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Meine erste Analyse

3,8%.
Östereichweit Zweidrittel unserer Wähler/innen verloren.
Nach 31 Jahren aus dem Parlament herausgewählt.
Debakel ist ein Hilfsausdruck.
Ich habe Schlimmes befürchtet.
Mein interner Wahltip war 5,7%.
Mir war klar, dass wir verlieren werden.
Dass es so schlimm kommt nicht.
Seit Sonntag wechseln sich Wut, Enttäuschung und grosse Traurigkeit ab.
Gestern und heute hab ich etwas getan, was ich noch nie gemacht habe.
Diverse interviews abgelehnt.
Denn was hätte ich auf all die erwartbaren Fragen nach dem „Warum?“ und „wie jetzt weiter?“ viel anderes sagen können, als „Ich weiss es nicht“.
Gleichzeitig rattert der Kopf.
Gefühle zuzulassen und nicht wegzudrücken ist wichtig, sonst wird man ein Politzombie und Politphrasendrescher wie es viele gibt.
Aber nach zweimal (sehr schlecht) schlafen kann und will ich mich nicht weiter verstecken.
Denn es hat nicht dieser vernichtenden Wahlniederlage bedurft, um zu sehen und zu hören, dass vieles nicht gut läuft.
Dass viele Wähler/innen enttäuscht sind.
Jetzt versuche ich im Schreiben, das ich immer schon sehr geschätzt habe, mein Denken zu präzisieren, den Gründen nachzuspüren und erste Wege aufzuzeigen, die wir überlegen sollten.
Ich möchte gleich einschränken:
Das ist meine Analyse.
Es gibt sicherlich auch andere.
Wir sollten aber die bittere Tatsache, dass es uns jetzt nicht mehr als parlamentarische Vertretung auf Bundesebe gibt, nutzen, um gut nachzudenken und dort, wo es notwendig ist, tiefgreifend umgestalten.
Die hier angeführten Punkte mögen den Beginn einer Diskussion darstellen.
Sie sind weder vollständig, noch stellt die Reihenfolge eine Priorität dar.

1.) Zeit- dafür radikal
Auch wenn Wähler/innen wie Medien jetzt schnelle Antworten wollen. Die gibt es nicht. Wir sollen uns die notwendige Zeit nehmen.
Die nächsten Wahlen auf Bundesebene findet im Mai 2019 statt. Die Europawahl.
Bis dahin sollte wir erst grundsätzlich (und sicher schmerzhaft) das aufzählen, was 2/3 der Wähler/innen verjagt hat, dann die notwendigen, ich glaube auch radikalen (an die Wurzel gehenden) Veränderungen vornehmen.
Also: Jetzt brauchen wir keine Schnellschüsse

2.) Unsere Inhalte
Das kann ich kurz halten: unsere zwei Eckpunkte stehen fest. Bei allen Grünen weltweit:
Die Klimakrise als total unterschätzte globale Bedrohung,.
Die Notwendigkeit in kürzester Zeit aus der Fossilwirtschaft in eine erneuerbare umzusteigen.
Sowie als 2. Säule: Eine gerechtere faire Verteilung von Einkommen, Vermögen und Lebenschancen.
Ausserdem: Fairness zwischen Mann und Frau (von der wir noch immer weit entfernt sind) sowie Verteidigung und Ausbau einer offenen Gesellschaft.
Inhaltlich gilt es zu präzisieren, in Details abzustimmen, aber kurz: Die grüne Programmatik ist nicht unser Problem. Und das ist schon viel

Aber
3.) Diese Kritik begegnet mir oft, sehr oft:

Bildschirmfoto-2017-10-17-um-18-39-45
Und da hat einen wahren Kern.
Wir könnten, und ich glaube wir sollten ein paar uralte Tugenden in unserem politischen Diskurs neu beleben.
V.a. Respekt.
Wenn jemand nicht unsere Meinungen, unsere Positionen teilt kann ein Gespräch auch uns weiterbringen.Weil wir etwas dazulernen können.
Weil viele Menschen wie auch wir mit Widersprüchen leben.
Weil der Kompromiss, und nicht der Sieg über den anderen den Kern einer freien demokratie ausmacht.
Denn Hand aufs Herz: Auch wir haben schon paar mal ziemlich geirrt.
Auch ich.
Was bei diesen „Stilfragen“ jedenfalls weiterhilft: Neugier statt Belehrung.

4.) Die innerparteiliche Kontroverse ist ebenso schwierig wie notwendig
Gerade um unseren Außenauftritt klarer und wiedererkennbar zu machen, was in den letzten Jahren auch gelungen ist, wurde in einem wesentlichen Punkt übers Ziel hinausgeschossen.
„Nur kein Streit!“ Damit wurden auch notwendige öffentliche Klärungen unterbunden.
Aber genau das macht eine Demokratie lebendig, und sollte gerade bei uns Grünen kultiviert werden.
Um eine Position in einer gesellschaftlich relevanten Frage zu erringen, kann und muss in der Sache „gestritten“ werden. Zwei schwierige Zusätze: Ein hohes Maß an Respekt und Wertschätzung ist in so einer Debatte hilfreich, ja unabdingbar. Außerdem: Es mag passieren, dass medial wieder ein „grüner Streit“ daraus konstruiert wird. Das müssen wir aushalten.
Gerade jetzt, in dieser so schwierigen Situation für uns, müssen wir Kontroversen aushalten: Denn es geht ja um nichts weniger als die Frage, was die Grünen in Zukunft sein wollen.

