfalldeponien, Kläranlagen, aber ebenso aus diversen Pflanzen wird heute schon Biogas hergestellt.
Und jetzt errichtet Wienenergie (und dem gilt mein Bravo) eine Biogasanlage, sowie eine Reinigunsanlage, um das erzeugte Gas ins Erdgasnetz einzuspeisen.
An Tankstellen (gibts heute schon, wenn auch noch an viel zu wenigen Standorten) kann dann Erdgas getankt werden.
Zunehmend mehr Autos bieten das an.
Die Kosten des Treibstoffs sind schon heute geringer als Benzin oder Diesel aus Erdöl.
Schweden (wo viele Busflotten mit Biogas betrieben werden), aber auch die Schweiz zeigen vor, dass all das wirtschaftlich und technisch längst möglich ist.
In Italien fahren bereits mehr als 300 000 Autos mit Erdgas
Und die Potentiale von Biogas sind ebenfalls beträchtlich:
Allein in Österreich könnten 27% der im Strassenverkehr verfahrenen Treibstoffe substituiert werden.
Viele Details dazu gibts in der heute präsentierten
ausgezeichnete Studie des Umweltbundesamts
findet man selten in österreichischen Medien:
Es wird nicht "über die Ausländer" geschrieben, sondern kompetente Personen, die aus ihrem eigenen Arbeitsfeld bzw ihrer Lebenswelt die Situation genau kennen, finden publizistisch Raum - auch kontroversiell - zu diskutieren.
Danke an den falter für
dieses Gespräch.
Mehr davon!
Viel gäbe es zu den eskalierenden Ausschreitungen in Frankreich zu diskutieren.
Meine Hauptthese: Es geht nicht primär um die leidige Frage In-oder Ausländer.
Eines liegt für mich sonnenklar auf der Hand, wird aber nirgendwo angesprochen:
Die fatalen Fehler der Stadtplanung.
Was ist in Paris und in anderen Städten in den letzen vier Jahrzehnten geschehen?
An den Stadträndern wurden riesige "Sozialwohnungen" errichtet, und dann ein fundamentaler Fehler gemacht.
Statt auf das wesentliche jeder gedeihlichen Stadtentwicklung zu setzen, einer sozialen Durchmischung, wurden in diesen "Sozialwohnungen" nahezu ausschliesslich "sozial Schwache" angesiedelt.Und dort ballt sich sich jetzt Armut, extreme hohe Arbeitslosigkeit und das berechtigte Gefühl der Ausgegrenztheit.
Und wenn in grossen Stadtteilen ausschliesslich Menschen dieser sozialen Schicht (egal welcher Herkunft) wohnen, die für sich kaum eine soziale Perspektive sehen, dann ist das ein extrem brisantes Gemisch, dass sich irgendwann (eben jetzt) entlädt.
Ich habe jetzt keine Lösung für Frankreich parat.
Ich bin mir jedoch ganz sicher:
Die Entwicklung sozial durchmischter Stadtteile, in denen verschiedene Milieus, verschiedene Einkommensgruppen neben und miteinander wohnen sind eine elementare Voraussetzung, dass Zustände wie in Frankreich vermieden werden.
In derart gemischten Stadtteilen finden sich auch Kinder der verschiedenen sozialen Gruppen in denselben Schulen, was v.a. für die sozial schwächeren die Aufstiegschancen erhöht.
Dann siedeln sich (Klein)Unternehmen, Restaurants, Bars an, was die Möglichkeit des lokalen Einstiegs in den Arbeitsmarkt erleichtert.
Und wenn man weiss, dass der überwiegende Teil von Jobs vergeben wird, weil "man jemanden kennt, der weiss, wo..."dann ist sonnenklar dass Durchmischung, "diversity" der Schlüsselbegriff einer sozialen Stadtplanung sein muss.
Immer öfter siehts in Wien so aus (und damit mein ich nicht den Schnee, sondern die leerstehenden Geschäfte)
Der Verfall der Nahversorgung, die Verödung der Erdgeschosszonen beschleunigt sich.
Die Ursache ist klar, nur wird sie weder politisch erkannt, geschweige denn bekämpft.