5.) Öffnung
Jetzt sind sehr viele, ich glaube sehr viele tausende Wähler/innen aber auch diesmal „nicht mehr Wähler/innen“ betroffen. Die Grünen raus aus dem Parlament? Das haben sie nicht gewollt.
Es muss uns gelingen zeitgemässe Formen der Mitarbeit, der Mitgestaltung zu entwickeln und anzubieten.
Ich formulier es schärfer: „Nur“ wir grünen Mandatare und Funktionär/innen in Parteigremien allein werden das nicht schaffen.
Wir sind einst aus vielfältigen Bürgerinitiativen entstanden.
Viele wollen sich engagieren, für „grüne Inhalte“, und wenn wir spannende Formate anbieten auch für die Grünen als Partei.
Hier geht’s um Experimente. Die sollen wir rasch entwickeln und anbieten.

6.) Welche Partei wollen wir?

Jetzt wird’s ganz schwierig.
„Politische Partei“. das ist eine politische Einheit, die im 19. Jahrhundert gross geworden ist.
In einer Zeit, wo es kein Telefon, kein Radio, kein Fernsehn und schon gar kein Handy oder Internet gab.
Die Idee dahinter: Stellvertretend für die Gesellschaft wird innerparteilich eine Diskussion geführt, und dann durch die Mandatare umgesetzt.
„Partei“, das hat heute einen verheerenden Ruf.
Parteiengagement wurde auch missbraucht. Mit dem falschen „Parteibuch“ hattest Du oft keine Chance aug Job oder Wohnung.
Sowohl Kurz wie auch Pilz hatten offensichtlich Erfolg mit ihrem gemeinsamen Credo: „Weg mit der Partei." Beide sehr autoritär, was in Österreich vielen gefällt.
Ich habe hier keine einfache Antwort.
Ich bin mir auch sicher, dass der Ersatz von politischen Parteien durch lose Einzelpersonen in Parlamenten kaum eine Lösung darstellt.
Ich glaube aber auch dass wir jetzt die Chance haben, etwas neu zu erfinden.
Die Innenorientierung und Abgeschlossenheit unserer Parteigremien ist ein wesentliches Merkmal unserer Krise.
Wie könnte eine offene, spannende, Partei aussehen?
Wie wählt sie ihre Mandatare.
In unseren Landes- und Bundesversammlungen haben es politisch begabte Menschen „von aussen“ heute sehr schwer.
Meine These: Ein van der Bellen wäre heute unmöglich. Er hätte kaum eine Chance auf ein Mandat.
Aber wie sonst?
Nur zwei Gedanken dazu:
Warum nicht den gewählten Spitzenkandidaten das Recht einräumen, zwei oder auch mehr fähige Personen auszuwählen und ihnen einen sicheren Listenplatz anzubieten?
Oder: Den Wähler/innen (der mE wahren Parteibasis) ein viel stärkeres Recht auf die Auswahl und Umreihung auf der Kandidatenliste einräumen. (Das könnte auch so gestaltet sein, dass die Parität zwischen Männern und Frauen gewahrt bleibt)
Ich weiss: Hier gibt es Einwände, berechtigte Einwände.
Aber es geht nicht ums Perfekte. Es geht darum, dass das Bestehende sich offensichtlich nicht bewährt hat.
Also: Mut zum Risiko

7.) In Punkt 2.ober habe ich die These vertreten, dass unsere inhaltliche Positionierungen nicht unser Problem darstellen.
Jetzt muss ich dazu eine relevante Ergänzung vornehmen.
In jenem Thema, das in Deutschland und England, in Frankreich und den USA den Wahlkampf dominiert hat, Zuwanderung/Asyl bedarf es grüner Klärungen.
Sosehr ich glaube, dass dieses Thema im Verhältnis zu anderen im öffentlichen und medialen Diskurs total überbewertet ist, muss ich eingestehen: es nützt mir uns uns nichts., dass wir das so sehen.
Viele Menschen bewegt das sehr.
Natürlich hat das auch damit zu tun, dass fast jede Talkshow, und unzählige Artikel und Schlagzeilen sich immer wieder und immer wieder um Asyl, Zuwanderung und Islam drehen.
Und ich fürchte und glaube: Das wird sich so schnell nicht ändern.
Sehr beeindruckt hat mich dazu dieses schlanke Buch eines sehr klugen Autors (das ich sehr empfehle)
Als Menschenrechtspartei wurde uns vom politischen Gegner und von Boulevard in unseren Augen zuunrecht aber sehr wirksam das Etikett umgehängt: Die wollen alle reinlassen.
Und offene Grenzen a la 2015, das will die überwiegende Mehrheit der Österreicher/innen nicht.
Ich gestehe: Ich verstehe das und will das auch nicht.
Gerade hier müssen wir viel Widersprüchlichkeit erkennen und damit umgehen.
Viele wollen helfen, sind das Gegenteil von Rassisten, treten für Integration ein, und sehen trotzdem auch die negativen Seiten dieser Zuwanderung, die es gibt. Viele haben auch Angst.
Da wir nicht einem rassistischen Diskurs Vorschub leisten wollten und wollen, weichen wir vor manchen Klärungen und auch harten Entscheidungen zurück.
Ich formulier es einmal bewusst als meine persönliche Positions in dieser Frage.
Ich bin vehement für ein humanes Asylrecht.
Gerade deswegen muss ich dann aber auch befürworten, dass jene, die nach einem rechtsstaatlichen Verfahren einen negativen Asylbescheid erhalten, wieder aus Österreich ausreisen.
Wenn die meisten aus unterschiedlichen Gründen trotzdem hier bleiben, untergraben wir politisch das Recht auf Asyl.
Oder.
Da ich leidenschaftlich für ein Europa ohne Grenzkontrollen eintrete, muss dieses Europa seine Grenzen nach aussen schützen.
Deswegen muss es legale Wege geben, außerhalb Europas Asyl zu beantragen.
Und auch neben dem Weg des politischen Asyls muss es andere begrentze Wege der Einwanderung geben.
Beides gilt es zu klären. Die rechtlichen Wege der Einwanderung und deren klare Begrenzung.
Was der neugewählte Präsident Macron vorgelegt hat, kann uns ein Anknüpfungspunkt sein.
Hier brauchen wir Klärungen. Die werden uns nicht leicht fallen.Aber sie sind notwendig.

8.) Den notwendigen ökologischen Umbau gewinnend und lustvoll kommunizieren
Der Dokumentarfilm "tomorrow", der von der Energieerzeugung über Verkehr, Städtebau bis hin zu Ernährung und Demokratie gelungene Beispiele zeigt, berührt und motiviert.
Es gibt hunderte, tausende Initiativen in Österreich, die sich mit Leidenschaft unternehmerisch oder als NGO (was für mich eine andere Form des Unternehmerischen ist) engagieren.
Diese Riesenaufgabe, die Umgestaltung unseres Wirtschafts/Ernährungs/Verkehrs/Energiesystems darf nicht mehr so sehr eine der Belehrung als eine des besseren, gelingenden Lebens sein.
Gerade junge Menschen wollen sich engagieren, wollen konkrete Veränderung sehen. Diese sind unsere Bündnispartner, hier können wir bei der Vernetzung ebenso helfen, wie selbst dazulernen.
Also. Einmal mehr: Raus aus unseren Perteigremien, hin zu jenen, die gründen und umgestalten. Dialoge führen. Allianzen schmieden. Sich von der Lust des Gestaltens anstecken lassen.

Das alles geht nicht von heute auf morgen. Das dauert Monate und Jahre. Aber es zahlt sich aus.

Und jetzt möchte ich abschliessend einen Aufruf starten.
Dieser richtet sich nicht nach innen, an uns grüne Funktionär/innen.
Sondern an all jene, die glauben, dass es starke Grüne in den Parlamenten braucht.
Tretet bei.
In Wien als Mitglied oder Unterstützer.
Oder in einem anderen Bundesland.
Bringt Euch ein.
In keiner Partei haben Mitglieder (und Unterstützer) soviele Rechte wie bei uns.
Wir brauchen jetzt neue Ideen , Kraft und vor allem engagierte Menschen, die gemeinsam mit uns eine zeitgemässe grüne Partei neu gründen.
Wir brauchen Euch!

Apokalypse ist eine schlechte Strategie

diesen Artikel habe ich vor rund 10 Jahren geschrieben.
diese Gedanken scheinen mir auch heute noch sehr wichtig.