Ein unscheinbarer Einspalter in der Wochenendausgabe der
presse
beschreibt es ganz richtig:
Die Verkaufsflächen durch riesige Einkaufszentren an den Stadträndern explodieren förmlich, und da die Kaufkraft kaum wächst, bleiben "die Kleinen" auf der Strecke.
Schaut man sich die Zahlen genauer an, wirds noch beängstigender:
Für grössere Ansicht bitte Bild anklicken.
Dabei ist heute schon Österreich "führend", was die Verkaufsfläche pro Einwohner betrifft (siehe beilegende Zusammenfassung), der Verdrängungswettbewerb wird weiter zunehmen, und die Nahversorgung - und damit urbanes vielfältiges Leben wird weiter zerstört.
einkaufszentren_nahversorgung (doc, 1,255 KB)
Die Lösung?
Die Wiener Stadtplanung müsste ein Wort mit vier Buchstaben lernen:
N E I N.
Denn jedes grosse Einkaufszentrum braucht eine Widmung durch den Beschluss des Wiener Gemeinderates.
Nur haben weder Schicker noch Häupl bisher erkennen lassen, dass sie dieses Problem überhaupt wahrgenommen haben.
Die andere Seite beginnt mit der richtigen Diagnose, und hier muss auch jenen sich als liberal bezeichneten Journalisten wie Peter Rabl (diesen Sonntag im Kurier) widersprochen werden, wenn er von Problemen an Wiener Schulen so schreibt:
40% aller Wiener Schüler haben nicht Deutsch als Muttersprache
Wenn man so ein Problem beschreibt, hat man schon verloren.
Dass man zuhause Englisch, Türkisch, Ungarisch oder Chinesisch spricht und ebenso fliessend Deutsch, ist eine Bereicherung, kein Problem.
Ich war im Wahlkampf an vielen Schulen zu "Politikerrunden" eingeladen.
Oft haben sich gerade jene zu Wort gemeldet, an deren leichtem Akzent man merkte, dass Deutsch nicht ihre Muttersprache ist, sie aber fliessend unsere Sprache beherrschen.
Warum mir das so wichtig ist:
Alle zucken zusammen, wenn von hohen Ausländeranteilen die Rede ist, und sie werden irreführenderweiseoft so definiert, wie es Rabl macht.
Daswirkliche Problem liegt dort, wo die Kinder nicht oder kaum Deutsch können (und im übrigen auch ihre Muttersprache kaum beherrschen)
Deren Zahl ist deutlich geringer, in etlichen Schulen jedoch in derTat ein grosses Problem.
Die "Lösung" ist aber auch nicht besonders schwierig:
Mit ausreichenden finanziellen Mitteln für Integrationslehrer/innen lernt jedes Kind innerhalb kurzer Zeit eine Sprache.
Hier kann und muss sofort etwas getan werden.
(es beginnen jetzt Gespräche zwischen der SPÖ und uns, und wir werden garade darauf grossen Wert legen, Details dazu bald)
Aber es muss sich in den Köpfen der Menschen etwas ändern.
Mehrsprachigkeit ist kein Problem sondern eine Bereicherung.
Und Medien wie der Kurier (oder der Standard, der falter der ORF) sollten endlich mehr Menschen mit Migrationshintergrund Karriere machen lassen.
Denn hier vergeben wir als Gesellschaft eine grosse Chance:
Menschen, die nicht in Österrreich geboren sind können und wollen aufsteigen, und zu ihrem und unserem Wohlstand beitragen.
Zurecht wird die gläserne Decke beschrieben, die noch immer viele Frauen von Spitzenpositionen fernhält.
Im Vergleich dazu ist es geradezu eine Betondecke, die Migrrant/innen am Arbeits-aber auch am Wohnungsmarkt massiv behindert.
Unsere Hauptbotschaft sollte sein: Mit dieser Behinderung schiesst sich Österreich selbst ins Knie.
Zur Erinnerung:
In Silicon Valley sind ein Drittel aller Unternehmen von Menschen gegründet worden, die (oder deren Eltern) nicht in den USA geboren sind.
Und der Anteil dieser Menschen in diesem extrem boomenden Gebiet liegt bereits bei über 60%.
Bildungs-und Aufstiegschancen eröffenen, und sie auch deutlich kommunizieren, so wird unsere Gesellschaft gerechter und reicher und den Straches wird der Boden entzogen.