Apokalypse ist eine schlechte Strategie


Nein, ich habe nicht die Seiten gewechselt. Im Gegenteil.
Die Reduktion der Treibhausgase ist eine der wichtigsten globalen Herausforderungen.
Aber ein zentraler Widerspruch muss zum Nachdenken anregen.
Ehrliches Nachdenken bedingt, die eigene Strategie grundlegend in Frage zu stellen. Insbesondere dann, wenn seit Jahren (die Konsequenzen des sich beschleunigenden Klimawandels sind ja schon viele Jahre bekannt) die eigene Strategie nichts, im globalen Massstab gemessen, gar nichts bewirkt.
Um es zynisch zu formulieren: Je mehr wir über die Auswirkungen der Klimaveränderung wissen, desto stärker wächst der Ausstoss der Treibhausgase.
Derzeit deutet alles darauf hin, dass weltweit die Emissionen von CO2 und Methan nicht sinken, was technisch leicht möglich wäre, sondern weiter steigen. Allen Katastrophenszenarios zum Trotz.
Vielleicht liegt das aber nicht nur am langsamen Lernen der Menschheit und an der Lobbyismen der Öl- und Autoindustrie, sondern vielleicht war auch die Strategie von uns Umweltschützern und Grünen falsch.
Denn eine Strategie, die dauernd das Gegenteil dessen bewirkt, was intendiert ist, muss doch einmal hinterfragt werden.
Der Kern dieser Strategie war und ist, das zeigen Wortwahl und Bilder, das Apokalyptische.
Wahlweise geht, „wenn wir so weiter machen“, entweder „die Menschheit“ unter, oder gleich „der ganze Planet“. Tief moralisch ist diese Strategie, und seit Jahrzehnten ist es „fünf vor zwölf“.
Die Natur bekommt nach dieser Stategie eine quasireligiöse Identität, sie muss „beschützt“ und „bewahrt“ werden, sonst „schlägt sie zurück“.
War es erst die Natur, die wir schützen musste, so ist es jetzt das Klima.
„Klimaschutz“ wird überall beschworen, das Gegenteil passiert.
Ich bin inzwischen tief überzeugt, dass diese Strategie der Apokalypse ebenso falsch ist, wie auch diese Analyse des Untergangs, und vielleicht liegt darin der Schlüssel für eine rationale, statt einer apokalyptischen Begründung.
Machen wir ein Gedankenexperiment:
Innerhalb der nächsten zehn Jahre, die „uns“ nach Meinung vieler Klimatologen „noch zur Umkehr bleiben,“, geht es schlicht weiter wie bisher: Noch mehr Öl- Gas- und Kohleverbrauch, noch mehr Treibhausemissionen , deutliche Erhöhung des CO2 Gehalts der Atmosphäre.Stellen wir uns schlicht das worst-case Szenario vor.
Es wird dann weder die Erde untergehen, noch die Menschheit.
Um in Bildern zu bleiben: Dem Meeresspiegel ist es völlig egal, ob er zwei Meter höher ist oder nicht.
Klimawandel war in der Erdgeschichte die Regel.
Der Meeresspiegel war schon Dutzende Meter höher, und ebenso viele Meter tiefer. Es war schon einmal viel wärmer, und ebenso viel kälter
Die Welt wird auch ohne den Eisbären weiterexistieren.
99% aller Arten, die im Laufe der Evolution entstanden sind, existieren heute nicht mehr.
Wo heute fruchtbares Land ist, waren einst Wüsten und umgekehrt.
Und wenn über das zukünftige Klima eines klar ist: in einigen Tausend Jahren kommt die nächste Eiszeit, die durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe bedingte Klimaerwärmung ist erdgeschichtlich geradezu läppisch.
Das Problem ist nicht, dass wir „der Natur“, „dem Klima“ irgendetwas Böses antun, es schädigen.
Das Problem ist ein zutiefst gesellschaftliches.
Die zentrale Frage ist nicht, ob „die Menschheit“ bedroht ist (sie ist es mit Sicherheit nicht), Menschen können, das zeigt unsere Geschichte und Gegenwart, unter unglaublich schrecklichen Bedingungen existieren.
Die zentrale Frage ist vielmehr:
Wie wollen wir leben?
Und: Was ist uns wertvoll?
Was der Klimawandel höchst wahrscheinlich bedroht, ist eine bestimmte Art – unsere - menschlicher Zivilisation.
Wenn der Meeresspiegel deutlich steigt, werden z.B. weite Teile Bangladeshs unbewohnbar werden. Die Zahl der Flüchtlinge wird in die Millionen gehen.
Aber seien wir ehrlich: Heute fliehen wegen des Bürgerkriegs in Dafur auch Hunderttausende.
Viele von ihnen versuchen nach Europa zu kommen, und ertrinken elend im Mittelmeer.
Wohlhabende Reiche haben immer Mittel und Wege gefunden, sich einen Ansturm der Armen vom Hals zu halten.
„Die Menschheit“ geht deswegen nicht unter, mit Sicherheit jedoch das Asylrecht nach der Genfer Flüchtlingskonvention.
Und noch mal zurück zum Eisbär.
Irgendeine „Menschheit“ kann auch ohne Eisbär und ohne die tausenden Tier-und Pflanzenarten leben, die jetzt wegen der Klimaveränderung vom Aussterben bedroht sind.
Wir könnten aber auch ohne die Werke Leonardo da Vincis leben, wir können auch leben, wenn Venedig in den Fluten begraben wird, wir könnten auch den Central Park in Manhattan verbauen (was übrigens höchst lukrativ wäre, ein Milliardengeschäft).
Interessanterweise denkt niemand daran letzteres zu tun.
Weil der Central Park für die Qualität des Leben in New York einfach wichtig ist. “Die Natur“ braucht ihn nicht.
Wenn Kunstwerke oder historische Gebäude bedroht sind, werden oft grosse Summen aufgebracht, um sie zu renovieren und zu schützen.
Aus kulturellen Gründen.
Weil wir lieber mit ihnen, als ohne sie leben wollen.
„Die Natur“ braucht keinen Regenwald, keine Einbären.
Aber vielleicht sind das Schätze, die uns wichtig sind.
Mit denen wir leben wollen.
Die unser Leben reicherm, schöner und wertvoller machen.
Oder, wenn wir an den steigenden Meeresspiegel, die zunehmenden Unwetter und die Ausbreitung der Wüsten denken (alles keine Probleme für „die Natur“) ist das eine Frage der Gerechtigkeit. Denn für ziemlich viele Menschen würde dies das Leben schwieriger und gefährlicher machen, viele, sehr viele würden ihrer Existenzgrundlagen beraubt.
Es geht beim Klimaschutz um die Zukunft einer freien, offenen Zivilisation von bald 9 Mrd Menschen, wo es so etwas wie Menschenrechte für alle, nicht nur für die Reichen gibt.
Wenn wir nicht anders wirtschaften, und unser Energiesystem grundlegend umbauen, werden sich Kriege (nicht wirklich etwas Neues in der Menschheitsgeschichte), Hungersnöte und grosse Flüchtlingsströme nicht vermeiden lassen.
Unsere Gesellschaft wird dann eine ganz andere sein, ich fürchte um vieles inhumaner und brutaler.
„Dem Klima“ und „der Natur“ ist das ziemlich egal.
Packen wir also die Apokalypse in die Mottenkiste und formen wir die ökologische Frage in eine soziale und kulturelle um.
Vielleicht funktioniert das besser.

Besuch im Passivhaus

Im Winter warm ohne fossile Brennstoffe.
Im Sommer angenehm temperiert.
Treibhauseffekt und überhitzte Städte sind kein Schicksal.
Watch:

Asylanträge in Afrika: Eine Riesenchance

Grosse politische Verschiebungen kündigen sich oft leise an.
Obwohl bei Nachdenken sichtbar sein könnte, dass sich Neues auftut.
Und gerade weil im Zusammenhang zwischen der EU und der Füchtlingskrise (zurecht) viel, sehr viel kritisiert wird, möchte ich den jüngsten Schritt ausdrücklich loben.
Dieser kann eine völlig neue, positive Entwicklung einleiten.
Worum gehts?
Macron, Merkel & Co streben an, dass es in hoffentlich baldiger Zukunft möglich ist, schon in afrikanischen Ländern Asyl zu beantragen.
Derzeit müssen Flüchtlinge übers Meer, ihr Leben gefährdend, denn nur hier, in der EU kann ein Asylantrag gestellt werden.
Wenn es gelingt, das zu ändern, wäre es eine gewaltige Weichenstellung, welche die so gefähliche Fahrt über das Mittelmeer und das dreckige Geschäft der Schlepper wenn schon nicht beenden, so doch dämpfen könnte.
Wesentlich schint mir jedoch, dass sich daraus viel weitreichendere Perspektiven eröffnen könnten.
Denn um in Nigeria/Tschad/Libyen oder Niger Asyl zu beantragen braucht es keine eigenen "Lager".
Es wird wohl in veränderter Form soetwas wie das Botschaftsasyl sein, welches es früher gab.
Diese Asylanträge werden wahrscheinlich in Städten gestellt werden.
Damit rücken uns Europäern diese Städte ein bisschen näher. Denn derzeit sind sie sehr, sehr fern. (Wer kann schnell auch nur ein paar Städte in diesen Ländern nennen?)
Um dieses "Näherrücken" auch zu begleiten, um Wohn- und vielleicht auch Arbeitsmöglichkeiten für die Asylwerber, ebenso auch für die einheimsiche Bevölkerung (auch wegen der Akzeptanz) zu schaffen, könnten europäische Städte diesen Städten beim Naheliegenden helfen: Kanal, Strom, Wasser, Abwasser, Bildung, öffentlicher Verkehr.
Hier möchte ich an diesen meinen Beitrag vor drei Jahren erinnern.
So könnte eine grosse weltpolitische Weichenstellung geschehen.
In dem Ausmass, indem sich die USA als Weltmacht zurückzieht, was sie nicht erst mit Trump sondern schon unter Obama gemacht hat, könnte die EU als andere, nicht primär militärisch getriebene Kraft, quasi als "softpower" Verantwortung für unsere nähere Umgebung übernehmen.
Eine neue afrikanisch/arabisch/europäische Zusammenarbeit könnte entstehen.
Dieser Aufbau geschieht nicht in wenigen Monaten, sondern wird Jahre dauern.
Diese Zusammenarbeit könnte auch so weitergehen:
Warum nicht legale und zahlenmässig begrenzte Einwanderungskontingente vergeben, um auch jenen, die kaum Chance auf Asyl haben, die so gefähliche Mittelmeerüberfahrt zu ersparen?
Dann sollte es in diesen afrikanisch/arabischen Städten Sprachkurse ebenso geben , wie Berufsausbildungen an deren positiven Abschluss eine höhere Chance für ein Einwanderungsticket gekoppelt ist.
Schliesslich ist es unstrittig, dass gute Bildungsangebote auch für die einheimische Bevölkerung, welche nicht fliehen/auswandern will, unabdingbare Voraussetzung einer gedeihlichen Staats-und Wirtschaftsentwicklung darstellen.
Das kann, muss nicht so kommen.
Aber der Beschluss von Macron, Merkel & Co eröffnet für uns Europäer/innen die grosse Chance, aus dem bisherigen Teufelskreis herauszukommen.
Das ausdrücklich positiv hervorzuheben ist mir ein Bedürfnis.

adelige Wutbürger verhindern Otto Wagners Stadtmuseum am Karlsplatz

Fast, fast hätte 1901 Otto Wagner am Karlsplatz ein "Stadtmuseum" gebaut, das so ausgesehen hätte:

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Aber eben nur fast.
Denn mit adeligen Wutbürgern war nicht zu spassen. Sie fanden Otto Wagners Architektur viel zu modern und schlicht hässlich. An die Spitze der Wutbüger/innen setzte sich die Fürstin Pauline Metternich und sammelte rund 6000 Unterschriften.
Um zu zeigen, wie dieses Projekt "wirklich aussieht" wurde Otto Wagner genötigt, am Karlsplatz eine 1:1 Schablone seiner Fassade aufzubauen.
Das sah damals so aus.