Jetzt genug gefreut über Vorzugsstimmen
danke für alle Gratulationen
noch mehr danke für die vielen Beiträge, Analysen und Vorschläge.
Nach einigem Schmökern in Wahldaten, vielen Gesprächen und eigenem Nachdenken hier meine Wahlanalyse in 15 Punkten (Achtung Inhalt, ist notgedrungen länger geworden)
1.) Diese Wahl war (im Unterschied zur Steiermark und zum Burgenland, wo wir verloren haben) ein Erfolg: Die grössten Stimmengewinne aller Parteien (zur Erinnerung: die SP hat Stimmen verloren)
2.) Vor allem der Bezirksvorsteher in der Josefstadt, aber auch die Stellvertreter in weiteren Bezirken (2,5,6,9,15)- und das nicht nur innerhalb des Gürtels (zweitstärkste Partei auch im 15. , im Bezirk mit dem höchsten Anteil an Migrant/innen) ist ein Meilenstein grüner Entwicklung
3.) Getrübt wurde die Freude v.a. durch den "Erfolg" der Strache FPÖ (obwohl diese Partei massiv verloren hat) aber über allen Erwartungen und v.a. vor uns Grünen liegt (auf Gemeinde-nicht auf Bezirksebene)
4.) Es wäre ein Irrtum, vom "Erfolg" der FPÖ etwas lernen zu wollen; siehe die
viele Vorschläge nach "einfacherer, klarerer, kantigerer sogar aggressiverer Kommunikation". Nein: Ressentiments kann man so darstellen. Grüne Politik kann nie auf derartige Gefühle oder "eindeutige" Antworten setzen.
Wer nur abrechnen, seinen Frust abladen will, wird nur im seltensten Fall Grün wählen.
5.) Noch ein (letztes mal) FPÖ:
Es gibt - leider noch immer - ein Potential von ca 10-20% der Bevölkerung, die sich bedroht und benachteiligt fühlen, es oft auch sind, und Zuflucht zu starken, scheinbar strahlenden Männern suchen, die deren Bedrohung einen Namen geben (früher Juden, jetzt Ausländer)
6.) Hier kann und muss Politik Angst nehmen: Der Schlüssel dazu lautet: Bildung.
7.) Das Wahlergebnis hat für uns Grüne aber auch gezeigt: Wir kommen (mit knapp 15% in Wien) an die Grenzen des Möglichen mit der derzeit praktizierten Politik. Wollen wir mehr, muss sich etwas wesentliches ändern.
8.) Und diese Grenze zeigt sich räumlich: Während wir in den Innenbezirken , aber auch im Westen deutliche Stimmengewinne verzeichnen konnten, blieben v.a. vier Bezirke (10, 11, 21 und 22) völlig zurück.
Überall dort: Unter 10%
In diesen vier Bezirken leben jedoch 35% der Wiener Wahlberechtigten.
9.) Diese räumliche Trennung hat auch einen Namen: Milieu
Das zeigt sich daran, dass es "grüne Milieus", die z.B. auch Floridsdorf gibt. So erreichten wir in jenem Sprengel, indem die autofreie Siedlung liegt 36,8% Stimmen für uns Grüne, nur knapp hinter der SPÖ.
10.) Grün-affine Milieus kennen und schätzen unsere Haltungen (Umwelt, Menschenrechte, Weltoffenheit, soziale Gesinnung) kritisieren vielleicht Gewichtungen und "Ausrutscher", wir sind ihnen aber nicht fremd. Wahrscheinlich ist es nicht falsch, dieses Milieu auch als eher "akademisch" zu bezeichen. (Erkennbar an der Sprache)
11.) Wenn wir weiter wachsen wollen müssen wir Politik in einem Stil machen, der über unser eigenes Milieu hinaus verstanden und geglaubt werden kann. Denn der Mehrheit der Menschen, die uns vielleicht wählen könnten (und dieses mögliche Ansinnen auch in Umfragen bekunden) sind wir und unsere Politik fremd.