Bildschirmfoto-2017-05-03-um-14-00-58

Damit wars dann vorbei.
Bürgermeister Lueger lavierte herum, und fand nicht den Mut das Projekt durchzusetzen.
Der Rest ist Geschichte.

Hier sei nicht Otto Wagners Stadtmuseum mit dem Neubau am Heumarkt von Isay Weinfeld verglichen. Was architektonische Qualität hat, wird oft erst Generationen später unstrittig gestellt.
Aus der Zeit heraus jedoch, und das ist mein Punkt, wurde Otto Wagners Architektur von vielen als abstossend und hässlich abqualifiziert. Und ihr Widerstand war erfolgreich.

Zum Tod eines siebenjährigen Mädchens

Fall 1
Ein siebenjähriges Mädchen ist am Dienstag in Wien am Weg zur Schule von einem Auto getötet worden.
Öffentliche Reaktion darauf: gering.
Politische Konsequenzen?
Keine.
Genauer: Falls sie gezogen werden (Temporeduktion, Geschwindigkeitsüberwachung, Fußgängerzonen), werden sie va von Boulevard heftig bekämpft.
Das Mädchen war nicht das erste Todesopfer heuer.
Und ich fürchte: Sie wird nicht das letze gewesen sein

Fall 2
Irgendwo in Europa ereignet sich ein Terroranschlag.
Menschen werden getötet.
Öffentliche Reaktion: Schlagzeilen und Debatten überall
Politische Konsequenzen: Umfangreich. Freiheitsrechte werden eingeschränkt, Überwachung ausgebaut, Demokratie abgebaut

Was ist der Unterschied zwischen Fall 1 und Fall 2
Auf den ersten Blick ist es eindeutig:
Beim Terroranschlag wären vorsätzlich Menschen getötet.
Beim tödlichen Autounfall wollte das keiner.

Jedoch:
Es ist unstrittig, dass politische Massnahmen die Zahl der Verkehrstoten drastische reduzieren könnten.
Nur: Es ist nicht gewollt, ja, diese Maßnahmen (für die ich politisch eintrete) werden heftig bekämpft.
Anderes (unbehinderte Fahrt für Autofahrer) scheint wichtiger.

Ist das Leid der Eltern des Mädchen geringer als jenes der Eltern der Terroropfer?

Ich will diese Ignoranz nicht hinnehmen.
Diese skandalöse Akzeptanz struktureller Gewalt.
Die Tatsache, dass Kindern in Städten und auch am Land die Freiheit geraubt wird, sich in ihrer Wohnumgebung frei zu bewegen.
Denn sie könnten dabei getötet werden.
Und es lässt alle kalt.
Auch Schweigen auf social media zu Fall 1.
Vielleicht bin ich grad besonders sensibel mit meinen zwei kleinen Kindern.
Und meiner Angst, wenn sie allein am Gehsteig zu laufen beginnen.
Sie könnten ja auf die Strasse abbiegen.

Warum muß die Straße Todeszone sein?
Ich akzeptiere das nicht.
Ja, nennt mich in dieser Frage Fundi.

Abschliessend eine Zahl und eine Frage:
In der EU sterben jährlich bei Verkehrsunfällen 25 000 Menschen.

Hätten wir noch eine Demokratie, wäre die Opferzahl durch Terroranschlägen auch nur 10% davon?

Heumarkt

Die Wiener Zeitung hat mich gebeten, meinen Standpunkt zum heftig diskutierten Heumarktprojekt ausführlicher zu begründen.
Hier ist der Link:
http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/wien/stadtpolitik/881670_Schon-frueher-wurde-hoch-gebaut.html

Wien Museum- Winterthurgebäude Eine Chronologie

Gestern Sonntag überraschte Bürgermeister Häupl rund um die Diskussion Wien-Museum - Winterthurgebäude mit einem neuen Vorschlag, kommuniziert in ähnlich lautenden Interviews in Österreich und Kronenzeitung:

Frage: Was ist Ihr Vorschlag für den Streit um die drohende Verschandelung des Karlsplatzes? Michael Häupl: Ich habe ja da eine ganz andere Idee als die bisher diskutierten. Auch wenn Finanzstadträtin Renate Brauner das jetzt vielleicht nicht gerne hört: Eine Versicherung wie die Zürich-Kosmos kann ihr Gebäude überall in Wien aufstellen. Das muss nicht am Karlsplatz sein. Würde die Stadt der Versicherung den Grund ablösen, könnte man in einem völlig neuen Projekt das Wien Museum so erweitern, wie es ohnehin eigentlich notwendig wäre. ÖSTERREICH: Wobei dann auch bei der Neuplanung ein entsprechender Schutz der Karlskirche vorgesehen wäre? Häupl: Dann könnte man etwas völlig Neues planen, das das Ensemble am Karlsplatz nicht stört. Vielleicht sagt man mir ja, dass das eine Schnapsidee ist. Aber als Wissenschaftler bin ich gewöhnt, dass ich meine Ideen frei zur Diskussion stelle - das tue ich hiermit. Die Karlskirche, der Karlsplatz und vor allem das Wien Museum, das endlich genug Platz hätte - alle würden profitieren.


Bevor ich das bewerten möchte, eine kurze, trockene Chronologie.
Die geht zumindest bis zum Jahr 2012 zurück.

Im Sommer 2012 blieben nach längerer Standortsuche für das Wien Museum Neu zwei Standorte über: Am Hauptbahnhof (Arsenalstraße, schräg vis a vis vom 21er-Haus) sowie der bestehende Standort Karlsplatz. Im Architekturzentrum wurde eine Fachenquete durchgeführt, bei der 40 ExpertInnen (Museumsleute, ArchitektInnen, WissenschafterInnen, etc.) aufgefordert waren, ein kurzes Plädoyer jeweils für den einen oder den anderen Standort zu halten. Die überwiegende Anzahl der TeilnehmerInnen sprach sich für den Karlsplatz aus.

Um eine umfassende und fundierte Entscheidungsgrundlage zu haben, wurden in Abstimmung zwischen den Geschäftsgruppen Kultur und Stadtentwicklung im Herbst 2012 zwei städtebauliche Studien in Auftrag gegeben, um die Möglichkeiten und Potentiale dieser Standorte zu untersuchen. Den Standort am Hauptbahnhof wurde vom Wiener Büro querkraft untersucht, der Standort Karlsplatz vom Berliner Büro kuehn malvezzi gemeinsam mit dem Wiener Büro für Landschaftsarchitektur D/D (Detzlhofer und Dessovic). Diese beiden Studien wurden kurz vor Weihnachten 2012 den beiden ressortverantwortlichen StadträtInnen Mailath und Vassilakou präsentiert.

Das Ergebnis dieser Studie zum Karlsplatz war, dass der Umbau des Wien Museums genutzt werden sollte, um den östlichen Abschluss des Karlsplatzes aufzuwerten. Stadträumlich solle dabei die für die Karlskirche konstituierende städtebauliche Achse Herrengasse – Karlskirche gestärkt werden, die durch den Bau der Ringstraße (Staatsoper) und die Wien-Flussregulierung sowie den Bau der U-Bahn beeinträchtigt war. Ebenso sollte der ursprüngliche, solitäre Charakter des Wien-Museums wieder herausgearbeitet werden, das mit dem Anbau des Winterthur-Gebäudes in eine vermeintliche Blockrandbebauung integriert worden war. Der Denkmalschutz für das Bestandsgebäude war vom Bundesdenkmalamt vorgegeben.

Unter Beibehaltung des landschaftsplanerischen Konzeptes des schwedischen Gartenarchitekten Sven Ingvar Anderson von 1969 für den Karlsplatz wurden drei Entwicklungsszenarien ausgearbeitet: eine rein unterirdische Erweiterung des Wien Museums, eine Aufstockung des bestehenden Gebäudes und der Bau eines Solitärs vor dem bestehenden Bau, der mit diesem unterirdisch verbunden wäre. In Bezug auf das Winterthur-Gebäude empfahl die Studie, dessen Verbindung zum Wien Museum abzubrechen, und es als Teil dieses städtebaulichen Projektes einzubeziehen. Die städtebauliche Form sollte in Abhängigkeit zur Lösung des Wien Museums entschieden werden. Schon damals wurde eine Erweiterung nach vor oder nach oben angedacht.

In weiterer Folge wurde in der Baudirektion eine Projektkoordination für das Wien Museum eingerichtet, die eine Reihe weiterer technischer, rechtlicher und ökonomischer Fragen zu klären hatte, bevor Stadtrat Mailath-Pokorny im November 2013 die Standortentscheidung für den Karlsplatz verkündete und einen zweistufigen Architekturwettbewerb für 2015 ankündigte. „Das neue Wien Museum soll unter Einbeziehung des benachbarten Haerdtl-Baus erfolgen. Von dieser souveränen architektonischen Setzung erhoffen sich die Planer, die historische Achse der Karlskirche zu stärken“

Als nächstes Etappenziel erfolgte Anfang Juni 2014 im Kulturausschuss der Grundsatzbeschluss für die Sanierung und den Neubau des städtischen Museums am Standort Karlsplatz. Dafür wurde mit der Gründung einer Entwicklungsgesellschaft (als Tochtergesellschaft der Wiener Standort EntwicklungsGmbH (WSE) in der Wien Holding) die organisatorischen Rahmenbedingungen geschaffen, zu deren Aufgaben die Abwicklung aller für das Projekt notwendigen Maßnahmen - von Widmungs- bis hin zu Finanzierungsfragen - sowie die Vorbereitung und Umsetzung des Architekturwettbewerbes zählen.

Im März 2015 wurde dann der zweistufige internationale Architekturwettbewerb ausgelobt. Unter dem Vorsitz des Schweizer Architekten Emanuel Christ wurde in der finalen Jurysitzung vom 19.11.2015 aus 274 eingereichten Projekten der Entwurf von Certov, Winkler + Ruck Architekten (Graz/Klagenfurt) zum Siegerprojekt gekürt.