12.) Diese Fremdheit besteht aber auch in der anderen Richtung. Wir (in unserem Milieu) verstehen oft viel zuwenig, was andere Menschen interessiert, beschäftigt, ängstigt. (das hat ein poster aus Simmering hier richtig beschrieben)
13.) Grüne Politik sollte (wenn wir weiter wachsen wollen) dreierlei tun:
a) Sich auf konkrete persönliche Gespräche (wie wärs mit mailings-die einfache Fragen stellen- einmal nach der Wahl) einlassen. Das kostet Zeit und braucht viele Personen. Das erste wäre wahrscheinlich die schlichte Frage, was von uns erwartet wird: Da wird es Überraschungen geben.
b) Wir müssen nicht bloss Haltungen präsentieren, sondern herausstreichen, was der einzelne von Grüner Politik profitiert.
c) Und weil Politik von Personen mit Leidenschaft und Charakter gemacht wird. Wir sollten uns gut überlegen, welche Personen in anderen Milieus grüne Politik gut präsentieren könnten.
Und ohne allzuviel aus "internas" auszuplaudern: Diese Frage haben wir bisher zuwenig gestellt.
14.) Die politisch-thematischen Prioritäten sind meines Erachtens klar:
Ich nenne jetzt bewusst nur drei, wissen, dass jetzt alle über mich herfallen, was alles aus dem umfangreichen grünen Programm ich vergessen habe.
Aber Schwerpunktsetzung erzwingt, gewisse Dinge eben nicht als Priorität zu nennen, auch wenns schwerfällt
a) Bildung als sozialpolitischer Schlüssel für Chancen des Aufstiegs (z.B. für Migranten): hier sollten wir klarer zeigen, was anders wird, wenn grün kommt
b) die Energie-Verkehrs-Klimawende samt den wunderbaren Technologien, die dann die Leittechnologien sein werden (diese konkrfet zeigen, umsetzen, propagieren)
c) ein anderer Politikstil gerade im sozialdemokratisch feudalen Obrigkeitsstaat Wien:
Dialog, Offenheit, Lernfähigkeit statt fürstlich bürokratischem Gehabe (ich glaube, dass Thomas Blimlinger im 7. gerade damit gepunktet hat). Da gehts z.B. um eine andere Medienpolitik.
15.) Wenn den Menschen klarer ist, wer wir sind und was wir wollen, dann können wir auch gelassener mit der Frage nach koalitionen umgehen. Dann wir z.B. ziemlich klar, dass zwischen der Politik, die die VP gerade praktiziert und der unserern Welten liegen.Aber dann stecken wir ach nicht mehr im Schubladerl der SPÖ, die sich immer und klarerweise offenhält, mit der VP zu koalieren.
Wenn klarer ist, wer wir sind und was wir wollen, dann können wir auch primär mit diesen unseren konkreten Vorhaben werben, und werden auch dazu befragt.
Das hat nicht zuletzt etwas mit dem Anspruch auf Hegemonien der Öffentlichket zu tun (um wieder milieugemäss akademisch zu werden).
Wenns uns nicht gelingt unsere Themen zu setzen, dann kommt der "Ausländerwahlkampf".
Und den gewinnen mit Sicherheit nicht wir.
Freu mich sehr über ein tolles Vorzugsstimmen ergebnis (ganz Wien).
3415
Das ist das beste Ergebnis aller, die nicht Spitzenkandidat/in sind.
V.a. der Vergleich mit allen Regierungsmitgliedern der SPÖ freut mich.
Und alles nahezu ausschliesslich über dieses weblog und Mundpropaganda.
Kein Plakat, kein Inserat, keinerlei "Schnickschnack"
"Bloss" Inhalt pur.
Bin sehr erfreut und ermutigt.
Nochmals danke
Hier die Vorzugsstimmen genauer:
Grüne:
Vassilakou: 4518
CC: 3415
Ellensohn: 969
Pilz: 565
Vana: 541
Korun: 511
Ringler: 504
Jerusalem: 425
Schreuder: 365
Rabenstein: 377
Gretner:264
Maresch: 240
Sommer-Smolik:238
Margulies: 143
SPÖ:
Häupl: 11 168
Laska: 1359
al Rawi: 2775
Brauner:722
Sima:711
Rieder:639
Rudas:529
Wehsely:509
Feymann:410
Yilmaz:308
Schicker: 138
Mailath:116
VP:
Hahn: 4276
Kugler Lang (radikale Abtreibungsgegnerin): 2413
Tschirf:562
Ekici: 426
Kenesei: 143
FPÖ:
Strache: 6086
Schock: 356
alle Vorzugsstimmen:
hier