Die Jury begründete ihre Entscheidung u.a. wie folgt:

„Allgemein ist das Projekt mit dem großen „Pavillon“ auf dem Dach als eine schöne und klare Setzung zu würdigen, dem es gelingt, die gebotene Rücksicht und den verantwortungsvollen Umgang mit Mitteln in eine dennoch prägnante Gesamtform umzusetzen, welche die räumlichen und gestalterischen Qualitäten des Karlsplatzes bewahrt und stärkt, sich durch die Freistellung gekonnt vom Nachbargebäude emanzipiert und dem Museum ein zusammenhängendes neues Gesicht verschafft.“

Als folgende Schritte wurde ein Verhandlungsverfahren mit den Gewinnern, mit dem Ziel, das Siegerprojekt umzusetzen angekündigt. Angekündigt wurde ebenfalls, dass Anfang des Jahres 2016 die Zürich Versicherung einen geladenen Architekturwettbewerb für das benachbarte Winterthurgebäude durchführen wird.

Die Formulierung der städtebaulichen Rahmenbedingungen für diesen folgenden Wettbewerb waren in Abhängigkeit mit der Lösung für das Wien Museum als Teil von dessen Wettbewerb abgefragt und wurden in weiterer Folge von der Stadtplanung vertieft und präzisiert. Als wichtigste Rahmenbedingungen wurden der Abbruch der Verbindungsbauteile zwischen den beiden Gebäuden sowie eine maximale Gebäudehöhe definiert, die sich an der Gesimshöhe der Karlskirche sowie der zukünftigen Höhe des Wien Museums orientiert und damit die bestehende Traufkante am Karlsplatz (TU-Wien, Musikverein, etc.) aufnimmt.

Von den eingereichten Vorschläge für das Winterthur-Gebäude wurden von einer achtköpfigen ExpertInnenjury unter dem Vorsitz von Rüdiger Lainer die Pläne des Wiener Architekturbüros Henke Schreieck Architekten ZT einstimmig ausgewählt und im April 2016 öffentlich präsentiert.

Aufbauend auf den bis zu diesem Zeitpunkt erfolgten Planungen und Entscheidungen für das Wien Museum wurden die Gewinner des Architketurwettbewerbes mit den weiteren Planungen beauftragt. Für die Phase II des Bauprojekts, die mit der Erwirkung des Baubescheides endet, wurde im September 2016 im Kulturausschuss des Wiener Gemeinderates ein Gesamtbetrag von 3,5 Millionen Euro einstimmig beschlossen.

Der Entwurf für eine Neufestsetzung des Flächenwidmungs- und Bebauungsplanes wurde auf Basis dieser Planungsvorleistungen ausgearbeitet und magistratsintern begutachtet. Eine Eröffnung des Verfahrens gemäß §2 WBO hat noch nicht stattgefunden. Eine Vorlage dieses Entwurfes zur Beschlussfassung an den Wiener Gemeinderat ohne Finanzierungsbeschluss für den Bau des Wien Museums wurde von Vbgm. Maria Vassilakou ausgeschlossen.

Und nun zurück zum Vorschlag des Bürgermeisters, jetzt das Winterthurgebäude zu kaufen.
Wenn das passiert, heißt das für den notwendigen und unbestrittenen Neubau des Wienmuseums: Zurück an den Start.
Wäre das Winterthurgebäude im Besitz der Stadt, eröffnete dies natürlich für das Wienmuseum und für den Karlsplatz völlig neue Möglichkeiten.
Jedenfalls müssten die städtebaulichen Bedingungen neu definiert, und ein neuer Wettbewerb ausgelobt werden.
Zeitverzögerung: Mindestens ein Jahr, eher mehr.
Alle Kosten, die bisher aus dem Kulturbudget geflossen sind, wären damit abzuschreiben.
Es fragt sich also schon, warum der Bürgermeister erst jetzt mit diesem Vorschlag kommt.
Außerdem:
Das Winterthurgebäude ist im Besitz einer Versicherung.
Der Erwerb würde einen zweistelligen Millionenbetrag erfordern. (Ich unterlasse genauere Abschätzungen, um einen allfälligen Kaufprozess nicht zu belasten).
Budgetiert ist dies nicht.
Für den Kauf verantwortlich wären entweder die Finanzstadträtin (über eine Tochter der Wienholding) oder Stadtrat Ludwig, der für städtische Gebäude verantwortlich ist.
Letztlich muss der Kulturstadtrat klären, ober er die bisherigen Planungen abschreiben und ein völlig neues Projekt starten will.
Das Planungsressort hat, wie vereinbart, bisher alle Schritte für den Neubau des Wienmuseums unterstützt.
Jetzt liegt es am Bürgermeister und an den zuständigen SP-Stadträten zu klären, ob man wirklich das Winterthurgebäude kaufen möchte und ob man zurück an den Start will.
Wahrscheinlich nicht nur ich bin gespannt, was wirklich gewollt ist.

update Di 14.2:
Schon wieder vorbei. Siehe : Häupl rudert zurück

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